SPIEGEL ONLINE

Schlacht um Aleppo Rebellen trotzen Hubschraubern und Panzern

Die Schlacht um die syrische Stadt Aleppo ist voll entbrannt: Hubschrauber und Panzer der Regierungstruppen feuern seit dem frühen Sonntagmorgen Raketen und Granaten auf Stellungen der Rebellen. Für die Zivilisten in der Millionenstadt wird die Lage immer brisanter.

Damaskus - Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als ein Feuersturm über der 2,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt Aleppo hereinbrach: Mit Hubschraubern und Panzern feuerte die syrische Regierungsarmee von 04.00 Uhr morgens an stundenlang Raketen und Granaten auf Salaheddin und andere Viertel, in denen sich die Aufständischen verschanzt haben.

Mit rund hundert Panzern soll die Regierungsarmee die Hochburg der Aufständischen umstellt haben - flankiert von der schweren Artillerie versuchten die Regierungssoldaten in Salaheddin vorzudringen, auch Luftlandetruppen kamen zum Einsatz. Das staatliche syrische Fernsehen sprach von einer großangelegten "Operation zur Säuberung Aleppos von bewaffneten terroristischen Gruppen". Doch die Rebellen konnten die Angriffe nach eigenen Angaben zunächst abwehren.

Rebellen-Chef fordert Flugverbotszone

Einem Augenzeugen zufolge gibt es Gefechte in der Rebellenhochburg Salaheddin, weiteren Vierteln und in der historischen Altstadt - auch sollen Kampfflugzeuge die Stadt bombardieren. In den engen Gassen und überdachten Märkten des als Weltkulturerbe gelisteten Viertels kann die Armee ihre Panzer nicht einsetzen.

Fotostrecke

Fotostrecke: Entscheidungsschlacht um Aleppo

Foto: ZOHRA BENSEMRA/ REUTERS

Der Militärchef der Rebellen in Aleppo, sagte, sie hätten "acht Panzer und einige gepanzerte Fahrzeuge zerstört und mehr als hundert Soldaten getötet". Sie selbst hätten nur drei Kämpfer verloren, es seien durch die Luftangriffe aber viele Zivilisten getötet worden. Der Oberst forderte vom Westen deshalb die Einrichtung einer Flugverbotszone.

Zivilisten suchen Schutz in öffentlichen Parks

Für die in Aleppo verbliebenen Zivilisten wird die Lage immer bedrohlicher. Es gibt keinen Strom und auch kein Wasser mehr, die Lebensmittel werden knapp. Die meisten Zivilisten suchten Schutz in Kellern, Schulen oder öffentlichen Parks außerhalb der Kampfzone.

Die Schlacht um das wirtschaftliche Zentrum des Landes gilt als wichtige Machtprobe für die Regierung, die große militärische Ressourcen in die Kämpfe um die Städte Aleppo und die Hauptstadt Damaskus gesteckt hat. Militärexperten gehen davon aus, dass Assads Kräfte mit ihrer größeren Schlagkraft die Kontrolle über Aleppo und andere Großstädte erobern können. Allerdings zu dem Preis, dass sie weite ländliche Gebiete den Rebellen überlassen.

Nach Angaben der den Rebellen nahestehenden Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London wurden allein am Samstag landesweit 168 Menschen getötet, darunter 94 Zivilisten, 41 Soldaten und 33 Rebellen. Am Sonntag starben demnach vier Menschen bei den Kämpfen. Neben Aleppo gab es der Organisation zufolge auch Gefechte um das Hauptquartier der Polizei in der Rebellenhochburg Homs. In Jordanien, wohin derzeit jeden Tag 2000 Syrer fliehen, öffnete ein Flüchtlingslager mit Platz für 120.000 Menschen.

nck/Reuters/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.