Sarkozy und Bruni in London Grazie, Galanterie - und ein frivoler Akt auf allen Straßen

Madame ganz graziös, Monsieur le Président charmant-elegant bei der Queen: Nicolas Sarkozy und Carla Bruni-Sarkozy sind zum Staatsbesuch in Großbritannien eingetroffen. Doch neben der umstrittenen neuen Achse London-Paris beschäftigt die Briten vor allem ein Nacktfoto der Präsidentengattin.

Von Sebastian Borger, London


London - Ihr Lächeln: so reizend. Ihr Auftreten: bescheiden. Ihr Kleidungsstil: so brav und grau, dass selbst strengsten Protokollwächtern das Herz aufgehen musste.

Carla Bruni-Sarkozy präsentiert sich bei ihrem ersten offiziellen Besuch in Großbritannien fast wie eine Klosterschülerin: In schlichtem Mantel, mit schwarzem Lackledergürtel und neckischem grauen Kapotthütchen schreitet die Gattin hinter Präsident und Ehemann Nicolas Sarkozy die Gangway in Heathrow hinab. Prinz Charles und dessen Gattin Camilla begrüßen sie auf britischem Boden.

So dezent und staatstragend gibt sich Madame auch beim folgenden Truppendefilee in Windsor, dass die Queen in ihrem accessoiregeschmückten Mantel geradezu marktschreierisch wirkt. Carla Bruni-Sarkozy, die Skandalumwitterte, Zeigefreudige, steht zwischen ihrem Gatten, der Queen und Prinz Philip, als habe sich ein glamouröses jugendliches Aschenputtel unter die Honoratioren verirrt. Man macht Smalltalk, lächelt. Frankreichs neue Charmebotschafterin bezirzt die royalen Gastgeber. Was für ein Einstand.

Und was für ein Kontrast zu den Bildern der französischen Präsidentengattin, mit denen Londons Presse an diesem Tag die Straßenkioske landauf, landab schmückt. Das Auktionshaus Christie's hatte pünktlich zum Staatsbesuch ein demnächst zur Versteigerung anstehendes Nacktfoto der heutigen Madame Bruni-Sarkozy von 1993 veröffentlicht. Die Zeitungsmacher ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, dieses deutlich weniger staatstragende Bild von Madame unters Volk zu bringen.

Schöner könnte man das aktuelle Dilemma des französischen Präsidenten Sarkozy kaum auf den Punkt bringen. Seit Monaten ist er wegen öffentlicher Turtelei und sonstiger Eskapaden zu Hause in der Kritik und wurde in den Kommunalwahlen gerade abgestraft. Er muss dringend sein Image als selbstverliebter, rastloser, ewig telefonierender Spaßpräsident loswerden. Sarkozy und seine Glamour-Gattin wollen während der beiden Tage auf englischem Boden vor allem eines demonstrieren: Seriosität. Er braucht dringend ein paar ernsthafte, positive politische Nachrichten. Er sucht außenpolitische Erfolge.

Die hofft er in England zu finden. Und umwirbt darum jetzt heftig den früheren Erzfeind jenseits des Kanals.

"Europas Zukunft nicht bauen ohne Großbritannien"

Die Entente cordiale aus beiden Weltkriegen gelte es nun umzuwandeln in eine Freundschaftsallianz, flötet Sarkozy, der selbsternannte "Bewunderer britischer Dynamik und Stärke", der im zweiten Halbjahr 2008 auch als EU-Ratspräsident amtieren wird. "Wir können Europas Zukunft nicht bauen ohne Großbritannien." Er fühle sich stets besonders wohl in London, lobt Sarkozy im Vorab-Interview der BBC und scherzt: "Schließlich ist es die siebtgrößte Stadt Frankreichs."

Tatsächlich bilden in der 7,5-Millionen-Einwohner-Metropole rund 300.000 Franzosen die größte Gruppe mit ausländischem Pass. Deren prominentesten Vertreter trifft Sarkozy morgen im Beisein des ebenfalls geschwächten britischen Premierministers Gordon Brown: Seit elf Jahren trainiert Arsène Wenger den Fußballclub FC Arsenal. Mit dem klugen Elsässer können die begeisterten Fußballfans dann das Duell der beiden Nationalteams heute Abend in Paris analysieren. Sarkozy und Brown haben allerdings auch reichlich ernste Themen auf der Tagesordnung:

  • die internationale Bankenkrise,
  • die Zukunft der Nato,
  • die Zukunft der EU,
  • das gemeinsame Engagement in Afghanistan,
  • eine engere Kooperation in der Rüstungs- und Atomindustrie.

