Anti-Islam-Töne im Wahlkampf Londoner Bürgermeister wirft Cameron Trump-Taktik vor

Kaum gewählt, geht Londons Bürgermeister Khan zum Angriff über: Premier Cameron habe versucht, Ethnien und Religionsgruppen gegeneinander aufzuhetzen - so wie Donald Trump.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan
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Londons Bürgermeister Sadiq Khan


Londons frisch gewählter Bürgermeister Sadiq Khan hat kurz nach seinem Wahlerfolg bei den britischen Kommunalwahlen Regierungschef David Cameron harsch attackiert.

Er verglich den konservativen Premier mit dem umstrittenen US-Politiker Donald Trump, der für die republikanische Partei bei der Präsidentschaftswahl antreten könnte. Trump setzt im republikanischen Vorwahlkampf häufig auf antimuslimische und ausländerfeindliche Ressentiments.

Khan schreibt in einem Gastbeitrag für die britische Sonntagszeitung "Observer", sein konservativer Rivale um das Bürgermeisteramt, Zac Goldsmith, und Premier Cameron hätten auf eine Wahlkampftaktik gesetzt, die "direkt aus dem Drehbuch von Donald Trump" stammen könne. Khan ist Sohn eines Einwanderers aus Pakistan und der erste muslimische Bürgermeister einer EU-Hauptstadt.

"Was Labour aus meinem Sieg lernen kann"

Cameron und Goldsmith hätten versucht, "die Gemeinschaft der Londoner zu spalten, um in einigen Gegenden Stimmen zu holen". Sie hätten mit "Angst und Anspielungen versucht, ethnische und religiöse Gruppen gegeneinander aufzuhetzen - wie Donald Trump es tut". Das habe London nicht verdient, sagte Khan. Die Tories sollten das nicht erneut versuchen.

Auch seine eigene Partei kritisierte Khan: Labour müsse zwei Lektionen aus seinem erfolgreichen Wahlkampf mitnehmen, so Khan. Die Partei könne nur gewinnen, wenn "wir uns auf die Themen konzentrieren, die die Menschen wirklich angehen". Außerdem werde der Partei nur Regierungsverantwortung zugetraut, wenn "wir uns um alle Wähler kümmern, egal was ihr Hintergrund sein mag, wo sie leben oder arbeiten".

Wie der "Observer" schreibt, sind mehrere Passagen in Khans Gastbeitrag "Was Labour aus meinen Sieg lernen kann" als Kritik am Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn zu verstehen. Khan glaube demnach nicht, dass es dem traditionellen Linken Corbyn gelingen kann, enttäuschte Labour-Wähler zurückzugewinnen und zugleich die britische Mittelschicht anzusprechen.

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cht



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josho 08.05.2016
1. Jemand, der jetzt noch mehr...
..spaltet, hat England gerade noch gefehlt. Im restlichen England dürften die Uhren eher anders herum gehen.
Aspekte plus 08.05.2016
2. So sicher wie das Amen in der Kirche
Man kann David Cameron alles nachsagen - aber mit Recht wohl keine Fremdenfeindlichkeit und "Trump-Gehabe". Jeder muslimische Politiker trägt seine Religionszugehörigkeit und den Kampf gegen "die anti-islamische Stimmung" als Banner hoch über seinem Kopf. Er ist doch als Londoner Bürgermeister gewählt worden und nicht als Vertreter der Muslime im Londoner Rathaus. Wie Boris Johnson auch. Ob der Atheist oder was auch immer sei, weiss seine Umgebung, die Öffentlichkeit interessiert das nicht - weil es ganz einfach unwichtig ist. Das sein Nachfolger ein bekennender Muslin ist, scheint mir nun auch nicht DIE Sensation zu sein, ich hoffte eigentlich der Labourpolitiker hätte durch seine politischen Positionen und nicht durch seine Religionszugehörigkeit überzeugt. Inzwischen scheint es in ganz Europa keine einzige politische Position mehr zu geben, die nicht entweder islamfeindlich oder 100% pluralistisch-demokratisch ist.
tsitsinotis 08.05.2016
3. Klare Worte,
Glückwunsch.
heinz.murken 08.05.2016
4. Cameron ist kein Populist
Hier läuft sich anscheinend jemand warm um nach der nächstem Wahl, der nächsten verlorenen Wahl für Labour, an die Parteispitze zu gelangen und dann Prime zu werden. Von wegen Frankreich! Gut möglich, dass es im UK den ersten islamischen Ministerpräsidenten in Europa geben wird...und die Briten werden das eher verkraften, denn sie haben ein politisch neutrales, aber eben auch unzweifelhaft christliches Königshaus als unumstößliches gefühltes zweites Machtzentrum im Staat.. Auch wenn Charles bis dahin etwas anders als seine Mutter auf den Glauben geschworen haben und vereidigt sein wird.
bigwojt 08.05.2016
5. es scheint so
Ich muss Eintrag #2 vollkommen Recht zusprechen. Es scheint dieser Tage als gebe es nur zwei totale Extremen (pro oder Contra eine gewissen religiöse Gruppierung). Auch muss ich recht geben, dass es eigentlich irrelevant sein sollte, welch religiösen Ansichten ein Politiker hat, da er dem Wohl aller Bürger dient / dienen sollte!
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