Italien Bergarbeiter verschanzen sich mit Sprengstoff unter Tage

Das einzige italienische Kohlebergwerk ist von der Schließung bedroht. Die Bergleute auf Sardinien kämpfen mit einer verzweifelten Aktion für ihre Jobs: Sie brachten 350 Kilo Sprengstoff in ihre Gewalt und besetzten die Mine. Damit wollen sie die Regierung unter Druck setzen.


Cagliari - Mehrere Dutzend sardische Minenarbeiter demonstrieren 373 Meter unter dem Meeresspiegel für die Zukunft ihrer Arbeitsplätze. Seit Sonntag halten sie die Kohlenmine Nuraxi Figus im Südwesten der italienischen Mittelmeerinsel besetzt und die Zugänge blockiert. "Beschlagnahmt" haben sie in der Tiefe auch 350 Kilogramm Sprengstoff, den sie für ihre Arbeit unter Tage brauchen, berichteten italienische Medien am Montag.

Die Minenarbeiter wollen erzwingen, dass die Regierung in Rom ein geplantes Projekt sauberer Energie für die Mine bald beschließt, um bedrohte Arbeitsplätze zu sichern. Wenn das nicht rasch komme, sei die Mine am Ende, sagen sie.

"Wir machen uns Sorgen, dass das Bergwerk geschlossen werden könnte", sagte der 54-jährige Bergmann Sandro Mereu. "Wir fürchten um unsere Jobs." Er und seine Kollegen würden so lange unter Tage bleiben, bis sie eine Zusage der Regierung bekämen, dass die Zukunft des Bergwerks gesichert sei.

Die Bergleute plädieren zur Sicherung des Unternehmens für eine Kombination von Kohleförderung und der Einlagerung von Kohlendioxid. Diese umstrittene Einlagerung gilt bei Befürwortern als eine Möglichkeit, die Atmosphäre von dem Treibhausgas zu entlasten und damit die Klimaveränderung zu verlangsamen.

Um die Arbeitsplätze in der Mine wird schon seit Jahrzehnten gerungen. Die Bergleute von Carbosulcis westlich der Stadt Cagliari haben ihre Zeche schon in den Jahren 1984, 1993 und 1995 in Protestaktionen besetzt. Einmal hielten sie 100 Tage aus. In den fünfziger Jahren arbeiteten hier noch 12.000 Bergarbeiter.

ler/dpa/Reuters



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