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10. April 2012, 20:20 Uhr

Vorwahlkampf der US-Republikaner

Santorum macht Weg für Romney frei

Das Rennen der Republikaner um den Herausforderer des amtierenden US-Präsidenten ist so gut wie entschieden. Rick Santorum verkündete am Dienstag seinen Rückzug. Jetzt wird Multimillionär Mitt Romney gegen Barack Obama antreten.

Washington/Hamburg - Rick Santorum ist aus dem Vorwahlkampf der republikanischen Präsidentschaftskandidaten ausgeschieden. "Das Rennen ist für mich vorbei", sagte der 53-Jährige am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Gettysburg in seinem Heimatstaat Pennsylvania. Er habe am Wochenende entschieden, seine Kampagne auszusetzen. "Wir werden aber weiter kämpfen, um Barack Obama zu besiegen", kündigte der frühere Senator an. Mit der Entscheidung steht einer Nominierung des Multimillionärs Mitt Romney als republikanischer Gegenkandidat zu Amtsinhaber Obama nichts mehr im Wege.

Die anderen verbliebenen Mitbewerber Ron Paul und Newt Gingrich haben wegen schwacher Wahlergebnisse kaum noch Chancen, von der Partei aufgestellt zu werden. Beide haben jedoch immer wieder erklärt, bis zum Ende des Nominierungsprozesses im Rennen bleiben zu wollen.

Santorum trat gemeinsam mit seiner Familie vor die Presse. Als Grund, der zu seiner Entscheidung beigetragen habe, nannte er dabei die Sorge um seine dreijährige Tochter Isabella. Sie leidet an einer schweren Behinderung und musste seit Januar mindestens zweimal mit einer lebensgefährlichen Infektion ins Krankenhaus. Santorum hat sieben Kinder.

Im Wahlkampf sei er weiter gekommen, als es irgendwer für möglich gehalten hätte, sagte der 53-Jährige. Er habe "allen Widrigkeiten zum Trotz" gekämpft. Tatsächlich war Santorum als krasser Außenseiter in den Vorwahlkampf der Republikaner gestartet. Bis zuletzt galt er als ärgster Widersacher von Romney und setzte sich in elf Bundesstaaten gegen ihn durch. Allerdings fiel er bei der wichtigen Delegiertenzahl für den Nominierungsparteitag der Republikaner im August immer deutlicher zurück.

Um auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner Ende August zum Herausforderer von Präsident Obama gekürt zu werden, muss ein Bewerber bei den Vorwahlen in den Bundesstaaten mindestens 1144 Delegierte gewinnen. Romney konnte sammelte mehr als 625 Delegierte, Santorum kam nicht einmal auf die Hälfte. Auf diesen Unterschied kam Santorum auch am Dienstag zu sprechen: "Wir haben in einer ganz anderen Art gewonnen", sagte er vor seinen Anhängern. "Wir haben die Herzen berührt."

Romney gratulierte seinem Parteifreund in einer kurzen Mitteilung zur bisherigen Kampagne und bezeichnete ihn als einen "tüchtigen und würdigen Wettbewerber". Wie aus Kreisen der Republikaner verlautete, hatten Romney und Santorum vor der offiziellen Ankündigung des Rückzugs miteinander gesprochen. Die Frage ist, wie Romney sich nun auf der ganz großen politischen Bühne schlagen wird. Das Wochenmagazin "Time" analysierte jüngst, der 65-Jährige habe in dem seit Januar bitterböse geführten Vorwahlkampf so viele Federn gelassen, dass er für Obamas Wahlkampfmaschine ein leichtes Opfer werden könnte.

Der erzkonservative Santorum hatte zuletzt mit "Negative Campaigning", also mit dem Verunglimpfen des politischen Gegners, Aufsehen erregt: Ein Ende März veröffentlichtes Kampagnenvideo zeigte ein gruselig verzerrtes Bild der USA bei einer Wiederwahl Obamas, ein Horrorstreifen im Hitchcock-Stil. Im Wahlkampf fiel der frühere Senator aus Pennsylvania auch durch seine Fixierung auf die Themen Familie und Sexualmoral auf. Er sprach sich gegen Sex außerhalb der Ehe, gegen Abtreibung und die Schwulenehe aus.

Die Entscheidung, den Wahlkampf nun auszusetzen, sei eine der schwersten gewesen, die er und seine Ehefrau Karen jemals hätten treffen müssen, heißt es in einer von Santorum online veröffentlichten Erklärung.

Einer aktuellen Umfrage von "Washington Post" und dem TV-Sender ABC zufolge liegt Obama erstmals seit Monaten deutlich vor der Konkurrenz: 51 Prozent der Befragten wollen demnach für ihn stimmen. Nur 44 Prozent würden für Ex-Gouverneur Romney votieren. Für den Fall einer Santorum-Kandidatur fiel Obamas Vorsprung sogar noch etwas deutlicher aus. Am 6. November wird in Amerika ein neuer Präsident gewählt.

aar/fab/Reuters/dpa/AP/AFP/dapd

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