Satellitenbilder US-Behörden kaufen Privataufnahmen vom Markt

Fast jeden Tag präsentiert das Pentagon neue Erfolgsbilder der Bombenangriffe auf Afghanistan. Doch wer sich - wie bisher möglich - unabhängige Bilder von privaten Satelliten ansehen will, schaut jetzt in die Röhre. Denn die US-Regierung hat alle Bilder des privaten Dienstes "Ikonos" aufgekauft.


Mit solchen Bildreihen stellt das Pentagon seine Angriffe dar. Andere Bilder von privaten Satelliten sind den US-Behörden offenbar nicht genehm
DPA

Mit solchen Bildreihen stellt das Pentagon seine Angriffe dar. Andere Bilder von privaten Satelliten sind den US-Behörden offenbar nicht genehm

Washington/London - Seit dem Jahr 1999 unterhält die US-Firma Spaceimaging einen privaten Aufklärungssatelliten mit dem Namen "Ikonos". Per Auftrag konnte bislang jeder zahlende Interessent Bilder von seiner Stadt, von seinem Pool im Garten oder gar seinem Auto vor der Garage bestellen. Wie genau die Bilder sind, konnte man in den vergangenen Wochen erkennen, als Spaceimaging Bilder von vermuteten Terror-Camps in Afghanistan auf seiner Webseite zeigte, die zum Teil detaillierter waren als die veröffentlichten Bilder des US-Verteidigungsministeriums. So konnte sich jedermann sowohl die Bombeneinschläge als auch die Flüchtlingsströme in dem Kriegsland ansehen. Die Bilder sind sechs- bis zehnmal genauer als die auf den täglichen Pressekonferenzen des Pentagons.

Doch mit dem öffentlichen Zugang zu den gestochen scharfen Bildern soll nun Schluss sein. Die englische Tageszeitung "The Guardian" berichtete am Donnerstag, die US-Regierung habe die Rechte der Ikonos-Bilder von Afghanistan und der umliegenden Krisenregion rückwirkend ab dem ersten Tag der US-Angriffe aufgekauft, um eine Ausspionierung ihrer Manöver zu verhindern. Dafür soll das Pentagon runde fünf Millionen Dollar bezahlt haben, berichtet das Blatt weiter. Die Entscheidung soll demnach am vergangenen Donnerstag in den USA getroffen worden sein, nachdem Berichte über erhebliche Schäden an zivilen Einrichtungen und über Hunderte von toten Zivilisten aufkamen.

Verschiedene Motive

Offenbar, so spekuliert das Blatt, wolle die US-Regierung einen unabhängigen Zugang zu den Bildern verhindern, um eventuelle Fehlschläge zu vertuschen. Denn auch Zeitungen und Fernsehsender hatten versucht, die Aufnahmen des Pentagons anhand der privaten Bilder zu verifizieren. Die offizielle Begründung fällt erwartungsgemäß etwas anders aus. Demnach wolle die US-Regierung verhindern, dass der Feind an Informationen über Truppenbewegungen oder Militärschläge der Nordallianz in Afghanistan gelange.

Trotzdem erstaunt der Vorstoß der US-Behörden, denn schon vorher hatten sie durchaus das Recht, private Aufnahmen aus militärisch-taktischen Gründen zu sperren. Von diesem Recht war jedoch kein Gebrauch gemacht worden. Es könnte allerdings ein weiterer Hinweis dafür sein, dass die Militärs bereits einen Einsatz von Bodentruppen planen, denn dann erst wären die Bilder aus dem All wirklich hilfreich - auch für den Feind.



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