Mohammed bin Salmans Aufstieg in Saudi-Arabien Zeit des Bulldozers

Vom vorlauten Kind zum autoritären Herrscher: Der junge Kronprinz Mohammed bin Salman, 33, hat einen einmalig steilen Aufstieg hinter sich. Susanne Koelbl beschreibt in einem Auszug aus ihrem neuen Buch, wie der saudische Prinz wurde, wer er ist.

Mohammed bin Salman
Bandar Algaloud/ REUTERS/ Saudi Royal Court

Mohammed bin Salman


Preisabfragezeitpunkt:
06.06.2019, 13:22 Uhr
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Susanne Koelbl
Zwölf Wochen in Riad: Saudi-Arabien zwischen Diktatur und Aufbruch - Ein SPIEGEL-Buch - Mit zahlreichen farbigen Abbildungen

Verlag:
Deutsche Verlags-Anstalt
Seiten:
320
Preis:
EUR 22,00

Der junge Prinz Mohammed ist zwölf Jahre alt, als er erstmals an den Besprechungen seines Vaters teilnimmt, der damals Gouverneur von Riad ist. Der Vater ist ein fähiger, knochenharter Manager. In wenigen Jahrzehnten hat er aus dem Wüstenflecken Riad gemacht, was es heute ist: eine pulsierende, moderne Hauptstadt. Schon lange heißt es über Gouverneur Salman, er besitze ein geheimes Dossier über jede wichtige Person im Staat - und er halte damit das ganze Königreich in Schach.

Prinz Salman hat eine besondere Schwäche für diesen erstgeborenen Sohn seiner dritten Ehefrau. Mohammed ist ein Junge mit fleischigen, vollen Lippen und gewinnendem Lachen, langgezogene Brauen ziehen sich über die kastanienbraunen Augen, die besonders dicke, schwarze Wimpern haben. Er ist selbstbewusst und vorlaut. Der kleine Prinz albert gern mit der Palastwache herum. Den Privatlehrer für Englisch zieht er so auf, dass dieser sich außerstande sieht, den Unterricht in der Klasse fortzusetzen, die ausschließlich aus Mohammeds Geschwistern besteht. Doch der Vater lässt diesem Sohn mehr durchgehen als jedem anderen seiner 13 Kinder.

Susanne Koelbl in Riad
Susanne Koelbl/ DER SPIEGEL

Susanne Koelbl in Riad

Mit 19 Jahren ist Prinz Mohammed der ständige Begleiter seines Vaters. Er macht Notizen, wie ein Adjutant. Er flüstert dem Vater Ideen zu. In Gesprächen mit anderen bittet Prinz Mohammed, seine Gedanken anmerken zu dürfen. Ganz selbstverständlich lernt er so den Maschinenraum des Königreichs von innen kennen, den Umgang mit ausländischen Politikern, Prinzen, internationalen Geschäftsleuten.

Was er nicht lernt, ist Kompromissfähigkeit und jene Diplomatie und Geschmeidigkeit, die Prinzen üblicherweise antrainiert wird, wenn sie Eliteschulen in England besuchen oder die prestigeträchtigen Universitäten der "Ivy League" im Nordosten der USA. Er hat nie in einem anderen Land als dem Königreich gelebt.

Prinz Mohammed hat eine rasche Auffassungsgabe. Es heißt aber auch, der Königssohn sei sehr emotional und neige zum Jähzorn.

MBS zieht es vor, beim Studium in der Nähe des Vaters zu bleiben. Denn Kronprinz Salman soll als Nächster den Thron besteigen, nach König Abdullah. Deshalb absolviert der Sohn den Bachelor in Rechtswissenschaft an der King Saud University in Riad.

Im Januar 2015 übernimmt der Vater, Salman bin Abd al-Asis bin Saud, dann die Macht in Riad, im Alter von 79 Jahren. Seinen Lieblingssohn ernennt er umgehend zum Verteidigungsminister, mit gerade mal 29 Jahren. Damit ist Prinz Mohammed der weltweit Jüngste in diesem Amt.

