Schlüpfer-Fotos Saddam-Anwälte wollen eine Million Dollar von "The Sun"

Das britische Revolverblatt "Sun" hat seine Entscheidung verteidigt, Fotos von Saddam Hussein in Unterhose zu veröffentlichen - und heute trotzig ein neues Bild aus dem Gefängnis des Ex-Diktators gedruckt. Saddams Anwälte aber wollen die Zeitung verklagen - und den US-Verteidigungsminister Rumsfeld gleich mit.


"Sun" mit Saddam: "Einfach ein ärmlicher, alter Mann"
REUTERS

"Sun" mit Saddam: "Einfach ein ärmlicher, alter Mann"

London - Der Chef des Verteidigerteams von Saddam Hussein, Ziyahd Khasawneh, wolle vor Gericht gegen die "Sun" und das Pentagon vorgehen, berichtet die "Times". Er habe bereits die ersten Schritte unternommen, um eine Klage einzuleiten. "Die Veröffentlichung dieser Fotos stellt eine Herabwürdigung der Menschenrechte und der Genfer Konventionen dar", wird der Anwalt zitiert. Auch Donald Rumsfeld trage als Oberkommandeur der US-Streitkräfte, in deren Gewalt sich Saddam befindet, Verantwortung für die Publikation.

Die "Sun" hatte ebenso wie die "New York Post" - beide gehören zu Rupert Murdochs News Corp. - gestern Fotos gedruckt, die den Ex-Diktator in einer weißen Unterhose zeigen. In seiner Samstagsausgabe veröffentlichte das britische Blatt erneut eine Fotografie, die Saddam Hussein hinter einem Stacheldrahtzaun in einem traditionellen Gewand zeigt.

US-Armee fahndet nach dem Fotografen

Daneben veröffentlichte die "Sun" auch Fotos eines Mannes und einer Frau, bei denen es sich um den als "Chemie-Ali" bekannten General Ali Hassan al-Madschid und die Biowaffen-Expertin Huda Salih Mahdi Ammasch, auch "Mrs. Anthrax" genannt, handeln soll.

Die "Sun" gab an, sie habe die Fotos von einer Quelle aus dem US-Militär erhalten. Ziel der Veröffentlichung sei es, Saddam zu demystifizieren: "Saddam ist nicht Supermann oder Gott, er ist einfach ein ärmlicher, alternder Man. Es ist wichtig, dass die Iraker ihn so sehen", soll diese Quelle gesagt haben.

"Sun"-Chef: "Er ist nicht misshandelt worden"

Foto in kuweitischer Zeitung am Samstag: "Gründliche Ermittlungen" der Quelle angekündigt
AFP

Foto in kuweitischer Zeitung am Samstag: "Gründliche Ermittlungen" der Quelle angekündigt

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes teilte mit, aus seiner Sicht sei die Publikation in der Tat ein Verstoß gegen die Genfer Konvention. Diese schütze die Privatsphäre und Würde von Kriegsgefangenen. Auch George W. Bush hatte die Veröffentlichung verurteilt. Der US-Präsident unterstützt nach Angaben seines Sprechers Trent Duffy die bereits eingeleiteten "gründlichen Ermittlungen", mit denen die Identität des Fotografen geklärt werden soll.

Der leitende Redakteur der "Sun", Graham Dudman, sagte hingegen, man habe die Fotos zu Recht gebracht: "Dies sind fantastische, bedeutende Fotos. Das hier ist ein Mann, der mindestens 300.000 Leute ermordet hat und wir sollen ihn bedauern, weil jemand sein Foto geschossen hat? Er ist nicht misshandelt worden. Er wäscht nur seine Hose. Das ist der Adolf Hitler von heute. Bitte verlangt nicht, dass wir Mitleid mit ihm haben sollen."



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