Schlacht um Kandahar Nordallianz sieht Bin Laden in der Falle

Die afghanische Nordallianz geht davon aus, dass der Moslem-Extremist Osama Bin Laden umzingelt ist. Er soll sich in der Nähe des schwer umkämpften Kandahar aufhalten, wo die US-Militärs nun Bodentruppen einsetzen.


Soldaten der Nordallianz: Bin Laden und Taliban-Chef Mullah Omar sind angeblich schwer in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt
AP

Soldaten der Nordallianz: Bin Laden und Taliban-Chef Mullah Omar sind angeblich schwer in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt

Washington/Kandahar - Der Außenminister der Nordallianz, Abdullah Abdullah, teilte am Montag in Kabul mit, nach seiner Einschätzung hielten sich Bin Laden und Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar in der Nähe von Kandahar auf und seien in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. "Meine Information ist, dass sie zusammen sind", fügte er hinzu. Bin Laden wird von den USA als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September in den USA bezeichnet. Omar hatte ihm Gastrecht in Afghanistan gewährt und eine Auslieferung an die USA abgelehnt.

Die USA sind unterdessen mit Hunderten Marineinfanteristen in der Nähe von Kandahar im Süden Afghanistans gelandet, der letzten Bastion der Taliban. Sie besetzten dort am Sonntag und Montag einen Flugplatz. Gleichzeitig bombardierten US-Kampfflugzeuge unablässig Ziele bei Kandahar. Anti-Taliban-Kämpfer rückten mit Unterstützung der US-Truppen bis auf sieben Kilometer an die Stadt heran.

Sie nahmen die Orte Tacht-i-Pul und Toor Kotal östlich der Stadt ein. Auch eine Straße von Kandahar nach Pakistan sollen sie besetzt haben. Laut der afghanischen Nachrichtenagentur AIP wurden amerikanische Soldaten auch nördlich der Stadt am Flughafen von Kandahar abgesetzt. Dort seien auch schwere Waffen wie Geschütze und Panzer gelandet worden.

Zuerst waren am Sonntag einige hundert Marineinfanteristen von Hubschraubern südwestlich von Kandahar abgesetzt worden, wie in Washington verlautete. General James Mattis, der sich auf der "USS Peleliu" im Arabischen Golf befindet, sagte, die Soldaten hätten einen Privatflugplatz in der Wüste besetzt. Insgesamt solle die Zahl der Marineinfanteristen innerhalb weniger Tagen auf 1000 steigen, hieß es.

In der Stadt war schwerer Gefechtslärm zu hören, der Schein der Explosionen erleuchtete die Nacht. Taliban-Kämpfer fuhren auf ihren Pritschenwagen zwar weiter durch die Stadt, aber alle Behörden waren geschlossen und keine offiziellen Taliban-Führer zu sehen.

Am Sonntag hatte die Nordallianz nach zweiwöchiger Belagerung Kundus, die letzte Taliban-Bastion in Nordafghanistan, eingenommen.

"Ganz Kundus ist unter unserer Kontrolle", sagte Nordallianz-Kommandeur Daud Chan. Ein Sprecher der Nordallianz räumte jedoch ein, es gebe noch Widerstand einzelner Gruppen in Kundus.



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