MBS gewährt Freiheiten, duldet aber keinen Widerspruch

Es heißt, die Gesundheit von König Salman sei angeschlagen, von beginnender Demenz ist die Rede. Der königliche Hof dementiert das. Jedenfalls übergibt König Salman dem Lieblingssohn die Verantwortung für die Tagesgeschäfte der neuen Regierung.

Die Fäden der Macht im Königreich laufen jetzt bei bei Prinz Mohammed zusammen.

Prinz Mohammed ist auch verantwortlich für das Transformationsprogramm "Vision 2030", das er und sein Vater erarbeitet haben. Es ist das Herzstück einer Reform, die Saudi-Arabiens Wirtschaft weg vom Öl führen soll. Sie befördert druckvoll den Aufbau des privaten Sektors. Die "Vision 2030" stellt das Königreich, wie man es bisher kannte, auf den Kopf.

Manche sprechen bereits vom vierten saudischen Königreich, das unter der Hand von Prinz Mohammed entstehen wird. Gemeint ist, dass, nachdem zwei frühere Königreiche der Saudis untergingen, im 18. und 19. Jahrhundert, sich dieses dritte jetzt in ein viertes, ein ganz anderes Land

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Impressionen aus Saudi-Arabien: Teure Essenzen, goldener Käfig

verwandeln wird. Sie nennen Mohammed deshalb hier "Mr. Everything", halb spöttisch, halb ehrfürchtig. Denn es gibt kaum einen Bereich in Saudi-Arabien, den der Prinz nicht wenigstens am Rande selbst mitmanagt.

Der Prinz umreißt seine kühne Vision

Eines Tages, im Jahr 2016, zieht der Prinz die einflussreichsten Medienmacher und Fernsehchefs des Landes zusammen, sie treffen sich in Riad. Er weiht sie ein in seine Pläne, in die "Vision 2030". Der junge Herrscher will, um die Wirtschaft anzukurbeln, andere gesellschaftliche Verhältnisse schaffen.

Die religiöse Doktrin der Wahhabiya, eine puristische, ultrakonservative Auslegung des Islam, soll im Alltag zurückgedrängt werden und Frauen sollen künftig eine sichtbare Rolle spielen. Den Journalisten droht der Prinz: "Ich bin ein Bulldozer, und ich werde jeden aus dem Weg räumen, der hier nicht mitmacht." So berichtet es einer, der dabei war.

Nur, wo genau will der neue starke Mann hin, der die alte Ordnung im Königreich gerade aus den Angeln hebt? Der neue Freiheiten gewährt, aber selbst keinen Widerspruch duldet? Und warum geschieht dieses Erdbeben ausgerechnet jetzt?



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Forumleser 29.05.2019
1. Khashoggi
Wieso steht im dem Artikel nirgenwo der Name Khashoggi und wie MBS in der Affäre drin hängt?
sober 29.05.2019
2. Ärgerlich
Sehr abruptes Ende des Textes. Und keine Silbe zum Mord an Jamal Kashoggi. Sehr ärgerlich.
Fahri 29.05.2019
3.
Was ist daran faszinierend? Beim Lesen kam mir der Artikel wie eine Respektsbekundung vor. Wie viel Geld wollen die denn in Deutschland investieren, dass so etwas veröffentlicht wird. Demnächst kommen bestimmt jede Menge Artikel, die die positiven Entwicklungen in Saudi-Arabien beschreiben. Natürlich mit kurzen Bemerkungen, dass die Transformation Zeit brauche und wir das unterstützen müssen. Warum bis September warten, schickt die Waffen einfach los. Die Lieferpause ist doch sowieso ein Witz. Genau wegen diesen Aktionen verlieren die Volksparteien an Zustimmung. Ein bisschen schwanger geht auch nicht.
janson 29.05.2019
4. Das ist ein auszug
Aus einem Buch von Frau Koelbl über den Prinz. Es ist kein Artikel, verehrte Vorschreiber...
salchicha 29.05.2019
5. Wie bitte?
Wer lässt denn so einen total unausgewogenen Artikel durchgehen? Der Fall Jamal Kashoggi hätte natürlich sofort zu Anfang erwähnt werden müssen. Komischer Liebgesang auf eine vollkommen umstrittene Person..
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