Scharm al-Scheich Warum der "Versöhnungsgipfel" scheiterte

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Clinton lächelte hilflos im prunkvollen Tagungssaal des Golfclubhauses des feudalen "Jolie Ville Mövenpick"-Hotel im ägyptischen Rotmeer-Badeort Scharm al-Scheich. Sein linkischer Versuch, die grimmig dreinschauenden nahöstlichen Kontrahenten Jassir Arafat und Ehud Barak zu einem verheißungsvollen, seiner demokratischen Partei im US-Wahlkampf nützlichen Händedruck zu bewegen, schlug fehl. Wie ja auch der ganze medienaufgebauschte "Versöhnungsgipfel".Der amerikanische Präsident gab sich dennoch als erfolgreicher Friedensmakler aus, lobte sich im ägyptischen Fernsehen als "glücklicher Überbringer der jetzt weltweit gültigen, grenzübergreifenden moralischen Grundwerte der Vereinigten Staaten".Dabei stand bereits am frühen Morgen des Rückreisetages des auf eine letzte politische Großtat erpichten Staatschefs der einzigen Supermacht fest, dass die kostspielige Veranstaltung ein tragischer Flop war. Tragisch deswegen, weil in dem Augenblick, als Bill Clinton das magere Konferenzfazit ins Tischmikrofon sprach, ein weiterer palästinensischer Demonstrant den Tod gefunden hatte. Israels Ex-General und Ministerpräsident Ehud Barak hatte sich mit Palästinenserführer Jassir Arafat - den er Stunden zuvor noch einen "Bandenchef" gescholten hatte - laut präsidialer Erklärung darauf geeinigt, das Steinewerfen der aufbegehrenden Palästinenser und das Zielschießen israelischer Armeesoldaten "par ordre du Mufti" zu beenden.Der Israelpremier hatte die Bildung einer internationalen Untersuchungskommission über die Klärung der Schuldfrage verhindern können, was er in Jerusalem tags darauf als Verhandlungssieg feierte, während Arafat die undankbare Aufgabe blieb und wohl auch lange noch bleibt, seinem Volk klarzumachen, dass eine Fortsetzung des vor sieben Jahren in Oslo begonnenen, aber bereits zwei Jahre hinausgezögerten Friedensprozesses das Ende der Protestaktionen, also ein Zurück zum Status quo ante erfordert. Zurück zu jener, für die immer wieder vertrösteten und zuletzt auch noch in ihrem islamischen Selbstverständnis erschütterten Palästinenser nach Ariel Scharons provozierendem Besuch des Tempelbergs, auf dem die islamischen Heiligtümer Felsendom und al-Aksa-Moschee stehen, unhaltbaren Ausgangslage, welche die Protestaktion ausgelöst hatte.Dessen ungeachtet, der Nahe Osten ist ja so kompliziert, spielte Nochpräsident Clinton rasch noch einmal Golf, anstatt sich einer Pressekonferenz zu stellen. Dazu hatte sich nur Ehud Barak aufgerafft. Der Gastgeber, Präsident Husni Mubarak, hatte in Absprache mit seinen hohen Gästen aus Israel, dem immer noch nicht ausgerufenen Staatswesen Palästina, den USA, Jordanien, den Vereinten Nationen und der Europäischen Union - Jungkönig Abdullah II. aus Amman, Uno-Generalsekretär Kofi Annan und EU-"Außenminister" Javier Solana waren hochkarätige Statisten - auf der einzigen Begegnung mit den zahlreich angereisten Vertretern der internationalen Medien die mit Unmut, wenn auch mit sarkastischem Verständnis aufgenommene Nichtbereitschaft der Konferenzteilnehmer bekannt gegeben, auf einer Pressekonferenz Rede und Antwort zu stehen.Mubarak war es dann auch, der als Erster den weißstrahlenden Golfclub verließ. Ein Sprecher von Radio Kairo feixte dazu: "Das palästinensisch-israelische Gipfeltreffen vom vergangenen Jahr, das außer beidseitigen Gelöbnissen und Versprechungen, die natürlich nicht eingelöst wurden, keine vorzeigbaren Ergebnisse zeigte, hatte im selben Golfclub stattgefunden."



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