Sarko-Show Der Rocky der Rechten bezirzt die Medien

Wie ein Popstar setzt sich Frankreichs konservativer Präsidentschaftskandidat Sarkozy in Szene - und mit Popstars umgibt sich der 51-Jährige gerne. Sein legerer Umgang mit den Größen des Showbiz folgt einer perfekten Choreografie.

Von Kim Rahir, Paris


Paris - Wenn es um sein Bild in der Öffentlichkeit geht, überlässt Nicolas Sarkozy nichts dem Zufall. Ob Pressekonferenz oder Fototermin, der Innenminister verteilt höchstpersönlich die Sitz- und Stehplätze, organisiert die Verteilung von Journalisten und Fotografen. Und das immer mit einem warmherzigen Lächeln. "Er ist immer freundlich und zuvorkommend", berichtet ein Fotograf, der den Präsidentschaftskandidaten schon lange begleitet. In dieser Hinsicht habe Sarkozys Gegenkandidatin, die Sozialistin Ségolène Royal, noch einiges nachzuholen. Die Dame ist nicht nur bei der Presse, sondern auch bei ihren Mitarbeitern als kurz angebunden und manchmal sogar herrisch bekannt.

Das könnte Sarkozy nicht passieren. Der Vorsitzende der Regierungspartei UMP hat nur Top-Profis engagiert, die ihn blendend in Szene zu setzen vermögen. Seine konsequente Freundlichkeit und Gelassenheit hat einen einfachen Grund: Der konservative Politiker weiß, was er will und setzt das konsequent durch. So zum Beispiel für das offizielle Foto von Sarkozy als Parteichef: Kein geringerer als Peter Lindberg, Starfotograf bei "Vogue" und "Harper's Bazaar" und Entdecker der Topmodels Naomi Campbell oder Kate Moss, musste das Konterfei des ehrgeizigen Politikers ablichten. Und ein einziger Fotograf hat das Recht, Sarkozys Privatleben zu fotografieren, das der Minister der Öffentlichkeit in wohlkalkulierten Dosen verabreicht.

So komplett beherrscht der Politiker sein öffentliches Image als Privatmann, dass es mittlerweile Gerüchte gibt, auch die Ehekrise mit seiner Frau Cécilia, die ihn Anfang 2005 wegen eines anderen Mannes vorübergehend verlassen hatte, sei von dem Politiker inszeniert worden. Eine Lesart, die vielleicht übertrieben, aber verständlich ist. Denn erst kürzlich erschien in einem Politmagazin ein Foto von einem sonnengebräunten Mann mit Dreitagebart mit der Unterschrift: "Cécilias neuer Liebhaber". Der Mann war Sarkozy.

Kein französischer Politiker hat sich je so nach Promi-Vorbild angepriesen. Sarkozy gibt sich nicht nur wie ein Popstar, er umgibt sich auch mit ihnen: Der Altrocker Johnny Hallyday ist UMP-Parteimitglied und Sarkozys Freund, auch Filmgrößen wie Jean Reno, Daniel Auteuil oder Christian Clavier gelten als seine Kumpel. Oft kam der Kontakt durch Sarkozys Amt als Bürgermeister von Neuilly zustande: Nicht wenige Stars wohnen in dem schicken westlichen Pariser Vorort, und etliche von ihnen sind von Bürgermeister Sarkozy getraut worden.

Vorstadt-Rapper Doc Gynéco als Sarkozy-Fan

Doch der bürgerliche Westen ist es nicht allein: Auch der Vorstadt-Rapper Doc Gynéco aus Clichy-sous-Bois, wo im Herbst 2005 die Jugendkrawalle begannen, ist ein Sarkozy-Fan. Anlässlich der Unruhen hatte der Innenminister Menschen aus den elenden Banlieues empfangen und so den beliebten Rapper kennengelernt. Daraus wurde eine medienwirksam verkündete Freundschaft: "Sarkozy ist für mich vor allem ein Freund", sagt der dunkelhäutige Musiker, der sogar der UMP beitrat.

