Saudischer Vorschlag Guantanamo-Häftlingen sollten Elektrochips implantiert werden

Die WikiLeaks-Dokumente zu Guantanamo offenbaren willkürliche Abläufe im umstrittenen Gefangenenlager - und Amerikas Furcht, entlassene Häftlinge nicht wirksam überwachen zu können. Saudi-Arabiens König hat dazu einen bizarren Vorschlag, wie eine dem SPIEGEL vorliegende US-Geheimdepesche zeigt.
König Abdullah (2007): Ortungschips wie bei Falken und Pferden für Verdächtige

König Abdullah (2007): Ortungschips wie bei Falken und Pferden für Verdächtige

Foto: DYLAN MARTINEZ/ REUTERS

Hamburg - Der König hatte Zeit, er war in Plauderlaune. Am 15. März 2009 diskutierte König Abdullah Bin Abd al-Asis, offizieller Titel: "Hüter der heiligen Stätten von Mekka und Medina", 90 Minuten lang in seinem Privatpalast in Riad mit Barack Obamas Anti-Terrorberater John Brennan.

Es ging um die ganz großen politischen Themen, um Iran, Irak und den Nahen Osten. So ist es in einer als "geheim" eingestuften Depesche der amerikanischen Botschaft in Riad vom 22. März 2009 nachzulesen. Aber auch über das umstrittene US-Gefangenenlager Guantanamo, in dem zahlreiche Saudi-Araber inhaftiert sind, wurde diskutiert.

Abdullah trieb um, wie dessen Insassen am besten zu kontrollieren seien. Ein wichtiger Punkt auch mit Blick auf die knifflige Frage, ob gefährliche Insassen weiter überwacht werden könnten, sollten sie aus dem Lager entlassen werden. Zum Zeitpunkt des Gesprächs hatte die Obama-Regierung dessen Schließung noch binnen Jahresfrist versprochen. Präsidentenberater Brennan bekräftigte dies beim Treffen mit König Abdullah.

Dieser hatte Rat parat. "Ich habe gerade an etwas gedacht", sagte er. Man könne den Guantanamo-Häftlingen doch einfach einen Elektrochip einpflanzen, der Informationen über sie enthalte. Mit Hilfe der Funktechnik Bluetooth ließen sich diese dann leicht kontrollieren. So werde mit Pferden oder Falken ja auch verfahren, argumentierte der Saudi-Autokrat - der als Liebhaber dieser Tiere bekannt ist.

Brennan wirkte nicht überzeugt: "Pferde haben keine guten Anwälte", gibt der Amerikaner zu bedenken, ein solches Vorgehen stieße in den Vereinigten Staaten wohl auf juristische Hürden. Doch dann fügte Brennan höflich hinzu, die Überwachung der Lager-Insassen sei "ein sehr wichtiges Thema" - das er mit den entsprechenden Beamten nach seiner Rückkehr in die USA besprechen werde.