Schmiergeldaffäre Uno-Mitarbeiter Sevan gibt Amt und Immunität auf

Der frühere Leiter des irakischen Uno-Programms "Öl für Lebensmittel", Benon Sevan, soll Schmiergeld angenommen haben. Das geht aus dem jüngsten Bericht einer Untersuchungskommission hervor. Sevan verkündete daraufhin seinen Rücktritt und gab auch seine Immunität auf.


Verzichtet auf Amt und Immunität: Benon Sevan, Ex-Leiter des Uno-Programms "Öl für Lebensmittel"
AP

Verzichtet auf Amt und Immunität: Benon Sevan, Ex-Leiter des Uno-Programms "Öl für Lebensmittel"

New York - Als Gegenleistung für die Schmiergeldzahlungen soll Sevan bei der Auftragsvergabe das Unternehmen African Middle East Petroleum (AMEP) bevorzugt haben. Die Untersuchungskommission gab in ihrem dritten Bericht erstmals ein Motiv für Sevans mutmaßliches Fehlverhalten an: Er und seine Ehefrau hätten Geldprobleme gehabt. Sevan kassierte nach Angaben der Kommission zwischen Dezember 1998 und Januar 2002 rund 147.000 Dollar (119.000 Euro).

Er hatte bereits am Sonntag seinen Rücktritt verkündet, nachdem Auszüge aus dem Bericht bekannt geworden waren. Sevan wies den Vorwurf der Bestechlichkeit zurück und warf Uno-Generalsekretär Kofi Annan vor, er habe nicht zu ihm gestanden.

Die Rücktrittserklärung hat rein symbolischen Charakter, da Sevan bei der Uno ohnehin nur noch pro forma für seine Zusammenarbeit mit der Untersuchungskommission beschäftigt war. Er bekam dafür das symbolische Gehalt von einem Dollar pro Jahr, behielt allerdings auch seinen Status als Diplomat und damit seine Immunität vor strafrechtlicher Verfolgung. Diese gab er jetzt auf, obwohl auch die Staatsanwaltschaft von Manhattan gegen ihn ermittelt.

In dem Bericht ebenfalls beschuldigt wird der frühere Uno-Mitarbeiter Alexander Jakowlew. Die Kommission erklärte, Jakowlew habe Schmiergeld in Höhe von fast einer Million Dollar (808.000 Euro) angenommen. Seine Immunität wurde am Montag von den Vereinten Nationen aufgehoben. Jakowlew trat in diesem Jahr zurück.

Annan und sein Sohn Kojo wurden in dem Bericht am Rande erwähnt. Es hieß, E-Mails ließen den Schluss zu, dass Annan mehr über die Verwicklung seines Sohnes in das Programm Öl für Lebensmittel gewusst habe, als er bisher eingeräumt habe. Dies werfe weitere Fragen auf, die im Abschlussbericht der Kommission im September beantwortet würden.

Das Öl-für-Lebensmittel-Programm sollte es dem Regime von Saddam Hussein ermöglichen, trotz der nach dem Golfkrieg verhängten Sanktionen begrenzte Mengen von Öl zu exportieren, um Lebensmittel und Medikamente zu kaufen. 90 Prozent der 26 Millionen Einwohner des Iraks waren für ihr Überleben auf das Programm angewiesen.



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