Schlacht um Mossul Irakische Armee nähert sich der Stadtgrenze

Bis auf wenige hundert Meter sind irakische Einheiten an die IS-Hochburg Mossul herangerückt. Spezialkräfte stehen bereit - Iraks Premier al-Abadi fordert, die Islamisten sollen sich ergeben.

REUTERS

Vor zwei Wochen startete die Großoffensive der irakischen Armee und ihrer Verbündeten auf die nordirakische Stadt Mossul. Jetzt sieht es aus, als stünde die Koalition kurz vor den ersten Vierteln der Millionenstadt. Das Fernziel: die vollständige Rückeroberung Mossuls aus den Händen der Terrormiliz "Islamischer Staat".

Nach Angaben der Militärführung in Bagdad eroberten irakische Eliteeinheiten am Montag den Ort Baswaja, das letzte Dorf vor Mossuls östlichen Außenbezirken. Der Angriff habe am Morgen mit Luftschlägen und Artilleriefeuer begonnen. Panzer und gepanzerte Fahrzeuge seien mit Mörsern und aus Handfeuerwaffen beschossen worden.

Am Montagabend schlugen die Kämpfer der irakischen Armee ihr Lager unweit der Stadtgrenze und wenige Kilometer vom Zentrum Mossuls auf. Die kurdische Nachrichtenseite Rudaw berichtete unter Berufung auf den Chef der Anti-Terror-Einheiten, die Kämpfer seien nur noch 800 Meter von den Grenzen Mossuls entfernt.

Im Video: Irakische Armee dringt in IS-Hochburg Mossul ein

REUTERS

Premier Abadi: "Sie geben auf - oder sie sterben"

Berichte, nach denen Einheiten der Armee bereits in den östlichen Stadtteil Karama vorgedrungen seien, dementierte ein Armeesprecher. Demnach werden die Truppen nun versuchen, die Dschihadisten aus dem ersten Vorort Gogdschali zu vertreiben. Aus Militärkreisen hieß es, auch von Norden her seien die Truppen weiter an die Stadt herangerückt.

Bei einem Truppenbesuch in Shura südlich von Mossul drohte der irakische Regierungschef Haider al-Abadi dem IS mit Vernichtung und forderte die Kämpfer auf, sich zu ergeben. "Sie haben keinen Ausweg und keine Möglichkeit zur Flucht", sagte Abadi in einer Ansprache im Staatsfernsehen, gekleidet im Flecktarn der irakischen Streitkräfte. "Sie geben auf - oder sie sterben."

Vor zwei Wochen hatten die irakische Armee, kurdische Peschmerga-Kämpfer und lokale Milizen mit ihrem Großangriff auf die IS-Hochburg Mossul begonnen. Die von den USA geführte Anti-IS-Koalition unterstützt die Operation mit Luftangriffen. Allein an der Front im Süden der ehemaligen Metropole wurden seit Beginn nach irakischen Militärangaben mehr als 750 Kämpfer des IS getötet.

Fotostrecke

7  Bilder
Improvisierte Sprengsätze des IS: Töten, auch nach der Niederlage

Die beteiligten Kräfte nähern sich Mossul aus drei Richtungen und konnten in den vergangenen zwei Wochen Dutzende Dörfer befreien. Die Dschihadisten erschwerten den Vormarsch mit Sprengfallen, Selbstmordattentätern und Scharfschützen. Es wird vermutet, dass sich viele IS-Kämpfer aus den umliegenden Dörfern nach Mossul zurückgezogen haben, um die IS-Bastion zu verteidigen.

Beim Vorrücken ist umso mehr Vorsicht geboten, je näher die Kräfte dem Zentrum kommen. Viele Zivilisten aus Mossul sind zwar geflohen, doch der IS trieb auch Menschen aus umliegenden Dörfern in die Stadt hinein. Die Uno schätzt, dass 8000 Familien als menschliche Schutzschilde des IS festgehalten werden.

