Diplomatische Krise Saudi-Arabiens Außenminister keilt gegen Deutschland

Das Verhältnis zwischen Deutschland und Saudi-Arabien ist seit Monaten angespannt. Nun attackiert der Außenminister des Königreichs die Bundesregierung direkt: "Wir wollen nicht wie ein Fußball behandelt werden."
Saudi-arabischer Außenminister Adel al-Jubeir

Saudi-arabischer Außenminister Adel al-Jubeir

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Der saudi-arabische Außenminister Adel al-Jubeir hat im Streit mit der Bundesregierung nachgelegt. Man sei über Äußerungen, die in jüngster Zeit aus der deutschen Regierung zu hören waren, nicht erfreut, sagte Jubeir im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. "Wir wollen sicherstellen, dass Saudi-Arabien nicht wie ein Fußball behandelt wird."

Im November war es zum Eklat zwischen der Bundesregierung und dem Königreich gekommen. Damals entstand der Eindruck, der 32-jährige Thronfolger Mohammed bin Salman halte den Premierminister des Libanon, Saad Hariri, gegen dessen Willen in Riad fest und habe ihn dort zum Rücktritt gezwungen. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sprach im Zusammenhang mit der libanesischen Regierungskrise von "politischem Abenteurertum", nannte Saudi-Arabien jedoch nicht beim Namen. (Eine Analyse des deutsch-saudischen Verhältnisses finden sie hier.)

Nur zwei Tage später gab Riad den Abzug seines Botschafters aus Berlin bekannt. Gabriel relativierte seine Äußerung kurz vor Weihnachten in einem Interview mit der saudi-arabischen Zeitung "Asharq Al-Awsat": "Meine Kommentare zur Libanon-Krise sollten kein bestimmtes Land in der Region angreifen - auch nicht Saudi-Arabien." Den Botschafter konnte er damit aber nicht zur Rückkehr bewegen.

"Wollten unseren Unmut deutlich machen"

Außenminister Jubeir betonte im Interview mit der dpa, dass er das deutsch-saudische Verhältnis grundsätzlich für exzellent halte. "Wir schätzen und würdigen diese Beziehungen", sagte er. "Aber wir hatten ein Problem mit Kommentaren, die von deutschen Funktionsträgern gemacht wurden und wollten unseren Unmut über diese Kommentare deutlich machen." Jetzt wolle man erst einmal sehen, was bei der Bildung einer neuen Regierung passiere. Er hoffe, dass die Beziehungen wiederhergestellt werden können.

Kronprinz Mohammed bin Salman verordnete dem Königreich so etwas wie eine Revolution von oben. Er hat die Religionspolizei entmachtet, erlaubt Frauen das Autofahren und die Gründung von Unternehmen - auch ohne männliche Zustimmung. Er wirbt für Tourismus und internationale Kooperation. Im Dezember hatte Saudi-Arabien nach 35 Jahren das Kinoverbot aufgehoben, im März sollen die ersten Kinos öffnen.

Saudi-Arabien ist neben Iran und Israel die stärkste Regionalmacht im Nahen Osten. In Europa und Deutschland wird das Königreich immer wieder für seine militärische Intervention im Jemen kritisiert. Die Bundesregierung kritisiert zudem die saudi-arabische Aufrüstung islamistischer Rebellen in Syrien.

Ende Februar wird Kronprinz Salman vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Paris erwartet, Anfang März wird er sich in London mit Premierministerin Theresa May treffen. Um Berlin macht er weiterhin einen Bogen.

höh/dpa
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