TV-Duell zur Unabhängigkeit Pleite für Schottlands Separatisten

Soll sich Schottland von den Briten abspalten? Diese Frage müssen vier Millionen Bürger in sechs Wochen beantworten. Da wurde das TV-Duell zwischen den Chefs beider Lager gebannt erwartet. Es geriet zur Niederlage für die Separatisten.
Schottlands Regierungschef Salmond: Es ging um Zweifel statt Überzeugungen

Schottlands Regierungschef Salmond: Es ging um Zweifel statt Überzeugungen

Foto: PETER DEVLIN/ AFP

Glasgow - Es sollte ein entscheidender Abend für Schottlands Unabhängigkeit werden. Da bekommen Kleinigkeiten eine größere Bedeutung. Etwa ein Münzwurf - um zu entscheiden, wer ein TV-Duell beginnen darf. Am Dienstagabend gewann Regierungschef Alex Salmond in Glasgow den Wurf. Er spricht sich für eine Loslösung von London aus. Ihm gegenüber stand Abspaltungsgegner Alistair Darling.

Schottland steht vor einem historischen Votum. In 42 Tagen stimmen vier Millionen Bürger darüber ab, ob ihr Land das Vereinigte Königreich verlässt und ein eigener Nationalstaat wird. Mehr als 300 gemeinsame Jahre mit England wären dann Geschichte. Salmonds Unterstützer hatten lange auf dieses TV-Duell gewartet. Nun erhofften sie sich den "game changer": einen Abend, der alles ändert, den Trend umkehrt. Denn es sieht nicht gut aus für Schottlands Separatisten. In den Umfragen der letzten Monate liegen sie konstant mit fünf bis zehn Prozent hinten.

Aber wer könnte es schaffen, das Ruder rumzureißen, wenn nicht "Wee Eck", der "Kleine Alex", wie sie Salmond nennen? Der Schotte gilt als begnadeter Rhetoriker. Als einer, der Pointen setzen kann. Gegen den technokratischen, blassen Alistair Darling wurde deshalb ein Duell der Gegensätze erwartet - mit Vorteilen für Salmond.

Eine Wand aus Sachfragen

Der kleine, rundliche Schotte appellierte ans Herz seiner Landsleute. Eindringlich redete er auf sie ein: Mehr als die Hälfte seines Lebens sei Schottland von Parteien regiert worden, die Schotten nicht gewählt hätten. Er, der sich bewusst gegen London und für die schottische Politik entschieden hat, der seit 1990 Chef der Scottish National Party (SNP) ist, hatte ein einfaches Argument: Niemand werde einen besseren Job machen als die Leute, die in Schottland leben und arbeiten.

Das Problem des SNP-Führers jedoch war: Es ging an diesem Abend nicht um Gefühle, sondern um blasse, technische Themen - die Währungfrage, die Renten, die Debatte um die Ölförderung.

All das kam Darling entgegen. Der Ex-Finanzminister versuchte gleich zu Beginn, Salmonds Taktik zu kontern: Nicht der Patriotismus stehe an diesem Abend zur Debatte, es gehe um etwas Größeres. "Manchmal ist es besser, Nein zu sagen. Nicht, weil wir nicht können - sondern einfach, weil es nicht die richtige Entscheidung ist", sagte Darling. Die Risiken einer Abspaltung seien unberechenbar: "Es gibt kein Zurück, wenn wir entscheiden zu gehen." Er wolle Schottland blühend sehen und nicht eingegrenzt und abgesperrt.

Auf die Masse an Sachfragen hatte Salmond kaum zufriedenstellende Antworten. Der Ökonom, ehemals bei der Royal Bank of Scotland, sah ausgerechnet bei der Währungsfrage schlecht aus. Welches Geld er denn in Schottland einführen wolle, fragte ihn Darling, wenn London eine Währungsunion ablehne? Salmond rettete sich in Allgemeinplätze. Was passiere mit den Renten, bohrte Darling nach, wenn Schottland tatsächlich unabhängig werde? Salmond schlingerte, eine Antwort blieb er schuldig. Und was sei mit der Ölförderung, wollte Darling wissen - schließlich habe sich Schottland mehrmals bei der Schätzung der Reserven in der Nordsee geirrt. Salmond hatte kaum mehr zu bieten als emotionale Appelle - und das Versprechen, den Schotten endlich die Unabhängigkeit zu erkämpfen.

"Wo ist Ihr Plan B?", fragte Darling mehrmals. Salmond hatte keine Antwort.