Chemiewaffen in Syrien "Le Monde"-Blutproben bestätigen Sarin-Einsatz

Das syrische Regime setzt Sarin im Kampf gegen die Aufständischen ein. Das hat die Untersuchung von Proben ergeben, die Reporter der französischen Zeitung "Le Monde" aus dem Land mitgebracht haben. Es ist eine wichtige unabhängige Bestätigung für den Einsatz von Chemiewaffen.
Gasmaskenträger in Aleppo: Nach einem Bombenangriff suchen Zivilisten in den Trümmern nach Überlebenden

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Foto: ? Muzaffar Salman / Reuters/ REUTERS

Damaskus/Paris - Nun sind die Laborwerte da und sie lassen keinen Zweifel: In Syrien wird das hochgiftige Nervengas Sarin eingesetzt. Reporter der französischen Zeitung "Le Monde" waren im April und Mai Zeugen eines Chemiewaffen-Einsatzes in Dschobar und Ghouta geworden, zwei Vororten von Damaskus. Dabei hatten regimetreue Truppen die von den Rebellen kontrollierten Wohngebiete mit Gas attackiert. Zivilisten waren von den Angriffen ebenfalls betroffen. Ihre Beobachtungen veröffentlichten die Reporter auch auf Englisch .

Aus Syrien brachten die zwei Journalisten Blut-, Urin- und Haarproben sowie Kleidungsstücke von 13 Syrern mit, die dem Giftgas ausgesetzt waren. Nun sind die langwierigen Untersuchungen abgeschlossen. Für alle 13 Personen steht fest: Sie wurden mit Sarin vergiftet.

Die Untersuchungen der französischen Journalisten sind einzig wirklich unabhängigen, die bisher zum Einsatz von Chemiewaffen in Syrien stattfinden konnten. Eigentlich sollte eine Uno-Kommission ins Land reisen und die Vorwürfe überprüfen. Dies hatte das syrische Regime gefordert. Dann überlegte es sich Damaskus jedoch wieder anders. Baschar al-Assad verweigert den Uno-Mitarbeitern die Einreise.

Paris, London, Washington und Jerusalem haben inzwischen allesamt erklärt, dass das syrische Regime Saringas einsetzt. Dabei ist jedoch nicht immer eindeutig, worauf sich ihre Aussagen stützen. Die Regierungen halten sich in dieser Frage bedeckt.

Erstmals wird öffentlich, worauf sich die Erkenntnisse stützen

Großbritannien hatte nach eigenen Angaben Geheimdienstmitarbeiter nach Syrien geschickt. Sie kamen mit Bodenproben zurück von einem Giftgas-Einsatzort im Norden. Frankreich analysierte die Proben der "Le Monde"-Journalisten sowie weitere aus dem Norden des Landes. Die USA ließen ebenfalls Proben im Labor untersuchen, jedoch ist nicht klar, ob diese von US-Geheimdienstlern in Syrien entnommen wurden oder von Rebellen. Alle Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass in Syrien Sarin eingesetzt wird.

Das hochgiftige Sarin ist seit 1993 durch die internationale Chemiewaffenkonvention verboten. Es ist farb-, geruch- und geschmacklos. Opfer bemerken es meist erst, wenn bereits Symptome auftreten. Betroffene lassen sich nur schwer behandeln. Mindestens eine der 13 Personen, von denen die "Le Monde"-Proben stammen, ist inzwischen verstorben, so die Zeitung.

Der Bericht von "Le Monde"  macht nun erstmals den Analyseweg transparent. Die Proben wurden zum Teil von den Journalisten selbst entnommen, zum Teil vom behandelnden syrischen Arzt im Krankenhaus in Kafr Batna, einem Vorort von Damaskus.

Obama hatte Chemiewaffen als "rote Linie" bezeichnet

Ausgewertet wurden sie im französischen Labor "Centre d'étude du Bouchet", das zum französischen Verteidigungsministerium gehört. Es ist das einzige Labor in Frankreich, das für solche Untersuchungen ausreichend ausgerüstet ist.

US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien als "rote Linie" bezeichnet, die ihn zum Handeln zwingen würde. Von einem direkten Eingreifen hält Washington jedoch weiterhin nichts. Allerdings haben die USA im Juni entschieden, mit eigenen Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen anzufangen.

Offiziell hat US-Präsident Obama dies mit dem Einsatz von Chemie-Waffen durch das syrische Regime begründet. Jedoch ist wahrscheinlich, dass andere Überlegungen im Vordergrund standen. Die Waffenlieferungen sollen den Druck auf Baschar al-Assad erhöhen, damit dieser vielleicht doch noch Verhandlungen zustimmt. Auch sollen die Lieferungen an die gemäßigten Rebellen verhindern, dass ihr Einfluss in Syrien zugunsten Radikaler weiter zurückgeht.

ras
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