Saddams Schergen Wie die Überlebenden des Regimes um ihre Zukunft kämpfen

"Chemical Ali" soll doch unter den Lebenden weilen, Saddams Stellvertreter Tarik Asis mit den Amerikanern kooperieren, Saddams Sohn Udai hält sich angeblich in Bagdad versteckt, und seine Schwestern wollen in Großbritannien Asyl: Die Überlebenden des irakischen Regimes versuchen sich mit der Gegenwart zu arrangieren.



Hamburg - Saddams früherer Stellvertreter Tarik Asis sitzt zwar in amerikanischer Gefangenschaft, doch er versucht das Beste daraus zu machen - indem er mit dem früheren Feind angeblich so gut wie möglich kooperiert. Die Siegermacht USA lässt sich dabei offenbar nicht lumpen und belohnt Asis mit Privilegien.

Die in London erscheinende Zeitung "al-Shark al-Ausat" berichtet, Jordanien habe sich bereit erklärt, neun Angehörige des ehemaligen irakischen Außenpolitikers aufzunehmen, nachdem die US-Regierung die Regierung in Amman gebeten habe, der Familie Asis' Asyl zu gewähren. Dieser habe den Amerikanern "wertvolle Informationen" gegeben.

Das Blatt berichtet, Asis sei an seinem Haftort mehrfach von Angehörigen besucht worden. Sie hätten dem gesundheitlich angegriffenen früheren stellvertretenden Ministerpräsidenten auch Medikamente gebracht.

Die Zeitung schreibt ferner, Husseins ältester Sohn Udai halte sich im Haus eines Freundes in Bagdad versteckt. Dies habe der Doppelgänger Udais, Latif Jahja, berichtet. Laut Latif habe Udai keinen Kontakt mehr zu seinem Vater, seinem Bruder Kussei oder anderen Mitgliedern seiner Familie. Er wolle sich einer internationalen Institution stellen, nicht aber der US-Armee.

Saddam-Töchter wollen nach Leeds

Nach Informationen des britischen Senders BBC haben die Saddam-Töchter Raghad, 35, und Rana, 33, in Großbritannien um Asyl gebeten. Sie hofften, sich zusammen mit ihren zehn Kindern in Leeds niederlassen zu können. Die "Daily Mail" berichtet, auch Saddams Frau Sadschida habe in Großbritannien angefragt, Asyl zu erhalten.

Ein Sprecher des britischen Premierministers Tony Blair teilte mit, entsprechende Anträge würden abgelehnt werden. "Wir werden Asylanträge weder von seinen Töchtern stattgeben noch von seiner Frau oder anderen Familienangehörigen, die Menschenrechte verletzt haben könnten."

In Leeds lebt bereits Izzi-Din Mohammed Hassan al-Madschid, ein Cousin Saddams, der jedoch bereits 1995 aus dem Irak geflohen war. Al-Madschid traf am Donnerstagmorgen von Amsterdam kommend in Leeds ein. Nach Angaben der "Sun" versucht er Raghad, Rana und deren Kinder beim Versuch, Asyl zu erhalten, zu unterstützen.

Zweifel am Tod al-Madschids

Auch das Schicksal des für tot gehaltenen Saddam-Cousins Ali Hassan al-Madschid, bekannt als "Chemical Ali", scheint ungewiss. Am 7. April hatte die US-Regierung einen großen Erfolg gegen das Regime Saddam Husseins verkündet. Al-Madschid sei bei einem Luftangriff ums Leben gekommen. Nun räumt Generalstabschef Richard Myers ein, dass der irakische General noch am Leben sein könnte. Möglicherweise habe er die Luftangriffe auf seine Villa in Basra überlebt.

Diese Annahme stütze sich auf Aussagen einiger Gefangener. Nach den Angriffen hatten Myers und Pentagon-Chef Donald Rumsfeld Videos präsentiert, auf denen Laser gesteuerte Bomben ein Haus in Schutt und Asche legten, nachdem die alliierten Streitkräfte einen Hinweis erhalten hatten, al-Madschid halte sich in dem Haus auf.

"Wir meinen, dass die Terrorherrschaft Chemical Alis zu Ende ist", hatte Rumsfeld damals gesagt. Andrew Jackson, ein britischer Offizier, schien Rumsfelds Aussagen zu bestätigen. Er gab an, die mutmaßliche Leiche al-Madschids sei in den Trümmern des zerstörten Hauses gefunden worden.

Nun müssen Myers und Rumsfeld offenbar ihre Aussagen revidieren. Nach einem Treffen mit Mitgliedern des Kongresses, schlossen sie gegenüber Reportern nicht aus, dass al-Madschid noch am Leben sein könnte. Sie machten darüber jedoch keine näheren Angaben.

Al-Madschid erhielt seinen Spitznamen, weil er 1988 Giftgasangriffe auf Tausende irakischer Kurden angeordnet haben soll. Das US-Zentralkommando änderte den Status des Generals nun von "tot" auf "unbekannt". Er steht als Nummer fünf auf der Liste der 55 meistgesuchten Helfer Saddams.

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