Saudi-Arabien Die fünf wichtigsten Aufgaben des neuen Königs

Saudi-Arabiens Machtwechsel fällt in eine sehr schwierige Phase für das Königreich. Noch nie stand das Land vor so vielen drängenden Problemen, innen- und außenpolitisch. König Salman bleibt nicht viel Zeit.


Riad/ Berlin - Der verstorbene König Abdullah galt vielen Saudi-Arabern als gutmütiger Patriarch und behutsamer Reformer. Sein Nachfolger und Halbbruder Salman dürfte es schwer haben, im Land ein ähnlich gutes Ansehen zu erreichen.

König Salman tritt sein Amt in einer für das Königreich und die gesamte Nahost-Region besonders angespannten Zeit an. Noch nie kamen auf einen saudischen König so viele drängende Probleme zu:

  • Dschihadisten: Der Aufstieg des "Islamischen Staates" ist für Saudi-Arabien gefährlich. Die Dschihadisten wollen dem saudischen Königshaus seine Führungsrolle in der sunnitischen Welt als Hüter der Heiligen Stätten Mekka und Medina streitig machen. Gleich zwei saudi-arabische Nachbarstaaten stehen am Rande des Zusammenbruchs, der Jemen und der Irak. Der Nahe Osten ist so instabil wie wohl kaum zuvor in der Geschichte Saudi-Arabiens.

  • Iran: Gleichzeitig nimmt die Rivalität mit der schiitischen Islamischen Republik Iran weiter zu. Mit ihr ringt Saudi-Arabien erbittert um die Vorherrschaft am Persischen Golf. Der Stellvertreterkrieg der beiden Länder destabilisiert die Region zusätzlich. Saudi-Arabien will verhindern, dass Iran zur Atommacht aufsteigt. Sollte sich in den nächsten Monaten keine für die Saudis akzeptable Lösung im Atomstreit abzeichnen, könnte das Königreich selbst atomare Fähigkeiten anstreben und ein Wettrennen befeuern.

  • Wohlstand: Saudi-Arabien besitzt ein Fünftel der bekannten Öl-Reserven. Seine Wirtschaft ist abhängig vom Öl-Export. Das muss König Salman ändern. Denn mit den Öl-Einnahmen allein kann er den Wohlstand der jungen, wachsenden Bevölkerung nicht garantieren. Viele junge Saudi-Araber tun sich schwer, Arbeit zu finden. Auch im Osten des Landes, wo viele der 15 Prozent Schiiten Saudi-Arabiens leben, wächst die Unzufriedenheit.

  • Reformen: Das saudische Königshaus tut sich schwer, die Balance zwischen einem traditionellen Wüstenstaat und einer hochmodernen Gesellschaft zu finden. Einige junge Saudi-Araber fordern schnellere Reformen - etwa das Recht für Frauen, Auto zu fahren. Doch das konservative religiöse Establishment, ein wichtiger Bündnispartner des Königs, hält dagegen. König Salman muss einen Mittelweg finden. Die Gefahr ist groß, dass schließlich beide Seiten unzufrieden sein werden.

  • Nachfolge: Seit dem Tod des Dynastien-Gründers Saud ibn Abd al-Aziz 1953 hat immer einer seiner rund 45 Söhne Saudi-Arabien regiert. Der Nachfolger wird innerhalb des Königshauses ausgemacht. Es gibt keine klaren Regeln. Nun rückt die schwierige Machtübergabe an die nächste Generation der unzähligen Enkel unvermeidbar näher. Der verstorbene König Abdullah hatte sich vor diesem Problem gedrückt: Er ernannte seinen Halbbruder Salman zum Kronprinzen und ernannte zudem einen Vize-Kronprinzen, ebenfalls einen Halbbruder, den 69-jährigen Muqrin. König Salman muss nun klären, wie es danach weitergehen soll.

Viel Zeit dürfte König Salman nicht haben. Der 79-Jährige soll Gerüchten zufolge möglicherweise unter Demenz oder Alzheimer leiden. Sicher ist: Er ist gesundheitlich angeschlagen.

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Onzlow 23.01.2015
1.
Demokratie ist in Saudi-Arabien nur eine Frage der Zeit. Während der Staatsgründer noch so 45 Söhne hatte, gibt es in den Nachfolgegenrationen 4000 männliche Enkel, Urenkel und Ururenkel. Das ist nicht mehr die Anzahl an Leuten, mit denen man sich im Palast einfachmal nach dem Gebet auf einen Tee verabredet und Dinge bespricht.
nolabel 23.01.2015
2. Blutgeld
Mit einem Regime, welches Kritiker zu Tode foltern läßt (nicht anderes bedeuten 1000 Peitschenhiebe), macht der freiheitsliebende Westen Geschäfte. Lasst die Steinzeitler doch auf ihrem Öl sitzen!
syracusa 23.01.2015
3. er hat zwei Wochen Zeit
Wir - mehrere Regionalgruppen der Giordano Bruno Stiftung - wurden mitten in der Planung von Mahnwachen und Demonstrationen für Raif Badawi vor der saudischen Botschaft überrascht. Wir sind der Meinung, dass sich das saudische Terrorregime nicht wesentlich von den Schreckensherrschaften des IS oder von Boko Haram unterscheidet, und wir drängen mit großem Nachdruck darauf, dass die Regierungen der EU endlich aufhören, dieses alle Werten der Aufklärung verhöhnende Regime von Kleptokraten zu unterstützen. Wir geben den neuen saudischen absolutistischen Machthaber zwei Wochen Zeit, eine radikale Änderung der saudischen Politik zumindest anzukündigen. Als erste Amtshandlung erwarten wir die bedingungslose Freilassung und Entschädigung von Raif Badawi.
micromiller 23.01.2015
4. Der liebe Feudaldiktator
genannt König bekommt trotz seiner menschenverachtende extremislamistischen Ausrichtung eine recht milde Presse. Warum eigentlich?
KlausLondon 23.01.2015
5. Reformen?
Es waere hilfreich, wenn SPON einmal einige der wichtigsten sogenannten "Reformen" Abdullah's zusammenfassend auflisten wuerde, damit diese nicht vollstaendig in Vergessenheit geraten. Ich jedenfalls - zugegeben kein Saudi-Kenner - kann mich an keine einzige Reform erinnern.
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