Anschlag von San Bernardino Attentäterin schwor IS die Treue

Ermittlern zufolge versprach die Attentäterin von San Bernardino Tashfeen M. dem "Islamischen Staat" kurz vor der Tat auf Facebook die Treue. Das FBI behandelt den Fall jetzt als Terrorangriff.

Tatort in San Bernardino: Attentäterin hat Verbindungen zum IS
AFP

Tatort in San Bernardino: Attentäterin hat Verbindungen zum IS

Von , Washington


14 Menschen sind nach dem Attentat von San Bernardino tot, rund 20 sind verletzt. Wie CNN und "New York Times" nun berichten, hatte zumindest die Attentäterin Tashfeen M. Sympathien für die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Das FBI behandelt den Fall mittlerweile als einen Terrorangriff. Es gebe "Beweise" für umfangreiche Planungen der Tat, sagte der für Los Angeles zuständige Vize-FBI-Direktor David Bowdich am Freitag vor Journalisten.

Die 27-Jährige Tashfeen M. soll dem IS-Anführer Abu Omar al-Bagdadi in einem Posting auf Facebook unter anderem Namen ihre Treue geschworen haben. Ein Facebook-Manager sagte der Nachrichtenagentur AP, die Frau habe das Posting nur wenige Minuten vor dem Attentat veröffentlicht. Es gebe aber keinen Beweis, dass die Terrororganisation das Angreifer-Ehepaar Seyd F. und Tashfeen M. gesteuert habe.

Mit den neuen Erkenntnissen manifestiert sich die These der Ermittler, dass der Angriff in San Bernadino auch islamistisch motiviert gewesen sein könnte. Bereits kurz nach dem Anschlag hatten die Fahnder ein Terrormotiv ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Die militärische Ausrüstung des Ehepaars Seyd F. und Tashfeen M. sowie ein auffallend großes Waffenarsenal in ihrem zu Hause im benachbarten Redlands hatte die Behörden vermuten lassen, dass dem Attentat eine Planung vorausgegangen war. Bei den Durchsuchungen waren auch etliche Rohrbomben gefunden worden, die offenbar nach einschlägigen Bauplänen entworfen worden waren.

Video: Bomben, Schusswaffen und Munition im Haus der Täter

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Zudem war bekannt geworden, dass der Ehemann Seyd F. Kontakte zu in- und ausländischen Extremisten gehabt haben soll. Mit wem konkret und mit wie vielen er kommuniziert haben soll, ist bisher noch offen. Tashfeen M. stammte aus Pakistan und hatte Seyd F. vor rund zwei Jahren im Internet kennengelernt. Sie soll vor rund 25 Jahren nach Saudi-Arabien gezogen sein, jedoch vor etwa fünf Jahren in Pakistan Pharmazie studiert haben. M. war mit einem Angehörigen-Visum der Kategorie K-1 in den USA.

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Die Ermittler gehen trotz der Terrorindizien bisher nicht davon aus, dass der Angriff von der Führung des "Islamischen Staats" gesteuert wurde. Man gehe von einer "Selbstradikalisierung" aus, sagten Ermittler der "New York Times". Belege dafür, dass IS-Mitglieder in die Angriffspläne vorab eingeweiht waren, gebe es bislang nicht. Dennoch dürften die neuen Erkenntnisse die Diskussion in den USA weiter belasten. Seit Tagen sorgt der Fall für heftige Auseinandersetzungen zwischen Demokraten und Republikanern.

Über am Tatort und im Haus des Ehepaars gefundene technische Geräte versuchen die Ermittler derzeit, weitere Details darüber zu erfahren, mit wem das Ehepaar vor dem Angriff kommunizierte. Die Ermittlungen ziehen sich, da F. und M. im Vorfeld der Bluttat zwei Handys zerstört sowie Festplatten und Speichermedien gelöscht hatten.

Zudem konzentrieren sich die Ermittlungen auf das Arbeitsverhältnis Seyd F.s. Der 28-Jährige hatte mehrere Jahre bei jener Gesundheitsbehörde gearbeitet, die am Mittwoch die Feier im Sozialzentrum ausrichtete. F. hatte die Feier selbst besucht, sie aber angeblich wegen eines Konflikts spontan verlassen. Wenig später war er mit seiner Ehefrau schwer bewaffnet zurückgekehrt.

Ermittlern zufolge könnten auch Streitigkeiten in der Zeit vor der Feier eine Rolle gespielt haben. So soll Seyd F. vor rund zwei Wochen mit einem jüdischen Arbeitskollegen angeblich eine Auseinandersetzung über die Rolle des Islam gehabt haben. Zeugen hatten berichtet, dass es im Büro der beiden zu einem lauten Streit gekommen sei.

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