Nach Angriff auf Ölanlagen Saudi-Arabien beschießt angebliche Minen-Fabrik im Jemen

Die Attacken auf Raffinerien in Saudi-Arabien haben die Spannungen in der Region verschärft. Nun hat Riad reagiert und das Bürgerkriegsland Jemen beschossen. Auch ein Sprengstoffboot soll zerstört worden sein.

Zerstörtes Haus im Jemen nach saudi-arabischem Angriff (Archivbild): Immer wieder Attacken auf das bitterarme Land
YAHYA ARHAB/EPA-EFE/REX

Zerstörtes Haus im Jemen nach saudi-arabischem Angriff (Archivbild): Immer wieder Attacken auf das bitterarme Land


Sechs Tage nach den Angriffen auf Ölanlagen in Saudi-Arabien hat die von dem Königreich angeführte Militärallianz Ziele im Jemen angegriffen. Bei den Attacken seien vier militärische Ziele im Norden der Hafenstadt Hudaida zerstört worden, erklärte das Militärbündnis am Freitag. Dort seien unter anderem Seeminen produziert worden.

Zudem wurde nach Angaben aus Riad ein geplanter Angriff der jemenitischen Huthi-Rebellen mit einem ferngelenkten Sprengstoffboot vereitelt. Das Boot sei am Donnerstag im Süden des Roten Meers entdeckt und zerstört worden, meldete die saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf die Militärkoalition. Das Ziel des angeblich geplanten Angriffs war demnach unbekannt.

Die Huthis hatten den am Samstag verübten Drohnenangriff auf saudische Ölraffinerien, der die Ölproduktion erheblich beeinträchtigte, für sich reklamiert. Saudi-Arabien unterstützt zusammen mit anderen arabischen Ländern die Regierung im Jemen. Die Huthi-Rebellen sind mit Iran verbündet.

Saudi-Arabien hingegen sieht die direkte Verantwortung für die Angriffe in Teheran. Als Beweise präsentierte der Sprecher des saudi-arabischen Verteidigungsministeriums, Turki al-Maliki, am Mittwoch Trümmerteile von "Drohnen und Marschflugkörpern", die seinen Angaben zufolge von der Angriffsstelle stammten. Die Attacken seien von "Norden" aus geführt worden, die genaue Abschussstelle sei aber noch unklar.

Die Angriffe seien "ohne Frage von Iran gefördert" worden, sagte al-Malki. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Raketen nicht aus dem Jemen abgefeuert sein können, sondern aus dem Norden kamen.

Wie geht es weiter und vor allem: Was machen die USA?

Die bei dem Angriff benutzten Drohnen seien außerhalb der Reichweite der Drohnen, die die Huthis benutzten. Bei dem Angriff auf die Ölraffinerie in Abkaik seien 18 Drohnen eingesetzt worden, bei der Attacke auf die Ölanlagen in Churais insgesamt sieben Marschflugkörper. Vier davon hätten ihr Ziel erreicht, drei weitere seien vorher auf den Boden geschlagen.

Über das weitere Vorgehen herrscht jedoch noch Uneinigkeit. Saudi-Arabien hatte die USA zuletzt recht eindeutig zu einem Eingreifen in der Region animiert. Zwischen beiden Ländern gibt es enge, nicht zuletzt erheblich wirtschaftlich geprägte, Verbindungen. Doch Washington scheint derzeit wenig bereit, sich direkt in einen bewaffneten Konflikt hineinziehen zu lassen.

jok/Reuters

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