TV-Duell zur Unabhängigkeit Pleite für Schottlands Separatisten

Soll sich Schottland von den Briten abspalten? Diese Frage müssen vier Millionen Bürger in sechs Wochen beantworten. Da wurde das TV-Duell zwischen den Chefs beider Lager gebannt erwartet. Es geriet zur Niederlage für die Separatisten.

Schottlands Regierungschef Salmond: Es ging um Zweifel statt Überzeugungen
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Schottlands Regierungschef Salmond: Es ging um Zweifel statt Überzeugungen


Glasgow - Es sollte ein entscheidender Abend für Schottlands Unabhängigkeit werden. Da bekommen Kleinigkeiten eine größere Bedeutung. Etwa ein Münzwurf - um zu entscheiden, wer ein TV-Duell beginnen darf. Am Dienstagabend gewann Regierungschef Alex Salmond in Glasgow den Wurf. Er spricht sich für eine Loslösung von London aus. Ihm gegenüber stand Abspaltungsgegner Alistair Darling.

Schottland steht vor einem historischen Votum. In 42 Tagen stimmen vier Millionen Bürger darüber ab, ob ihr Land das Vereinigte Königreich verlässt und ein eigener Nationalstaat wird. Mehr als 300 gemeinsame Jahre mit England wären dann Geschichte. Salmonds Unterstützer hatten lange auf dieses TV-Duell gewartet. Nun erhofften sie sich den "game changer": einen Abend, der alles ändert, den Trend umkehrt. Denn es sieht nicht gut aus für Schottlands Separatisten. In den Umfragen der letzten Monate liegen sie konstant mit fünf bis zehn Prozent hinten.

Aber wer könnte es schaffen, das Ruder rumzureißen, wenn nicht "Wee Eck", der "Kleine Alex", wie sie Salmond nennen? Der Schotte gilt als begnadeter Rhetoriker. Als einer, der Pointen setzen kann. Gegen den technokratischen, blassen Alistair Darling wurde deshalb ein Duell der Gegensätze erwartet - mit Vorteilen für Salmond.

Eine Wand aus Sachfragen

Der kleine, rundliche Schotte appellierte ans Herz seiner Landsleute. Eindringlich redete er auf sie ein: Mehr als die Hälfte seines Lebens sei Schottland von Parteien regiert worden, die Schotten nicht gewählt hätten. Er, der sich bewusst gegen London und für die schottische Politik entschieden hat, der seit 1990 Chef der Scottish National Party (SNP) ist, hatte ein einfaches Argument: Niemand werde einen besseren Job machen als die Leute, die in Schottland leben und arbeiten.

Das Problem des SNP-Führers jedoch war: Es ging an diesem Abend nicht um Gefühle, sondern um blasse, technische Themen - die Währungfrage, die Renten, die Debatte um die Ölförderung.

All das kam Darling entgegen. Der Ex-Finanzminister versuchte gleich zu Beginn, Salmonds Taktik zu kontern: Nicht der Patriotismus stehe an diesem Abend zur Debatte, es gehe um etwas Größeres. "Manchmal ist es besser, Nein zu sagen. Nicht, weil wir nicht können - sondern einfach, weil es nicht die richtige Entscheidung ist", sagte Darling. Die Risiken einer Abspaltung seien unberechenbar: "Es gibt kein Zurück, wenn wir entscheiden zu gehen." Er wolle Schottland blühend sehen und nicht eingegrenzt und abgesperrt.

Auf die Masse an Sachfragen hatte Salmond kaum zufriedenstellende Antworten. Der Ökonom, ehemals bei der Royal Bank of Scotland, sah ausgerechnet bei der Währungsfrage schlecht aus. Welches Geld er denn in Schottland einführen wolle, fragte ihn Darling, wenn London eine Währungsunion ablehne? Salmond rettete sich in Allgemeinplätze. Was passiere mit den Renten, bohrte Darling nach, wenn Schottland tatsächlich unabhängig werde? Salmond schlingerte, eine Antwort blieb er schuldig. Und was sei mit der Ölförderung, wollte Darling wissen - schließlich habe sich Schottland mehrmals bei der Schätzung der Reserven in der Nordsee geirrt. Salmond hatte kaum mehr zu bieten als emotionale Appelle - und das Versprechen, den Schotten endlich die Unabhängigkeit zu erkämpfen.