Dass der Innenminister mit markigen populistischen Worten über die Vorstadtjugendlichen hergezogen war, stört den 32-Jährigen, dessen Eltern aus Guadeloupe nach Frankreich kamen, nicht: "Die sind doch Clowns, diese Vorstädter. Da regen sie sich auf, dass Sarkozy sie 'Gesindel' nennt und mit dem 'Kärcher' reinigen will, dabei beleidigen sie sich doch gegenseitig von morgens bis abends."

Dabei pflegt der UMP-Chef nicht nur sein Popstar-Image, sondern auch seine Reputation als Selfmade-Man. Bei einem USA-Aufenthalt verglich er sich mit dem aus Österreich stammenden kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der vor seiner Politikerkarriere Mister Universum und Hollywood-Star war. "Sarkozy ist wie Schwarzy, die guten Posten waren mir nicht vorbestimmt, ich musste sie mir holen", sagte der Präsidentschaftskandidat, der selbst Sohn eines ungarischen Einwanderers ist - allerdings eines wohlhabenden.

"Rocky der Rechten"

Der Vergleich zeigt sehr gut, welches Bild Sarkozy in der Öffentlichkeit anstrebt, eine Mischung aus Promi-Glanz und einfachem Mann aus dem Volke. "Wenn man sieht, wie er vor einem Aufritt seine Schultern und seinen Kopf zurechtrückt, wie er völlig durchnässt von seinen Reden zurückkehrt und dann gleich zum Joggen geht, dann könnte man ihn den 'Rocky' der Rechten nennen", meinte die Zeitschrift "Le Point" mit Blick auf die Wiederauflage der Boxerlegende "Rocky" mit Hollywoodstar Sylvester Stallone.

Anders als der einsame Boxer, der im Morgengrauen seine Runden dreht, weiß Sarkozy jedoch, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, auf die er sich verlassen kann. So fährt er bei seinen politischen Veranstaltungen immer schweres Geschütz auf: Die Produktionsfirma ETC (Etudes, Technique et Communication) tritt bei jeder politischen Rede für die UMP mit fünf Kameraleuten an, um den UMP-Chef aus allen möglichen Perspektiven zu filmen. Hinterher macht sich ein Kommunikationsexperte an die Auswahl und den Schnitt der Bilder. Am Ende steht ein perfekter Mix mit möglichst überzeugenden Bildern von Sarkozy, die die Partei dann kleinen und großen Fernsehsendern kostenlos zur Verfügung stellt.

"Die völlige Kontrolle der Bilder"

Und nicht nur die kleinen Sender, die knapp bei Kasse sind, greifen auf diese aufbereiteten Bilder zurück, auch in den 20-Uhr-Nachrichten der großen Anstalten tauchen sie auf. "Das ist unsere Stärke, die völlige Kontrolle der Bilder, die ausgestrahlt werden", sagte ein Sprecher der Firma in einem Zeitungsinterview. "In diesem Bereich haben wir ein außergewöhnliches Know-how, wir organisieren auch Sachen wie ein Konzert von Jean-Michel Jarre in Peking." Womit auch die politische Versammlung den Status eines Pop-Events bekommt. Kein Zufall also, dass Sarkozy oft vom "Publikum" spricht, wenn andere Politiker "die Franzosen" sagen.

Sarkozy sei der Politiker, "der die Entwicklung der post-modernen Gesellschaft am besten versteht", schreibt der Soziologe Michel Maffesoli, der von einer "kaleidoskopischen Ära" spricht. Und so beschränkt der Kandidat sich nicht auf ein politisches Programm - er macht sich selbst zu einer Marke. Dass ihm dabei drei französische Werbegurus zur Seite stehen, ist selbstverständlich. Sein ungarischer Familienname hilft obendrein - entspricht doch die Version "Sarko" der französischen Neigung, längere Wörter zu verkürzen und sie mit einem affektiven "o" enden zu lassen.

Seinen Popstar-Status machen dem 51-Jährigen mittlerweile nicht einmal mehr seine Kritiker streitig. Der Innenminister ist nämlich auch der "Held" eines Comics, in dem er gar nicht gut wegkommt. "La face karchée de Sarkozy" will sich als enthüllende Biographie - und ist auf der Hitliste der meistverkauften Comics prompt auf Platz fünf gelandet.

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