Saudi-Arabiens Strategie gegen Iran Zwo, eins, Risiko

Saudi-Arabien nimmt die libanesische Hisbollah-Miliz ins Visier - und greift damit Iran frontal an. Im Kampf um die regionale Vorherrschaft kann Kronprinz Mohammed auf die USA setzen - und auf Israel.
Mohammed bin Salman (rechts) und Saad Hariri in Riad

Mohammed bin Salman (rechts) und Saad Hariri in Riad

Foto: Dalati Nohra/ dpa

Mohammed bin Salman setzt alles auf eine Karte. Der machthungrige Kronprinz will nicht weniger als ein neues Königreich Saudi-Arabien schaffen. Dafür befiehlt er gesellschaftliche Reformen, eine wirtschaftliche Rundumerneuerung und räumt unliebsame Rivalen aus dem Weg.

Der 32-Jährige erhöht auch außenpolitisch den Einsatz und greift Erzfeind Iran frontal an - mit Unterstützung der USA und einem anderen, auf den ersten Blick unerwarteten Verbündeten: Israel. Aber der Reihe nach:

  • Am Wochenende wurde eine Rakete aus dem Jemen auf den Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad abgefeuert, das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis, das gegen die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen kämpft, macht die Regierung in Teheran dafür verantwortlich.
  • Iran wies die Anschuldigungen zurück, nannte sie "ungerecht, unverantwortlich, destruktiv und provokant."
  • Riad legte am Montagabend nach - und beschuldigt nun die im Libanon beheimatete Schiiten-Miliz Hisbollah, hinter dem Beschuss zu stecken. Der Hintergrund: Die Hisbollah rüstet im Auftrag der Islamischen Republik schiitische Milizen in der ganzen arabischen Welt aus und trainiert deren Kämpfer.

Da die Hisbollah im Libanon wie ein Staat im Staat auftritt, große Teile der Wirtschaft kontrolliert und auch mit Ministern in der Regierung in Beirut vertreten ist, erklärte Saudi-Arabien gleich das ganze Land zum Feind. "Wir werden die Regierung des Libanon wegen der Hisbollah-Miliz als eine Regierung betrachten, die Saudi-Arabien den Krieg erklärt", sagte der saudi-arabische Minister Thamer al-Sabhan im TV-Sender Al-Arabija.

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Saudi-Arabien: Der junge, starke Mann von Riad

Foto: REUTERS/ Saudi Royal Court

Dieser rhetorische Angriff zielt nur vordergründig auf den Libanon. Tatsächlich geht es Riad um den kontinuierlich wachsenden Einfluss Irans im Zedernstaat. Denn schließlich war der von Saudi-Arabien protegierte Premier Saad Hariri - ebenfalls am Wochenende - überraschend zurückgetreten. Die Begründung des 47-jährigen Sunniten: Er bange um sein Leben.

Hariris Vater Rafik, langjähriger libanesischer Ministerpräsident, war 2005 bei einem Bombenanschlag in Beirut getötet worden. Mehreren Hisbollah-Funktionären wird derzeit deswegen in Abwesenheit vor einem Sondertribunal in Den Haag der Prozess gemacht. Hariri Junior warf der Hisbollah und damit Iran vor, den Libanon gänzlich unter ihre Kontrolle bringen zu wollen.

Die Wirren des Bürgerkriegs in Syrien hat der Zedernstaat bislang besser überstanden, als von vielen Beobachtern vorhergesehen. Wie das fragile Land aber mit dem sich zuspitzenden iranisch-saudischen Machtkampf auf eigenem Boden zurechtkommen wird, ist offen. Fraglos steckt hinter Mohammeds Aktionen aber das Kalkül, die Region nach seinen Vorstellungen zu formen und die Machtverhältnisse zu ändern.

"Sie wissen genau, was sie tun"

Den Segen der USA für seinen nach Innen und Außen gerichteten Hardliner-Kurs hat er. US-Präsident Donald Trump erklärte via Twitter, König Salman und sein Sohn wüssten genau, was sie tun.

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Zu den Unterstützern der saudischen Blitzoffensive gehört aber auch Israel. Das Land reagierte am Wochenende schnell und eindeutig auf die Rücktrittserklärung Hariris. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman twitterte: "Libanon=Hisbollah. Hisbollah=Iran. Libanon=Iran. Iran ist für die ganze Welt gefährlich. Saad Hariri hat das heute bewiesen. Punkt."

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Diese Einschätzung ist nicht neu. Israel warnt seit Jahren vor dem Einfluss Teherans in Beirut. Israels Generäle betrachten die kampferprobten schiitischen Milizionäre der Hisbollah - anders als etwa die Armee des syrischen Machthabers Assad - als bedrohlich; erst Anfang September hielt das israelische Militär im Norden des Landes das größte Manöver seit 20 Jahren ab - und simulierte dabei den nächsten Krieg gegen die Hisbollah.

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Eskalation mit Ansage: Schattenkrieg in der Levante

Foto: JALAA MAREY/ AFP

Am Montagabend veröffentlichte der in Diplomatenkreisen bestens vernetzte Journalist Barak Ravid dann im israelischen TV-Kanal 10 exklusiv die Nachricht, dass das israelische Außenministerium seine Diplomaten in aller Welt angewiesen habe, für das Vorgehen Saudi-Arabiens zu werben und Iran zu verurteilen. Diese ungewöhnliche Allianz zwischen Riad und Jerusalem folgt vermutlich dem Credo "Der Feind meines Feindes ist mein Freund".

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Ob das Kalkül aufgeht, ist bislang nicht absehbar. Zum einen aufgrund der komplexen innenpolitischen Gemengelage im Libanon, zum anderen mit Blick auf Iran. Denn die Islamische Republik ist weit mächtiger als Katar - und selbst das kleine Emirat hält dem Druck Saudi-Arabiens schon seit Monaten stand. Das Ringen um die Vorherrschaft im Nahen Osten ist nun in ein neues Stadium eingetreten. Saudi-Arabien geht derart in die Offensive, dass jeder Rückschlag für Kronprinz Mohammed einen Gesichtsverlust bedeutet.

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