Reaktion auf Schabab-Massaker Kenia fordert Auflösung des weltgrößten Flüchtlingslagers

Fast 150 Menschen kamen bei einem Anschlag somalischer Terroristen in Kenia ums Leben. Nun reagiert der Vizepräsident mit einer drastischen Forderung: Ein ganzes Flüchtlingslager mit Hunderttausenden Menschen soll ins Nachbarland verlegt werden.
Flüchtlingslager Dadaab: Verlegung nach Somalia?

Flüchtlingslager Dadaab: Verlegung nach Somalia?

Foto: Jerome Delay/ ASSOCIATED PRESS

148 Menschen töteten Schabab-Milizionäre bei einem Anschlag auf die kenianische Universität Garissa in der vergangenen Woche, jetzt wendet sich das ostafrikanische Land an die Uno: Vizepräsident William Ruto forderte die Vereinten Nationen auf, ein riesiges Flüchtlingscamp nahe der Grenze zu Somalia in das Nachbarland zu verlegen. Sollte das nicht binnen drei Monaten geschehen "werden wir es selbst umsiedeln", sagte Ruto laut dem US-Sender CNN  .

Bei dem strittigen Lager handelt es sich um das Uno-Flüchtlingscamp Dadaab, in dem vor allem Flüchtlinge aus Somalia leben. In dem nördlich von Kenia gelegenen Land tobt seit Jahrzehnten ein blutiger Bürgerkrieg. Die kenianische Regierung in Nairobi vermutet, dass sich unter die Flüchtlinge von dort auch islamistische Terroristen mischen.

Camp Dadaab ist das größte Flüchtlingslager der Welt und hat die Ausmaße einer Großstadt. Gebaut wurde es etwa hundert Kilometer von der somalischen Grenze entfernt für etwa 90.000 Flüchtlinge, mittlerweile leben dort jedoch nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR  mehr als 350.000 Menschen - andere Quellen gehen sogar von mehr als 600.000 Bewohnern aus.

Die jetzige Forderung ist eine drastische Reaktion auf den Terrorangriff in Garissa, bei dem Schabab-Terroristen 142 Studenten und sechs Sicherheitskräfte ermordet hatten. Offenbar will Nairobi Härte und Entschlossenheit im Kampf gegen die Islamisten demonstrieren: Nach dem Massaker kam Kritik an den kenianischen Sicherheitskräften auf, die sieben Stunden bis an den Tatort gebraucht haben sollen.

Mit dem Massaker auf dem Universitätscampus in Garissa wollte die Schabab-Miliz die kenianische Armee zum Rückzug aus Somalia zwingen, wo sie sich am Einsatz der Afrikanischen Union gegen die islamistischen Rebellen beteiligt. Das kenianische Militär versucht dabei, das Einsickern von Extremisten und Waffen über die 700 Kilometer lange Grenze zu unterbinden. Die kenianische Armee kündigte nach dem Terrorangriff weitere Offensiven gegen die Miliz an.

Zuletzt hatte Kenia nach Luftangriffen in der somalischen Grenzregion Gedo die Zerstörung von zwei Schabab-Lagern gemeldet. Die Armee verfüge über Informationen, dass die Schabab-Miliz von den Lagern in Gondodowe und Ismail aus Ziele in Kenia angreifen wollte, hieß es aus Militärkreisen.

Bislang wurden fünf Verdächtige festgenommen, die Hintermänner des Massakers sein sollen. Die Regierung setzte zudem eine Belohnung in Höhe von umgerechnet 200.000 Euro auf die Ergreifung des Schabab-Kommandeurs Mohammed Mohamud aus, der als Drahtzieher des Anschlags gilt.


Zusammengefasst: Nach dem Terroranschlag mit nahezu 150 Toten in der Universitätsstadt Garissa fordert Kenia die Uno auf, ein Flüchtlingslager ins benachbarte Somalia zu verlegen. Die Regierung in Nairobi vermutet, dass in dem Lager auch somalische Terroristen leben.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde William Ruto als Staatspräsident Kenias bezeichnet, er ist jedoch Vizepräsident seines Landes. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.


Die einflussreichsten Terrorgruppen Afrikas im Überblick:

mxw/Reuters/dpa
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