Saudi-Arabien Geplante Demo gegen Frauen-Fahrverbot erzürnt Gelehrte

Feministinnen wollen sich am Samstag ans Steuer setzen und so aktiv gegen das Fahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien demonstrieren. Allein dieser Plan zum Protest hat Religionsgelehrte aufgebracht. Sie marschierten zum Palast, um sich zu beschweren.

Frau am Steuer: Gelehrte gehen in Saudi-Arabien erneut dagegen vor
REUTERS

Frau am Steuer: Gelehrte gehen in Saudi-Arabien erneut dagegen vor


Dschidda - Frauen am Steuer? Dieses Thema ist in Saudi-Arabien noch längst nicht vom Tisch. Um gegen einen feministischen Aktionstag zu protestieren, sind aufgebrachte Religionsgelehrte vor dem Sommerpalast des saudischen Königs in Dschidda aufmarschiert. Die 150 Islamgelehrten erklärten, das in Saudi-Arabien geltende Fahrverbot für Frauen müsse unbedingt aufrechterhalten werden.

Der Hintergrund: Saudische Feministinnen haben für Samstag einen Aktionstag geplant. Die Aktivistinnen haben Frauen aufgefordert, sich am kommenden Samstag kollektiv hinter das Steuer zu setzen. Ihr Ziel ist es, eine Aufhebung des Frauenfahrverbotes zu erreichen.

Die Gelehrten, die aus dem gesamten Königreich angereist waren, durften ihre Bedenken im Palast von König Abdullah vortragen. Es sei eine Schande, dass die Behörden bislang zu den Bestrebungen der Frauen, das Verbot zu kippen, geschwiegen hätten, monierten sie. Einer von ihnen erklärte, der Frauen-Aktionstag sei eine "amerikanische Produktion".

Erst gestern hatte Amnesty International die Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien erneut angeprangert. Dabei kritisierten sie vor allem auch die "systematische Diskriminierung von Frauen". Laut Amnesty bräuchten Frauen die Einwilligung eines Mannes für nahezu alles: unter anderem für die Aufnahme eines Jobs, zum Reisen und zur Einschreibung in einer Universität.

Auch ausländische Arbeiter hätten in dem Land keine Rechte, ebenso gehe es der schiitischen Minderheit. Insgesamt sei die Situation "desaströs", hatte die Menschenrechtsorganisation am Montag erklärt. Statt wie versprochen die Lage zu verbessern, habe die Führung in Riad ihre Repressionen noch verschärft. Es gebe "willkürliche Verhaftungen, ungerechte Prozesse und Folter".

vek/dpa/AFP

insgesamt 18 Beiträge
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Schlagwerker 22.10.2013
1. Gelehrte ...
nun, für mich bedeutet der Begriff "Gelehrte" so etwas wie "Inhaber von Wissen". Nun wird mir aber wohl jeder zustimmen, dass Wissen nicht endlich ist und dass es immer weiter geht. Man kann nicht sagen, dass man alles weiß. Aber da es sich hier ja um "Religionsgelehrte" handelt, wundert mich nichts mehr. Egal, um welche Religion es sich handelt, jeder behauptet, der Inhaber "des absoluten Wissens" zu sein. Nur seltsam, dass sich selbst in den Hochburgen des absoluten Wissens das Verhalten der Menschen auch immer gegen andere Menschen richtet ... Dazu kann ich nur bemerken, dass die Menscheit seit Jahrtausenden nichts mehr dazugelernt hat ... nur die Keulen sind moderner geworden.
kugelsicher, 22.10.2013
2. Wenn praktizierte Religionen eins gemeinsam haben, ....
dann ist es ihr (Männer) merkwürdiges Problem mit Frauen. Der Unfug ist durch nichts, aber auch gar nichts zu begründen. Man schaue einfach ins Tierreich. Wo bitte ist da die (religiöse) Unterdrückung der Frau? Von Tieren lernen heißt verstehen lernen. Weil wir selber eins sind.
mitverlaub 22.10.2013
3. Wie soll man denn
mit dieser Vollverschleierung Autofahren können? Entweder die Frauen fordern ersteinmal die Vollverschleierung ablegen zu können, oder die Regierung hat Recht und verbietet weiterhin den Frauen das Autofahren. Es ist nicht nur gefährlich, weil man in der Sicht beeinträchtigt ist, was ist denn, wenn ein Unfall passiert und man weiß nicht, wer da unter dem Schleier steckt. Also alles in allem, ein ziemlich idiotisches Unterfangen. Zum Schluß würde ich mir wünschen, die Frauen würden für Gleichberechtigung kämpfen, statt nur fürs Autofahren, denn daraus ergäbe sich das Letztere von selbst.
Meinungsfreiheitskämpfer 22.10.2013
4. Kleine Präzisierung
Zitat von mitverlaubmit dieser Vollverschleierung Autofahren können? Entweder die Frauen fordern ersteinmal die Vollverschleierung ablegen zu können, oder die Regierung hat Recht und verbietet weiterhin den Frauen das Autofahren. Es ist nicht nur gefährlich, weil man in der Sicht beeinträchtigt ist, was ist denn, wenn ein Unfall passiert und man weiß nicht, wer da unter dem Schleier steckt. Also alles in allem, ein ziemlich idiotisches Unterfangen. Zum Schluß würde ich mir wünschen, die Frauen würden für Gleichberechtigung kämpfen, statt nur fürs Autofahren, denn daraus ergäbe sich das Letztere von selbst.
Ich würde mir wünschen, die Kommentatoren lesen erst einmal die Artikel, über die sie diskutieren wollen. Dort steht deutlich, "Saudische Feministinnen". Kann sich "mitverlaub" vorstellen, dass es diesen Frauen nicht nur um Autofahren geht? Im Übrigen sind die Saudis nicht die Taliban, welche Kinder lieber ermorden, als sie Lesen und Schreiben lernen zu lassen. 70% aller Studenten in Saudi-Arabien sind Frauen, und wenn man bedenkt, dass im Jahre 1970 nur 2% aller Frauen lesen und schreiben konnten, dann kann man nur sagen, es tut sich was.
Sergjey 22.10.2013
5. Unbedingt aufrechterhalten ?
Wie begründen die 150 Islamgelehrten, dass das in Saudi-Arabien geltende Fahrverbot für Frauen unbedingt aufrechterhalten werden müsse? Eine kluge Frau sagte mal: "Sobald Menschen anfangen, ihre außerhalb rationaler Erkenntnis befindlichen Glaubenssätze absolut zu setzen und auch noch mit Strafnormen zu versehen, wird es gefährlich."
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