Saudi-Arabien König Salman verschenkt 28 Milliarden Euro

Saudi-Arabiens neuer König weiß, wie er seine Bürger begeistert. Zum Amtsantritt macht er ihnen ein großzügiges Geschenk: Millionen Staatsangestellte bekommen ein zusätzliches Gehalt.

König Salman: Zum Amtsantritt schenkt er seinen Bürgern Geld
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König Salman: Zum Amtsantritt schenkt er seinen Bürgern Geld


Berlin - Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, große ein Königreich. Saudi-Arabiens neuer König Salman hat zum Amtsantritt rund 28 Milliarden Euro an seine Bürger verteilt. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt des EU-Staates Lettland.

Die Zahl hat der Ökonom John Sfakianakis berechnet, der in Riad die Golfregion-Abteilung der Investmentgesellschaft Ashmore Group leitet. Hier seine Auflistung der vielen Sonderausgaben des neuen Königs in der "New York Times":

  • Subventionen: König Salman hat Geldgeschenke an Sport- und Kulturvereine und Fachverbände im ganzen Land angeordnet.

  • Bonus-Zahlungen: Alle Beamten, Soldaten, Rentner und Studenten mit Regierungstipendien erhalten sofort einen Bonus. Dieser entspricht dem Doppelten ihres üblichen monatlichen Lohns.

Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie; die Bürger haben keine politischen Mitspracherechte. Damit sie nicht auf die Idee kommen, solche einzufordern, hält das Königshaus das Volk mit viel Geld ruhig.

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Saudi-Arabien: Die Welt der Saudis
Strom, Wasser und Benzin werden in Saudi-Arabien großzügig subventioniert. Zudem sind mehr als die Hälfte der 5,5 Millionen Saudi-Araber im arbeitsfähigen Alter Staatsangestellte - Sozialstaat auf saudische Art.

Der normale Beamte bekommt diesen Monat mindestens 6300 Euro

Im Durchschnitt verdienen saudi-arabische Staatsangestellte rund 2100 Euro im Monat. Häufig kommen noch Überstunden-, Wohn-, Transport- oder Ramadangeld hinzu. Der durchschnittliche Beamte bekommt diesen Monat also zusätzlich rund 4200 Euro Bonus.

In Saudi-Arabien bereiteten sich daher viele Geschäfte auf einen Kundenansturm vor, berichtete die Zeitung. Auf Twitter zeigten sich viele begeistert vom unerwarteten Geldregen und lobten die Großzügigkeit des neuen Königs.

König Salmans Vorgänger, der im Januar verstorbene König Abdullah, hatte sich beim Volk auf ähnliche Weise beliebt gemacht: Als er 2005 inthronisiert wurde, erhöhte er die Beamtengehälter um 15 Prozent. Und nachdem er 2011 von einem Krankenhausaufenthalt im Ausland zurückgekehrt war, sollten die Bürger über seine Genesung jubeln: Abdullah gab deshalb allen Staatsangestellten einen Bonus von einem Monatsgehalt.

Auch wenn Riad den Ölpreis niedrig hält und deshalb derzeit weniger Geld in die Kassen fließt, verfügt die saudi-arabische Regierung noch immer über immense Reichtümer. Insgesamt machen die Gehälter und Sonderzahlungen an Staatsangestellte 2015 etwa die Hälfte des saudi-arabischen Haushaltes in Höhe von umgerechnet 202 Milliarden Euro aus.

Theoretisch müsste der neue König Salman dringend Reformen einleiten. Um auch langfristig den Wohlstand der Saudi-Araber zu garantieren, muss das Land seine Wirtschaft diversifizieren. Doch inmitten der Boni-Begeisterung spricht derzeit kaum jemand davon in Riad - genauso wenig wie von Forderungen nach mehr Freiheiten.

ras

insgesamt 27 Beiträge
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kuac 20.02.2015
1. Wer profitiert?
Die Exportnationen werden davon profitieren, da SA selbst nichts oder nur wenig produziert. Aber, eine Investition in die Zukunf ist das nicht. Und die ausgebeuteten Gastarbeiter werden weiterhin ausgebeutet. Menschenverachtend ist diese Regierung. Der König will damit nur seine Herrschaft weiter zementieren, damit niemand auf dumme Gedanken der Demokratie und Menschenrechte kommt. Das auspeitschen wird wohl weitergehen...
kaimaster 20.02.2015
2. Geschenk?!
Es ist das staatliche Vermögen, welches eh dem Volk gehört.
Tevje 20.02.2015
3. Na,
das wäre doch die Lösung aller Probleme Griechenlands: Saudi Arabien übernimmt die Hafen-Infrastruktur und ein paar Inselchen für das saudische Herrscherhaus und ein paar Hundert der saudischen Prinzen und begleicht dafür die ausstehenden Schulden, Griechenland bleibt in der €-Zone und der Finanzminister hat seine kantiges Gesicht gewahrt. oder?
PatrickZ 20.02.2015
4. Vorteile einer Monarchie
Finde man dürfte diesen Bericht ruhig ein weniger positiver verfassen. Ich kenne mich in Saudi-Arabien nicht aus, weiß, dass dort Menschenrecht mit Füßen getreten werden, aber was ist schlecht (so klingt es in diesem Bericht) an einer kleinen Umverteilung von oben nach unten? 28 Milliarden, ordentliches Konjunkturpaket, und das ohne es auf Pump zu machen wie bei uns. So übel ist das nun nicht. Würde das das reichste Prozent unseres Landes regelmäßig tun, hätten wir ein paar Probleme weniger. Übrigens: Was hat eine Schenkung ans Volk für einen kausalen Zusammenhang damit Reformen zu verzögern/meiden. Hätte er wohl auch ohne Schenkungen getan. Das ist wie wenn man jemandem, der seit kurzem Vegetarier ist sagt: Und was ist mit Milchprodukten?! Besser eine gute Tat als keine.
kuac 20.02.2015
5.
Zitat von kaimasterEs ist das staatliche Vermögen, welches eh dem Volk gehört.
Die Scheichs und Monarchen sehen das anders.
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