Beim ersten und letzten Thema besteht Einigkeit. Die Bankenkrise macht Franzosen und Engländern gleichermaßen Sorgen. Gemeinsam wollen Brown und Sarkozy an die großen Institute appellieren, ihre Verbindlichkeiten "sofort und umfassend" auf den Tisch zu legen.

Für die regierungsamtlich beschlossene Renaissance der Atomkraft hoffen die Briten auf Investitionen aus Frankreich, das große Teile seiner Elektrizität aus dieser Energieform bezieht. Die alternden britischen Meiler müssen in den kommenden 15 Jahren weitgehend abgeschaltet werden. Für ihren Ersatz will die Regierung keine Steuergelder locker machen, schließlich ist die Beseitigung des bisher angefallenen Atommülls mit umgerechnet 92 Milliarden Euro teuer genug.

Demnächst wird der Regierungsanteil von knapp 30 Prozent am Energieversorger British Energy privatisiert. Darauf machten sich bisher vor allem die deutschen Konzerne RWE und Eon Hoffnungen. Sarkozy dürfte dagegen beredt für das französische Unternehmen EdF werben - dessen Vorzüge der britische Premierminister auch aus anderer Quelle zu hören bekommt: Browns Bruder gehört zum britischen EdF-Management.

Die beiden Themen könnten tatsächlich für eine englisch-französische "Bruderschaft" sorgen, von der Sarkozy so schwärmt. Was EU und Nato angeht, bleiben Differenzen. Brown gilt als deutlich europaskeptischer als sein Vorgänger Tony Blair (dessen Kandidatur für die neue EU-Präsidentschaft Sarkozy unterstützt).

Das persönliche Verhältnis zwischen Brown und Sarkozy gilt als gut - während der Franzose und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel vernehmlich fremdeln. Beschädigt die neue Achse Paris-London die Beziehungen zur Bundesrepublik?

Sarkozy ist Realist genug, um zu betonen: "Die Achse Berlin-Paris ist von essentieller Bedeutung." Allerdings fügt er hinzu, diese Achse sei "nicht genug". Das mag als Einladung an Brown zu verstehen sein, sich als Dritter im Bunde dazuzugesellen. Dazu allerdings dürfte der Schotte derzeit politisch zu schwach sein und die EU-Skepsis in England zu ausgeprägt.

Wenn Sarkozy an diesem Mittwochnachmittag vor dem britischen Parlament spricht, wird viel von gemeinsamen Interessen und freundschaftlicher Zusammenarbeit die Rede sein. Offenbar steht aber nicht zu erwarten, was sich die Briten in den vergangenen Tagen erhofft hatten - nämlich die Ankündigung eines größeren militärischen Engagements in Afghanistan. Damit will Sarkozy wohl bis zum Nato-Gipfel in der kommenden Woche warten. Außerdem pocht er wie Deutschland darauf, die Probleme am Hindukusch seien "nicht allein militärisch” zu lösen.

Galant, charmant, gut gelaunt wird sich Sarkozy präsentieren und viel von gegenseitigem Vertrauen reden – schon das ein Kontrast zu seinem Vorgänger Jacques Chirac, der die Briten mit dem Satz verbitterte: "Leuten, die so schlecht kochen, kann man nicht vertrauen."



insgesamt 53 Beiträge
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TommIT, 13.02.2008
1.
Bei manchen Frauen sind die Motivationschübe bezüglich ihrer Beziehungen eben besonders in der Sparte Macht und Geld ...festgenietet... Bei anderen wiederum geht es hauptsächlich um die pure Medienpräsens. Der Lerneffekt kommt von selber .... gäähn Mann wird älter Frau auch und irgendwann hat der M... seinen Dienst getan!
Alzheimer, 13.02.2008
2.
Die Frau ist ebenso peinlich wie Sarkozy.
ausweiser 13.02.2008
3.
Eine "Première dame de France" mit diesem Bambi-Blick kann doch sagen was sie will, man wird ihr alles verzeihen.
BeckerC1972, 13.02.2008
4.
Wenigstens ist sie nett anzuschauen - der Rest...herr je, who cares?
misterbighh, 13.02.2008
5. Hallo Spiegel Online!
Wir haben wichtigere Themen, ob der Egomane Sarkozy nun mit seiner Bruni oder Peng.
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