Kommunalräte 865 Frauen stellen sich in Saudi-Arabien zur Wahl

An diesem Sonntag beginnt der Wahlkampf für die Kommunalräte in Saudi-Arabien. Zum ersten Mal sind Frauen in dem Land als Kandidaten zugelassen. Und es stellen sich weit mehr zur Wahl als ursprünglich gedacht.

Kandidatin Nassima al-Sadah: Bewerberin in der Küstenstadt Qatif
AFP

Kandidatin Nassima al-Sadah: Bewerberin in der Küstenstadt Qatif


Noch im September sah es so aus, als würden nur wenige Frauen in Saudi-Arabien Interesse daran haben, die Politik zumindest ein wenig mitzugestalten: So schleppend verlief ihre Registrierung für die Kandidatenlisten zu den Kommunalwahlen, dass die Medien des Landes mit insgesamt 70, vielleicht auch 200 weiblichen Kandidatinnen rechneten.

Doch am Ende hatten sich doch deutlich mehr Frauen beworben: Rund 865 Frauen stellen sich nun in dem erzkonservativen islamischen Königreich bei der Abstimmung über die Lokalräte zur Wahl.

Es ist das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass Frauen als Kandidatinnen oder Wählerinnen an einer Abstimmung teilnehmen. Kundgebungen für Wählerinnen sind den Frauen jedoch nicht erlaubt. Kandidatinnen könnten sich etwa über das Fernsehen vorstellen oder ihre Inhalte über einen Sprecher öffentlich machen, hieß es von Seiten der Wahlkommission. Porträts dürfen weder männliche noch weibliche Bewerber öffentlich aufhängen.

Insgesamt können die Bürger am 12. Dezember nach offiziellen Angaben über 6140 Kandidaten für die 284 Lokalräte des Landes abstimmen. An diesem Sonntag beginnt der Wahlkampf. Allerdings ist die Macht der zuletzt 2011 gewählten Lokalräte begrenzt. Zwei Drittel ihrer Mitglieder werden durch Wahlen bestimmt, der Rest wird ernannt.

Der im Frühjahr verstorbene König Abdullah hatte vor vier Jahren die Teilnahme von Frauen an Wahlen per Erlass möglich gemacht. Konservative Geistliche warnen seitdem vor "moralischem Übel".

Frauen spielen im politischen Leben des sunnitischen Königreichs praktisch keine Rolle. Sie dürfen noch nicht einmal Auto fahren. Allerdings hatte Abdullah vor mehr als zwei Jahren 30 Frauen in den 150-köpfigen Schura-Rat berufen, der die Regierung berät.

fdi/dpa



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