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08. Mai 2016, 11:45 Uhr

Anti-Islam-Töne im Wahlkampf

Londoner Bürgermeister wirft Cameron Trump-Taktik vor

Kaum gewählt, geht Londons Bürgermeister Khan zum Angriff über: Premier Cameron habe versucht, Ethnien und Religionsgruppen gegeneinander aufzuhetzen - so wie Donald Trump.

Londons frisch gewählter Bürgermeister Sadiq Khan hat kurz nach seinem Wahlerfolg bei den britischen Kommunalwahlen Regierungschef David Cameron harsch attackiert.

Er verglich den konservativen Premier mit dem umstrittenen US-Politiker Donald Trump, der für die republikanische Partei bei der Präsidentschaftswahl antreten könnte. Trump setzt im republikanischen Vorwahlkampf häufig auf antimuslimische und ausländerfeindliche Ressentiments.

Khan schreibt in einem Gastbeitrag für die britische Sonntagszeitung "Observer", sein konservativer Rivale um das Bürgermeisteramt, Zac Goldsmith, und Premier Cameron hätten auf eine Wahlkampftaktik gesetzt, die "direkt aus dem Drehbuch von Donald Trump" stammen könne. Khan ist Sohn eines Einwanderers aus Pakistan und der erste muslimische Bürgermeister einer EU-Hauptstadt.

"Was Labour aus meinem Sieg lernen kann"

Cameron und Goldsmith hätten versucht, "die Gemeinschaft der Londoner zu spalten, um in einigen Gegenden Stimmen zu holen". Sie hätten mit "Angst und Anspielungen versucht, ethnische und religiöse Gruppen gegeneinander aufzuhetzen - wie Donald Trump es tut". Das habe London nicht verdient, sagte Khan. Die Tories sollten das nicht erneut versuchen.

Auch seine eigene Partei kritisierte Khan: Labour müsse zwei Lektionen aus seinem erfolgreichen Wahlkampf mitnehmen, so Khan. Die Partei könne nur gewinnen, wenn "wir uns auf die Themen konzentrieren, die die Menschen wirklich angehen". Außerdem werde der Partei nur Regierungsverantwortung zugetraut, wenn "wir uns um alle Wähler kümmern, egal was ihr Hintergrund sein mag, wo sie leben oder arbeiten".

Wie der "Observer" schreibt, sind mehrere Passagen in Khans Gastbeitrag "Was Labour aus meinen Sieg lernen kann" als Kritik am Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn zu verstehen. Khan glaube demnach nicht, dass es dem traditionellen Linken Corbyn gelingen kann, enttäuschte Labour-Wähler zurückzugewinnen und zugleich die britische Mittelschicht anzusprechen.

cht

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