Beobachter rechnen damit, dass sich die Schlacht um die Stadt noch über Monate hinziehen könnte.

cht/AP/Reuters/dpa

insgesamt 60 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ottokar 31.10.2016
1. Der Regierungschef Haider al-Abadi
sollte sich daran erinnern was der IS mit den gefangenen irakischen Soldaten nach deren gefangennahme gemacht hat. Schon vergessen ? Menschenrechte gab es damals nicht.
sir wilfried 31.10.2016
2. Arme Zivilisten
Wie gewöhnlich, werden die gottlosen Islamisten Zivilisten zu Schutzschilden zwingen. Das ist in Mossul nicht anders als in Aleppo. Die Krokodilstränen über zivile Opfer in Aleppo könnte der Westen sich sparen, würde er die Terroristen auch dort von Waffennachschub abschneiden.
broväsor 01.11.2016
3.
Es ist doch bekannt, dass neben den getöteten IS-Terroristen auch zivile Opfer durch Luftangriffe zu beklagen sind. Warum wird das hier nicht erwähnt und warum spricht man jetzt von menschlichen Schutzschilden, was sie zweifellos sind und die Zivilisten haben sicher keine "Möglichkeit zur Flucht", da geht es ihnen wie denen in Syrien, die ebenfalls als Schutzschilde missbraucht werden. Es ist auffällig, verzeihen Sie mir die Kritik die eigentlich überflüssig sein sollte, wie schnell sich der Sprachgebrauch ändern kann.
stefan.p1 01.11.2016
4. Mossul = Aleppo 2
Auch hier fallen Bomben (diesmal amerikanische wie in Fadhliyah = 8 Tote) auf Zivilisten. Auch hier werden unzählige unschuldige Menschen durch Granaten , Kugeln und Bomben gemordet! In diesem Fall von der westlichen Koalition.Wo ist der Unterschied? Für die einen ist es notwendig den IS zu zerstören für die andere ist es notwendig Revoluzzer und Terroristen zu zerstören. Ich sehe da keinen großen Unterschied - es kommt nur auf den Blickwinkel an.
Beat.Adler 01.11.2016
5. Ost-Aleppo und Mosul
Zitat von stefan.p1Auch hier fallen Bomben (diesmal amerikanische wie in Fadhliyah = 8 Tote) auf Zivilisten. Auch hier werden unzählige unschuldige Menschen durch Granaten , Kugeln und Bomben gemordet! In diesem Fall von der westlichen Koalition.Wo ist der Unterschied? Für die einen ist es notwendig den IS zu zerstören für die andere ist es notwendig Revoluzzer und Terroristen zu zerstören. Ich sehe da keinen großen Unterschied - es kommt nur auf den Blickwinkel an.
Ost-Aleppo und Mosul: Die Assad-Gegner in Ost-Aleppo sind fast ausschliesslich Syrer und treten nicht als Besatzer auf. Sie drangsalieren, ermorden, richten die Zivilisten nicht hin. Ganz anders in Mosul, wo die Terroristen des Islamischen Staates, sehr Viele darunter gar keine Irakis, furchtbare Graeueltatten an der Zivilbevoelkerung begehen. Die UNO berichtete vor wenigen Tagen von 232 ermordeten, ehemaligen Soldaten des Iraks und Zivilisten inklusive Kinder. Der Unterschied zwischen Ost-Aleppo und Mosul ist sehr deutlich zu sehen. ausserdem....... Fragen ueber Fragen: Warum kommt es nicht zum Partisanenkampf in Mossul? Die Fluechlinge erzaehlen schaurige Berichte ueber abscheulichste Graeueltaten, welche die Terroristen des Islamischen Staates, die wie schlimmste Besatzer auftreten, verueben und niemand wagt den Partisanankampf. Warum eigentlich? Es sollen sich zwischen 3000 und 8000 Terroristen unter 700'000 bis 1.2 Millionen Zivilisten in Mossul aufhalten. Diese Terroristen muessen essen und drinken. Warum mischt niemand Gift ins Essen und ins Getraenk? Wieviele der Zivilisten in Mossul sind auf Seiten des IS? Etwa 99%? Erzaehlen die Fluechtlinge Schauermaerchen, um die internationale Presse zu beeindrucken? Wenn mich jemand 2 Jahre so plagt, wie es die Fluechtlinge erzaehlen, dann kaempfe ich. Besonders dann, wenn die Rettung unterwegs ist. Wer an den Osten Europas denkt, der von den Nazis besetzt wurde und ueber den dortigen Partisanankampf Bescheid weiss, kann die Vorgaenge in Mossul kaum verstehen. mfG Beat
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.