Saudi-Arabien Obamas Syrien-Kurswechsel erzürnt König Abdallah

Saudi-Arabiens König ist wütend über den Syrien-Kurswechsel der USA. Einen Sitz im Uno-Sicherheitsrat hat Riad deshalb beleidigt abgelehnt. Der saudi-arabische Geheimdienstchef kündigt jetzt eine engere Zusammenarbeit mit Frankreich an.
Saudi-Arabien: König Abdallah ist wütend über die Syrien-Politik der USA

Saudi-Arabien: König Abdallah ist wütend über die Syrien-Politik der USA

Foto: ? Susan Baaghil / Reuters/ REUTERS

Berlin - Es war eine überraschende und recht freche Absage: Ein Jahr lang hatte Saudi-Arabien mehrere Diplomaten und Millionen Dollar eingesetzt, einen nicht-ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat zu bekommen, trotz des Widerstandes von Menschenrechtlern. Als es dann vergangene Woche soweit war, verzichteten die Herrscher in Riad plötzlich.

Als Begründung veröffentlichte das saudi-arabische Außenministerium eine etwas seltsame Erklärung, in der vom ungelösten israelisch-palästinensischen Konflikt die Rede war - als sei dies den Saudis erst jetzt aufgefallen, und von der "Tatenlosigkeit" des Sicherheitsrats im syrischen Bürgerkrieg. Das klang schon eher wahrscheinlich.

König Abdallah, der mächtigste Mann Saudi-Arabiens, hat den Ruf, zu Wutausbrüchen zu neigen, wenn er nicht bekommt, was er will. Bei der Krise in Syrien musste er dies zuletzt besonders erleben: Nachdem Barack Obama im September erst tagelang seine Verbündeten, darunter auch Saudi-Arabien, Frankreich und die Türkei, auf einen amerikanischen Raketenangriff gegen Baschar al-Assad eingeschworen hatte, machte er in der allerletzten Minute eine Kehrtwende. Die Verbündeten des US-Präsidenten hatten das Nachsehen.

Saudi-Arabien ist über den Kurswechsel Obamas wütend, weil sie Assads Position festigt: Indem die USA und Russland sich darauf einigten, dass der Diktator bis Mitte 2014 seine Chemiewaffen abgeben muss, machen sie auch klar, dass der Präsident bis mindestens zu diesem Zeitpunkt der wichtigste Mann Syriens bleibt.

Das amerikanisch-russische Vorhaben passt zudem in den Zeitplan Assads. Immer wieder hat er signalisiert, dass Damaskus wie vorgesehen im Mai oder Juni 2014 die nächsten Präsidentschaftswahlen abhalten werde.

Dabei ist es egal, dass in Syrien wohl auch dann noch ein Krieg toben wird, der für viele ein Votum unmöglich machen wird. Auch in der Vergangenheit hat es Assad nicht sonderlich gestört, dass viele Syrer nicht wählen gehen, weil die Abstimmung weder frei noch fair ist. Der Staatschef wird am Ende sowieso mit mit dem phänomenalen Ergebnis von knapp 100 Prozent bestätigt.

Für Riad bedeutet die amerikanische Syrien-Politik eine Niederlage

Wie groß die Wut der vorgeführten Verbündeten ist, ließ sich bisher nur erahnen: Die Türkei kündigte kurz nach Obamas Entscheidung an, Waffen von den Chinesen einkaufen zu wollen - eine Ohrfeige für den US-Präsidenten.

Dass der Kurswechsel Obamas auch die Saudis zutiefst irritiert hat, zeigt jetzt die heftige Reaktion des Königs. Denn dass der Verzicht auf einen Sitz im Sicherheitsrat eine Trotzreaktion in Richtung Washington war, stellte nun Prinz Bandar, der Geheimdienstchef der Saudis, noch einmal klar. "Das war eine Botschaft an die USA, nicht an die Uno", erklärte Bandar europäischen Diplomaten, wie die US-Zeitung "Wall Street Journal" berichtete . Die Zusammenarbeit mit Washington solle zurückgefahren werden, kündigte der Prinz an. Stattdessen werde Saudi-Arabien in Zukunft lieber mit anderen Partnern wie Jordanien und Frankreich enger zusammenarbeiten.

Neben dem Syrien-Kurswechsel sei Riad auch über Washingtons vorsichtige Annäherung an den saudi-arabischen Rivalen Iran und die anhaltende US-Unterstützung für Israel erbost, sagte Bandar den Diplomaten, so die Nachrichtenagentur Reuters. Sogar ein saudi-arabisches "Abrücken von den USA" soll der Geheimdienstchef in Aussicht gestellt haben und einen "Einfluss auf die Handelsbeziehungen" beider Länder. Für Washington ist Saudi-Arabien ein wichtiger Waffen-Absatzmarkt und Öllieferant.

Der Geheimdienstchef fürchtet um die Hilfe für Syriens Rebellen

Inwiefern diese Äußerungen tatsächliche Absichten der Saudis widerspiegeln oder leere Drohungen sind, muss sich zeigen. Prinz Bandar ist zwar eine einflussreiche Person, doch letztendlich entscheidet der König. Ob der Geheimdienstchef seine Aussagen vorher mit diesem abgesprochen hat oder hofft, den erbosten Monarchen in diese Richtung drängen zu können, ist unklar.

Als Geheimdienstchef ist Prinz Bandar für die Unterstützung der syrischen Rebellen zuständig gemeinsam mit den USA. Als solcher ärgert er sich schon länger über Obamas Zögerlichkeit. Saudi-Arabien hatte 2012 mit vereinzelten Waffenlieferungen an Rebellengruppen begonnen sowie mit Trainingslagern in Jordanien zusammen mit den Amerikanern und Franzosen. Washington scheint seine vielfach angekündigten Waffenlieferungen kaum je geliefert zu haben und blieb unter den Erwartungen von Prinz Bandar.

Wie es nach der russisch-amerikanischen Einigung mit der Hilfe für die Assad-Gegner weitergehen soll, ist unklar. Prinz Bandars Aussagen kommen da einer unverhohlenen Drohung an Washington gleich: Wir machen weiter, im Zweifelsfall auch ohne euch.

Für die Saudis ist die russisch-amerikanische Einigung eine bittere Niederlage. Riad sieht den Machtkampf in Syrien als Stellvertreterkrieg mit seinem Rivalen Iran, der ein langjähriger und enger Verbündeter des syrischen Regimes ist. Teheran hat seine Unterstützung für Assad mit Beginn der Aufstände noch einmal kräftig ausgeweitet.