Sarkozy versus Cameron Das Märchen von der kalten Schulter

Können die mächtigsten Männer Europas es sich leisten, beleidigt zu sein? Britische Zeitungen behaupten, Frankreichs Präsident Sarkozy habe seinem Kollegen Cameron beim Brüsseler Gipfel den Handschlag verweigert - und belegen das mit Bildern. Doch es war ein wenig anders.


Hamburg - "Die Abfuhr! Der Moment, in dem Sarkozy Camerons Handschlag ausschlug" - ganz oben auf der Startseite seiner Homepage analysiert die britische Zeitung "Daily Mail" den Skandal des Brüsseler Gipfels. Unter der Schlagzeile sind drei Bilder zu sehen, auf denen Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premier David Cameron mit breitem Grinsen aneinander vorbeimarschieren.

Die Frontlinien scheinen klar, auf dem Gipfel gab es heftige Diskussionen: Der Franzose ist treibende Kraft bei den geplanten EU-Vertragsveränderungen zur Euro-Stabilisierung, der Brite stellt sich quer mit dem Verweis auf die Interessen seines Landes. Die beiden Politiker dürften wohl nicht besonders gut aufeinander zu sprechen sein.

Dementsprechend interpretiert die Zeitung folgendermaßen: "Dies ist der Moment, in dem Nicolas Sarkozy demonstriert, was er wirklich von David Camerons Veto gegen die EU-Vertragsänderungen hält. Nach der zermürbenden Nachtsitzung in Brüssel nähert sich Cameron dem französischen Präsidenten mit ausgestreckter Hand, um zu signalisieren, dass er ihm nichts übel nimmt. Aber Sarkozy hat etwas anderes vor."

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7  Bilder
Sarkozy und Cameron: Die Hand drauf!
Und auch die "Sun" schreibt von einem "verweigerten Handschlag". Auf den Bildern sei zu sehen, wie Sarkozy dem Blick Camerons ausweiche, Cameron versetze dem Franzosen dann einen "plumpen" Klaps auf die Seite. "Ausgestoßen" steht unter dem einen Bild, "ignoriert" unter einem anderen. Sarkozy habe dem Briten "die kalte Schulter gezeigt".

Allein: Videoaufnahmen des Vorfalls belegen etwas anderes. Diese zeigen Sarkozys Weg in Gänze. Erst geht der Franzose auf eine Frau zu, gibt ihr einen Handkuss und plaudert mit ihr, dann eilt er weiter zu Zyperns Präsident Dimitris Christofias. Auf den wenigen Metern zwischen seinen beiden Gesprächspartnern kommt ihm David Cameron entgegen. Die beiden laufen aneinander vorbei, Sarkozys Blick ist auf den zyprischen Kollegen gerichtet, Cameron berührt Sarkozy im Vorbeigehen am Ellenbogen, beide grinsen - und das war's.

Herzlichkeit sieht anders aus. Ein verweigerter Handschlag aber auch.

ffr



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Roßtäuscher 09.12.2011
1. Die englische Presse ist eine besondere Spezies der Wahrnehmung
Zitat von sysopKönnen die mächtigsten Männer Europas es sich leisten, beleidigt zu sein? Britische Zeitungen behaupten, Frankreichs Präsident Sarkozy habe seinem Kollegen Cameron beim Brüsseler Gipfel den Handschlag verweigert - und belegen das mit Bildern.*Doch es war ein wenig anders. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802833,00.html
Aber vor allem der Interpretation. Die ändern sich auch nicht mehr.
flta 09.12.2011
2.
Zitat von RoßtäuscherAber vor allem der Interpretation. Die ändern sich auch nicht mehr.
Naja hier werden mal wieder die "richtigen" Britischen Zeitungen zitiert... mich wundert es immer wieder wieviel Wert der Spiegel und andere Medien auf die "Berichterstattung" von "Daily Mail" und "Sun" legen. Dazu muss man wissen das diese beiden "Zeitungen" maximal auf dem Niveau der Bild agieren... man könnte hier auch einmal andere "Wertvolle"-Zeitungen verwenden.
Karel ofen 09.12.2011
3. Charles de Gaulle (1890–1970)
Zitat von sysopKönnen die mächtigsten Männer Europas es sich leisten, beleidigt zu sein? Britische Zeitungen behaupten, Frankreichs Präsident Sarkozy habe seinem Kollegen Cameron beim Brüsseler Gipfel den Handschlag verweigert - und belegen das mit Bildern.*Doch es war ein wenig anders. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802833,00.html
Schon der General Charles de Gaulle hatte eine Abneigung gegen die Briten. Er legte gleich zweimal sein Veto bezüglich des Eintritts von Großbritannien in der damaligen Europäische Gemeinschaft (marché Commun)ein: 1963 und 1966-67. Eine Weise und visionäre Entscheidung wie es scheint... Großbritannien hat in der EU nichts zu suchen!
ratem 09.12.2011
4. Britische Zeitungen behaupten ...
"Britische Zeitungen behaupten ..." ... wenn etwas so anfängt, ist eigentlich jedem halbwegs klar denkenden Menschen klarm dass dabei nichts gescheites rauskommen kann. Die Feierstimmung auf der Insel wird bald in einen ausgewachsenen Kater umschwenken ... und britische Zeitungen werden dann wieder behaupten, der Rest Europas sei schuld ... wie immer. England ist so erbärmlich wie durchschaubar.
biobanane 09.12.2011
5.
Zitat von ratem"Britische Zeitungen behaupten ..." ... wenn etwas so anfängt, ist eigentlich jedem halbwegs klar denkenden Menschen klarm dass dabei nichts gescheites rauskommen kann. Die Feierstimmung auf der Insel wird bald in einen ausgewachsenen Kater umschwenken ... und britische Zeitungen werden dann wieder behaupten, der Rest Europas sei schuld ... wie immer. England ist so erbärmlich wie durchschaubar.
Naja, feiern sieht anders aus. Wenn man die seriösen Medien in UK durchschaut, sieht man, dass das Ergenis sehr zurückhaltend bewertet wird..
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