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Hinrichtung von Geistlichem Irans Führer droht Saudi-Arabien mit der "Rache Gottes"

Im Konflikt um die Exekution des Schiiten al-Nimr durch Saudi-Arabien verschärft sich der Ton: Riad werde die Hand Gottes zu spüren bekommen, meldet sich auch Irans Revolutionsführer Khamenei zu Wort. Weltweit wächst die Sorge über die Spannungen in der Region.

Nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien hat Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Khamenei das Königreich vor der "Rache Gottes" gewarnt. "Das zu Unrecht vergossene Blut dieses Märtyrers wird sehr bald Konsequenzen haben und die Hand Gottes wird Rache an der saudi-arabischen Führung nehmen", sagte Khamenei am Sonntag vor Geistlichen in Teheran.

Das Zitat wurde auch über den Twitter-Account des obersten geistlichen Führers Irans verbreitet:

Am Samstag hatte Saudi-Arabien 47 Menschen hingerichtet, darunter den prominenten schiitischen Kleriker Nimr al-Nimr. Sie waren wegen Terrorismus, Anstiftung zur Gewalt und krimineller Verschwörung verurteilt worden. Das iranische Außenministerium hatte umgehend mit scharfer Kritik reagiert und Saudi-Arabien vorgeworfen, "terroristische und extremistische Bewegungen" zu unterstützen und zugleich seine internen Gegner hinzurichten. Das Königreich werde dafür "einen hohen Preis zahlen".

Iran sieht sich als Schutzmacht der Schiiten, seit Langem gibt es starke Spannungen mit dem von einer sunnitischen Herrscherfamilie regierten Saudi-Arabien. Die Hinrichtung Nimrs hatte am Samstag zu heftigen Demonstrationen in schiitisch geprägten Teilen der Region geführt.

Weltweite Sorge

Besonders stark waren die Proteste in Iran: In der Nacht war die saudi-arabische Botschaft in Teheran von einer Menschenmenge angegriffen worden, Brandsätze wurden in das Gebäude geworfen und setzten Teile in Brand. Der Teheraner Staatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabadi sagte laut der Nachrichtenagentur Isna, es seien 40 Menschen festgenommen worden, die in die Botschaft eingedrungen waren. Auch in Maschhad wurde das Konsulat Saudi-Arabiens angegriffen.

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Proteste nach Hinrichtung Nimr al-Nimrs: Wut in Iran, Sorge in der Welt

Foto: AFP/ Khamenei.ir

Für den Sonntag sind weitere Proteste in Iran angekündigt: Am Nachmittag will der Studentenflügel der Bassidsch-Miliz erneut eine Kundgebung vor der saudi-arabische Botschaft abhalten.

Im VIDEO: Saudi-Arabien richtet 47 Menschen hin

Weltweit wächst die Sorge vor einer Verschärfung des Konflikts zwischen Saudi-Arabien und Iran:

  • Die USA riefen die Staats- und Regierungschefs der Region auf, sie müssten "ihre Bemühungen verdoppeln", um zu einer Deeskalation der Lage beizutragen. Deutlich kritisierte ein Sprecher des US-Außenministeriums den Verbündeten Saudi-Arabien: Das Regime müsse sich an die Menschenrechte halten und in jedem Fall faire und transparente Gerichtsverfahren gewährleisten.
  • Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini bekräftigte die ablehnende Haltung der Europäischen Union zur Todesstrafe generell. Nimrs Hinrichtung wecke ernste Bedenken hinsichtlich der Meinungsfreiheit und dem Respekt gegenüber bürgerlichen und politischen Grundrechten in Saudi-Arabien, sagte Mogherini.
  • Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die rivalisierenden Religionsgruppen zur Zurückhaltung auf. Alle Verantwortlichen in der Region müssten zu einem Abbau der Spannungen beitragen, forderte er.
  • Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD), äußerte sich auf Twitter "erschüttert" über die Hinrichtungen und forderte ein Ende der Todesstrafe.

fdi/AFP/Reuters