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18. Oktober 2007, 18:45 Uhr

Sarkozy-Scheidung

Madame zieht aus

Von Barbara Markert, Paris

"Im Grunde ist Cécilia mein einziges Problem", sagte Nicolas Sarkozy einmal - jetzt ist er es los. Seine willensstarke Frau, die nicht First Lady sein wollte, hat sich von ihm getrennt. Die Farce ist vorbei: Erstmals regiert ein Single und Geschiedener Frankreich.

Paris - Die Nachricht von der Scheidung des französischen Präsidentenpaares lief heute als Eilmeldung über die Nachrichtenagenturen. Aber überrascht hat sie die Franzosen kaum noch - allenfalls die Art, wie das oberste Ehepaar des Staates die Trennung seinem Volke mitteilte: durch eine dürre Mitteilung des Elysée-Palastes, ganz ohne persönliche Auftritte.

Vor allem ausländische Medien hatten die bevorstehende Scheidung schon länger breit thematisiert - die französischen Medien hielten sich dezent zurück. Monsieur le Président hatte es erneut geschafft, letztere im Zaum zu halten. Innerhalb der Regierung hatte er eine klare Sprachregelung geschaffen - sie lautete: "Kein Kommentar". Nun jedoch, wo es endlich offiziell ist, lösen sich bei manchen vorsichtig die Zungen.

Es sei Zeit, ließ sich ein Politiker der sozialistischen Partei von der eher regierungsfreundlichen Zeitung "Le Figaro" entlocken, "mit der Vermarktung von Politikern als Promis aufzuhören" und sich nun den echten Staatsproblemen zuzuwenden. Eine enge Freundin des Paares zeigte sich zutiefst betroffen, kam aber nicht umhin zu betonen, dass die Scheidung keinerlei Auswirkung auf die politische Arbeit des Präsidenten haben werde.

Genau das ist wohl auch der eigentliche Knackpunkt: Denn kaum ist die Trennung publik, mehren sich ängstliche Stimmen, die an die erste Scheidung von Nicolas Sarkozy erinnern. Damals sei er sehr aggressiv und aufbrausend geworden. Hätte sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt. Wie wird es diesmal werden?

Heile Ehepaar-Welt fürs Volk

Klar ist: Die Scheidung geht von Cécilia aus. Sie war es, die am Montag das Amtsgericht im Pariser Vorort Nanterre aufsuchte, um die Scheidung einzureichen. Sie hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie sich nicht in der Rolle der First Lady sieht. Schon im Mai 2005, lange vor der Präsidentschaftswahl, vertraute sie einer Programmzeitschrift an, nicht politisch korrekt zu sein. Sich lieber in Jeans zu kleiden. Die Anforderungen einer Präsidentschaftsgattin nicht zu erfüllen.

Von dieser Meinung rückte sie auch später nicht ab - obwohl ihr Mann nach außen hin seinem Volk gerade während des Wahlkampfs wieder eine heile Ehepaar-Welt vorgaukelte.

Cécilia Sarkozy ging beim zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen nicht zur Urne. Beim Aufmarsch am Nationalfeiertag schlug sie vor laufenden Kameras die Hand ihres Mannes aus. Bei einem privaten Dinner mit US-Präsident George W. Bush schützte sie eine Angina vor, um stattdessen mit ihren Freundinnen shoppen zu gehen. Beim G8-Gipfel in Heiligendamm reiste sie voreilig ab.

Alles Aktionen, die in der Tat nicht politisch korrekt sind. Und die zeigen, dass die Ehe seit längerem zerrüttet war.

2005 ging das Paar schon einmal getrennte Wege. Madame datete damals den Agenturchef von Publicis Events, Richard Attias, Nicolas Sarkozy tröstete sich mit der "Figaro"-Journalistin Anne Fulda. Doch die Liaisons blieben nur von kurzer Dauer.

Herr und Frau Sarkozy fanden just zum Wahlkampf wieder zusammen. Nach außen hin wenigstens. Dass sie nicht die einzigen waren, die der Öffentlichkeit eine heile Welt vorspielten, zeigte sich, als nach der verlorenen Wahl auch die Gegenkandidatin Segolène Royal sich von ihrem Mann François Hollande trennte.

"Im Grunde ist Cécilia mein einziges Problem"

Doch während die beiden Sozialisten sehr schnell die Trennung hinter sich brachten, zeigte sich das Paar Sarkozy noch einträchtig vereint zum Amtsantritt. Der Präsident schwärmte der Presse vor, dass seine Frau eine zweite Jackie Kennedy sei - modisches Stilempfinden ist dem 1,78 Meter großen Ex-Model, das sich gerne in Prada kleidet, zweifellos zuzugestehen.

Doch hinter den Kulissen häuften sich die Gerüchte von privaten Vereinbarungen zwischen dem Paar. Cécilia hätte eingelenkt, bis zu den Sommerferien an der Seite ihres Mannes zu bleiben und dann zu gehen. Diese Gerüchte bewahrheiten sich nun.

Bevor die Scheidung rechtskräftig wird, könnte es noch Komplikationen geben: Denn Nicolas Sarkozy genießt als Präsident Immunität. Kommt es zu einer Klage, kann die Scheidung nicht vollzogen werden. Nur im beiderseitigen Einvernehmen ist ein normaler Ablauf nach Zivilrecht möglich. Diese Einigung scheint getroffen worden zu sein, das sagte der Pressesprecher des Elysée-Palastes heute schmallippig. Der zuständige Richter sei am Montag höchstpersönlich ins Präsidialamt gefahren, um sich die Unterschrift des Präsidenten einzuholen - die das Ende einer elf Jahre dauernden Ehe besiegelt, aus der ein gemeinsamer Sohn hervorging, in die beide je zwei Kinder aus ihren früheren Ehen einbrachten. In weniger als eineinhalb Monaten soll die Scheidung offiziell vollzogen sein.

In Frankreich ist es das erste Mal, dass sich ein Präsident scheiden lässt. Es ist auch das erste Mal, dass in Folge der Trennung ein Single das oberste Staatsamt bekleidet. Doch kaum jemand glaubt, dass Nicolas Sarkozy sich von solchen Ausnahmezuständen beirren lässt. Kurz nach seiner Wahl im Mai 2007 sagte Nicolas Sakozy der französischen Presse einmal: "Im Grund ist Cécilia mein einziges Problem."

Genau dieses ist er nun los.

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