"Wo ist Ihr Plan B?", fragte Darling mehrmals. Salmond hatte keine Antwort.

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schreiberausthür.89 06.08.2014
1. Abspaltung ist Unsinn
Die geplante Abspaltung ist völlig albern und aus der Zeit gefallen. Die Schotten haben doch ohnehin bereits weitgehende Autonomie von London, aus wirtschaftlicher Sicht würde eine Abspaltung für Schottland mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringen. Außerdem wäre der neue Staat, zumindest vorerst, isoliert. Keine EU- Mitgliedschaft, keine NATO- Mitgliedschaft. Für Pendler auf beiden Seite der Grenze würde es wohl auch Probleme mit sich bringen. England könnte schließlich trotzig reagieren, und die Grenzen "dicht machen".
xcver 06.08.2014
2. Wirtschaftlichkeit der Abspaltung
Naja wenn Schottland nach einer Abspaltung das norwegische Modell wählen würde könnte sich das wirtschaftlich schon rechnen. Sprich Verstaatlichung der Ölförderung und Rückfahrung in den Staats- und Sozialhaushalt. Es ist mal davon auszugehen, dass ein EU Assoziierungsabkommen sehr schnell stattfinden könnte. Auch eine Mitgliedschaft kann relativ schnell vonstatten gehen, wenn ein Land keine großen Hindernisse diesbzgl hat. Aber generell ist diese Abspaltung nicht besonders gut durchdacht.
rulamann 06.08.2014
3. Schwächung Englands zu begrüßen
Zitat von schreiberausthür.89Die geplante Abspaltung ist völlig albern und aus der Zeit gefallen. Die Schotten haben doch ohnehin bereits weitgehende Autonomie von London, aus wirtschaftlicher Sicht würde eine Abspaltung für Schottland mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringen. Außerdem wäre der neue Staat, zumindest vorerst, isoliert. Keine EU- Mitgliedschaft, keine NATO- Mitgliedschaft. Für Pendler auf beiden Seite der Grenze würde es wohl auch Probleme mit sich bringen. England könnte schließlich trotzig reagieren, und die Grenzen "dicht machen".
Gähn, am Anfang wird es hart dafür ist es auf lange Sicht der richtige Weg, dafür hat Schottland alles was es braucht: exzellente Bildung, Rohstoffe und genug Einwohner. Die Umfragen sehen zwar 55/45 für die Union voraus, aber dann versuchen sie es halt später nochmal, Schottland kommt ohne die Geier aus der City of London klar, andersrum ist das wohl nicht der Fall.
shokaku 06.08.2014
4. .
Zitat von xcverNaja wenn Schottland nach einer Abspaltung das norwegische Modell wählen würde könnte sich das wirtschaftlich schon rechnen. Sprich Verstaatlichung der Ölförderung und Rückfahrung in den Staats- und Sozialhaushalt. Es ist mal davon auszugehen, dass ein EU Assoziierungsabkommen sehr schnell stattfinden könnte. Auch eine Mitgliedschaft kann relativ schnell vonstatten gehen, wenn ein Land keine großen Hindernisse diesbzgl hat. Aber generell ist diese Abspaltung nicht besonders gut durchdacht.
Die spanische Regierung, die ja eigene Abspaltungen zu befürchten hat, hatte schon angekündigt dem einen Riegel vorzuschieben. Kann man aus deren Sicht auch verstehen. Blos keinen Präzedenzfall schaffen.
Airkraft 06.08.2014
5. Ist...
Ist Ökonom, ehemals bei der Bank of Scotland, nicht allein schon ein Ausschlusskriterium?
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