Randale am Roten Meer Ägyptische Gastarbeiter protestieren in Saudi-Arabien

Sie wollten einfach nur noch nach Hause: Weil die versprochene Fähre in die Heimat nicht abfuhr, haben Gastarbeiter aus Ägypten in Saudi-Arabien randaliert. Ein seltener Fall von Ungehorsam im Königreich.

Riad - Es kommt selten vor, dass Gastarbeiter in Saudi-Arabien gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen protestieren. Und noch seltener passiert es, dass die staatlichen Medien in dem Königreich darüber berichten.

Doch an diesem Montag sah sich die offizielle Nachrichtenagentur SPA bemüßigt, über Proteste in der am Roten Meer gelegenen Hafenstadt Duba zu berichten. Gastarbeiter aus Ägypten hatten dort am Sonntag dagegen protestiert, dass sie nicht in ihr Heimatland gebracht wurden. Vergeblich warteten sie auf die versprochene Fähre nach Safaga.

Nach Angaben eines Sicherheitsbeamten aus der Provinz Tabuk im Westen des Landes, blockierte die aufgebrachte Menge eine Hauptstraße und setzten Reifen in Brand. Anschließend sollen sie Steine auf Passanten geworfen und mehrere Busse und Autos beschädigt haben. Fünf Saudi-Araber seien verletzt worden.

300 Euro für das Schächten der Opfertiere

Die Nachrichtenagentur machte keine Angaben darüber, ob ägyptische Gastarbeiter festgenommen worden. In der Mitteilung hieß es dazu lediglich: "Die Sicherheitsbehörden haben ihre Aufgabe wahrgenommen, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen."

Bei den Männern handelte es sich um einen Teil der 1700 Schlachter, die während der Pilgerfahrt Hadsch in Mekka arbeiten. Zum Ende der Pilgerreise werden anlässlich des islamischen Opferfestes traditionell Zehntausende Schafe geschlachtet. Für ihre Arbeit erhalten die Gastarbeiter im Schnitt rund 300 Euro.

Trotz der mäßigen Bezahlung ist die Arbeit bei vielen Muslimen durchaus beleibt, weil sie ihnen eine günstige Möglichkeit bietet, die Hadsch zu absolvieren - eine der fünf Säulen des Islams. Die Arbeitgeber versprechen den Gastarbeitern für die kostenlose An- und Abreise zu sorgen. Oft vergessen sie diese Zusage jedoch, sobald die Kräfte aus dem Ausland ihre Arbeit erledigt haben.

syd/AP