Gastarbeiterinnen am Golf "Zu verkaufen: 25 Jahre alt, beherrscht alle Hausarbeiten, kinderfreundlich"

In den Golfstaaten schuften sehr viele Frauen aus Asien für sehr wenig Geld. Wenn die Arbeitgeber die Haushaltshilfen nicht mehr brauchen, bieten sie ihre Dienste immer öfter bei Snapchat und Instagram an.
Gastarbeiterinnen am Golf: Sie hoffen auf Arbeit, landen immer wieder in der Hölle

Gastarbeiterinnen am Golf: Sie hoffen auf Arbeit, landen immer wieder in der Hölle

Foto: Beawiharta/ REUTERS

Ein Post auf Instagram zeigt das Passfoto eines Mädchens oder einer Frau, sie sieht sehr jung aus. Darüber steht auf Arabisch: "Bangladescherin zu verkaufen, 25 Jahre alt, sie beherrscht alle Hausarbeiten und ist kinderfreundlich. Gehalt: 800 Rial im Monat. Verkaufsgrund: Wir brauchen sie nicht mehr." 800 Rial, das sind umgerechnet nicht einmal 200 Euro.

Auf arabischen Instagram- und Snapchat-Accounts finden sich immer wieder solche Anzeigen. Junge Frauen aus Bangladesch, den Philippinen, Indien, Nigeria, Kenia, Sri Lanka oder Äthiopien werden dort angepriesen: "immer bereit zu arbeiten", "versteht zu 80 Prozent Arabisch", "sehr sauber und ruhig". Bei einer Frau steht als "Abgabegrund": "Sie will ein Handy, und so etwas dulde ich nicht."

Globale Gesellschaft

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Der Menschenhandel im Internet ist Auswuchs des in den Golfstaaten weitverbreiteten Bürgschaftssystems. Eigentlich ist diese Praxis auch dort verboten; auch dort haben Arbeiterinnen und Arbeiter aus dem Ausland auf dem Papier Rechte. Doch das ungleiche Kräfteverhältnis führt immer wieder zu Machtmissbrauch.

Sexuell misshandelt und mit heißem Öl übergossen

Das Bürgschaftssystem beruht in der Regel auf einem Abkommen zwischen zwei Regierungen oder staatlich geführten Agenturen:

  • Sie exportieren und importieren Arbeiterinnen und Arbeiter, manchmal mit falschen Versprechungen.

  • Im Gastland werden die Haushaltshilfen dann über die Agentur weitervermittelt; die Bürgschaft geht an den Arbeitgeber über.

  • Er wird nun "Sponsor" oder "Bürge" der Haushaltshilfe und übernimmt für sie die volle wirtschaftliche und legale Verantwortung.

  • Ihre Aufenthaltserlaubnis wird direkt an den Arbeitsvertrag geknüpft; eine anschließende Auflösung ist meist schwierig. Angestellte sind ihrem Arbeitgeber dadurch weitgehend ausgeliefert.

Erst in dieser Woche wurde erneut ein schockierender Fall öffentlich - soziale Medien waren diesmal aber die Rettung: In einem Facebook-Video berichtete Sumi Akter, 25, aus Bangladesch tränenüberströmt, dass ihr saudi-arabischer Arbeitgeber sie sexuell misshandele, einsperre und mit heißem Öl übergossen habe. Sie habe Angst um ihr Leben. Das Video ging viral, in Bangladesch machten Nichtregierungsorganisationen Druck auf die Regierung, Akter zurückzubringen. Am Freitag kehrte die junge Frau schließlich in ihre Heimat zurück.

Lokalen Medienberichten zufolge sei sie "mit leeren Händen" nach Hause gekommen; ihr Arbeitgeber habe von ihr die Vermittlungsgebühr von umgerechnet über 5300 Euro zurückgefordert, die er "für sie" gezahlt hatte. Auch dieser Mann hielt die Gastarbeiterin offenbar für sein persönliches Eigentum.

Wichtige Devisenbringer für die Herkunftsländer

Für die Betroffenen sind die eigenen Regierungen in ihrer Heimat oft keine wirkliche Hilfe. Denn für sie sind die Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter wichtige Devisenbringer.

In Bangladesch etwa waren die Rücküberweisungen zuletzt mit mehr als 15 Milliarden US-Dollar im Jahr die zweitgrößte Quelle ausländischer Devisen nach der Textilindustrie. Vergangenes Jahr entsandte das Land über 730.000 Gastarbeiter in alle Welt, davon knapp 14 Prozent Frauen - so viele Frauen wie noch nie.

48 tote Gastarbeiterinnen - allein dieses Jahr

Wie viele von ihnen von Missbrauch und Misshandlungen betroffen waren oder sind, ist unbekannt. Eine nicht repräsentative Umfrage der bangladeschischen Nichtregierungsorganisation Okup unter zurückgekehrten Gastarbeiterinnen ergab, dass fast alle ihr Gehalt nicht oder nur sehr unregelmäßig bekamen.

Knapp zwei Drittel kehrten krank zurück und waren misshandelt worden. Der Nichtregierungsorganisation Brac aus Bangladesch zufolge wurden dieses Jahr bereits 48 Leichen von Bangladescherinnen zurückgebracht, die als Gastarbeiterinnen ins Ausland entsandt worden waren.

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Ein ausführliches FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

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