Scharfe Kritik aus den USA "Ohne uns wäre Deutschland eine Sowjetrepublik"
Washington - Er sei "besonders angewidert von der blinden Unnachgiebigkeit und äußersten Undankbarkeit", den diese drei Länder bei ihrem Veto gegen die Nato-Planungen zum Schutz der Türkei bei einem Irak-Krieg an den Tag gelegt hätten, erklärte Tom Lantos, der ranghöchste demokratische Vertreter im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses.
"Hätte es die heldenhaften Anstrengungen des amerikanischen Militärs nicht gegeben, wären Frankreich, Deutschland und Belgien heute sozialistische Sowjetrepubliken", fügte Lantos hinzu. "Das Versagen dieser drei Staaten, ihre Verpflichtungen anzuerkennen, ist jenseits aller Verachtung." Der Ausschuss wollte heute zu einer Beratung der Irak-Krise zusammentreten, an der auch US-Außenminister Colin Powell teilnehmen sollte.
Einige Mitglieder des Kongresses erwägen indes Strafmaßnahmen gegen die "Irak-Rebellen" Frankreich und Deutschland. Wie die "Washington Post" berichtete, ist der Zorn über den Widerstand der beiden Länder gegen den amerikanischen Irak-Kurs so groß, dass der republikanische Mehrheitsführer im Abgeordnetenhaus, Dennis Hastert, ein Gesetz über Einfuhrbeschränkungen für Wein und Mineralwasser aus Frankreich anstrebt. Was Deutschland betrifft, ist dem Blatt zufolge die Unterstützung im Abgeordnetenhaus für eine US-Truppenreduzierung deutlich gestiegen.
Hastert habe seinen Kollegen auf einer jüngsten Konferenz vorgeschlagen, Frankreich dort zu treffen, wo es besonders spürbar sei, heißt es in dem Blatt: bei Wein und Wasser. Frankreich ist der Spitzenexporteur von Mineralwasser in die USA.
Hastert will neben Einfuhrbeschränkungen auch prüfen lassen, ob künftig Weinflaschen aus Frankreich mit orangefarbenen Warnzeichen versehen werden, wenn das Getränk mit Hilfe von Rinderblut "geklärt" wurde - ein Prozess, der seit der Verbreitung der Seuche Rinderwahnsinn verboten ist. Nach Angaben von US-Weinexperten haben vor dem Verbot allerdings nur wenige französische Hersteller Rinderblut verwendet.
Zu Deutschland heißt es in dem Blatt, Befürworter einer Verringerung der gut 71.000 auf deutschem Boden stationierten US- Soldaten hätten deutlich Aufwind erhalten. Für eine Reduzierung hatte sich kürzlich auch der neue Nato-Oberbefehlshaber und US-General James Jones eingesetzt, allerdings nicht als Strafe, sondern mit der Begründung, dass künftig kleinere und flexiblere Einheiten gefragt seien. Die Pläne seien schon lange vor dem Irak-Konflikt entworfen worden, fänden aber jetzt wachsende Unterstützung, heißt es.
"Alles, was wir tun können, um ihnen (Deutschen und Franzosen) wehzutun, ohne dass es uns wehtut, werde ich unterstützen", zitierte die Zeitung den republikanischen Abgeordneten Peter King.
"Am Ende werden wir Freunde bleiben"
Versöhnlichere Töne schlug dagegen der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, an. Präsident George W. Bush würde gern möglichst große Einigkeit auf dem europäischen Kontinent sehen, sagte Fleischer. Er sei aber erfreut, wie groß die europäische Unterstützung für die US-Position und die der Türkei sei.
Es gebe allerdings eine kleine Zahl europäischer Nationen, die sich weiterhin von ihren Miteuropäern isolierten, fuhr Fleischer fort. "Das ist bedauerlich, aber trotzdem: Am Ende, egal, welche Positionen Frankreich, Deutschland oder Belgien einnehmen - und niemand hat mehr Hoffnung, dass Deutschland seine Meinung ändert -, am Ende werden wir Freunde und Verbündete jeder dieser drei Nationen bleiben."