Fotostrecke

Gernegroß am Golf: Wie Katar seinen Reichtum investiert

Foto: FADI AL-ASSAAD/ REUTERS

Ärger mit Saudi-Arabien Feuerprobe für Katars jungen Emir

Saudi-Arabien hat genug von den ambitionierten Alleingängen des kleinen Nachbarn Katar. Der saudische König will das Gernegroß-Land in die Schranken weisen - und droht gar mit einer Blockade. Katars junger Emir steht gewaltig unter Druck.

Es scheint langsam Schule zu machen, dass große Staaten ihre Winz-Nachbarn einschüchtern, wenn ihnen deren Politik nicht passt. Saudi-Arabien und Katar sind so ein Fall.

Der saudische König Abdallah al-Saud, 89, hat genug von den außenpolitischen Alleingängen der Katarer. Er setzt das kleine Emirat und seinen jungen Regenten, den 33-jährigen Tamim bin Hamad al-Thani, unter Druck: Entweder Tamim al-Thani schwenkt wieder ein auf die außenpolitische Linie Saudi-Arabiens oder es gibt Ärger.

Katar, ungefähr zweimal so groß wie Zypern, zählt rund zwei Millionen Einwohner. Davon sind jedoch nur knapp 250.000 Katarer. Der Rest kommt aus dem Ausland, als Gastarbeiter. Trotzdem spielt Katar auf der Bühne der Weltpolitik mit.

Das liegt am politischen Kurs von Tamim al-Thanis Vater, Hamid. Aufzufallen um fast jeden Preis, schien seine Devise. Er nutzte Katars Öl- und Gas-Reichtum, um die Werbetrommel für sein Land zu rühren:

  • mit seinen Investitionen in den TV-Sender al-Dschasira
  • mit der Ausrichtung der Fußball-WM 2022
  • durch sein Hunderte Millionen Euro schweres Engagement für die Kicker von Paris Saint-Germain
  • durch die seit 2011 sehr ambitionierte Außenpolitik, wobei es Saudi-Arabien, der eigentlichen Regionalmacht, regelmäßig in die Quere kam

Saudis empört über Katars Hilfe für Islamisten

Die Rivalität in der Ägypten-Politik hat die Saudis nun gänzlich aus der Fassung gebracht: Während Saudi-Arabien das Militär unterstützt, hält es Katar weiter mit der abgesetzten Muslimbruderschaft. Irritiert muss Saudi-Arabien feststellen, dass trotz der Machtübernahme durch Ägyptens Militär noch immer keine Ruhe in dem Land einkehrt.

Die Wut darüber trifft nun Katar - und den jungen Staatschef, erst seit Mitte 2013 im Amt.

Die Saudis sehen das kleine Emirat als letzten verbliebenen Rückzugsort für die Muslimbrüder an: Von dort bekommen sie weiter finanzielle Unterstützung, von dort schimpft der Prediger Jussuf al-Karadawi regelmäßig über die anderen Golf-Staaten, weil sie sich hinter das ägyptischen Militär stellen. Und al-Dschasira berichtet weiter mit einer gewissen Sympathie über die Muslimbrüder.

All das muss aufhören, und zwar sofort, fordern die Saudis.

Als erste Strafmaßnahme hat Saudi-Arabien zusammen mit den Verbündeten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten in der vergangenen Woche die Botschafter aus Katar abgezogen. Es war eine öffentliche Demütigung für Tamim al-Thani. So demonstrativ wurde seit der Gründung des Golf-Kooperationsrates (GCC) 1981 noch kein Golfstaat an den Pranger gestellt.

Riad soll Katar mit Belagerung gedroht haben

Doch damit nicht genug: Der saudische König will bei dieser Gelegenheit den jungen Emir offenbar testen; die saudischen Forderungen sollen längst nicht mehr nur Katars Haltung gegenüber Ägypten betreffen. Offenbar will der saudische König diese Gelegenheit nutzen, um Katar auf seine eigentliche Größe zusammenzustutzen.

  • Die "Financial Times" berichtete , dass die Saudis auch wollen, dass Katar die zwei westlichen Think-Tanks schließt, die es beherbergt.
  • Die amerikanische Nachrichtenseite "Huffington Post" schrieb , dass darüber hinaus Saudi-Arabien auch die Schließung von al-Dschasira gefordert habe. Andernfalls drohe es Katar mit einer Blockade zu Lande und zur See. Katars einzige Landgrenze ist mit Saudi-Arabien.

Es wären krasse Forderungen. Doch sie sind nicht auszuschließen - Riad ist immer wieder für extreme Reaktionen gut, auch wenn sie seinen Interessen kaum dienen. Erst vor kurzem hat der saudische König für internationales Aufsehen gesorgt, als er wütend einen Sitz im Uno-Sicherheitsrat ablehnte, für den er sich eigentlich jahrelang eingesetzt hatte.

Für Katars jungen Emir ist der öffentliche Krach mit Saudi-Arabien nun die erste Bewährungsprobe; seine Gesandten sind bereits unterwegs und sollen versuchen, die Saudis zu beschwichtigen.

Ob Saudi-Arabien tatsächlich dazu bereit wäre, seinen Forderungen notfalls mit Sanktionen oder gar militärisch Nachdruck zu verschaffen, ist unvorhersehbar. Auch das macht die Aufgabe des jungen Emirs besonders schwierig.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.