Unabhängigkeits-Referendum Miliband gerät in Schottland zwischen die Fronten

Es steht 48 zu 52: Eine neue Umfrage zum Unabhängigkeits-Votum in Schottland zeigt, wie eng die Wahl am Donnerstag wird. Die Gegner einer Abspaltung liegen nur leicht vorn. In Edinburgh musste Labour-Oppositionsführer Miliband vor aufgebrachten Demonstranten flüchten.

Labour-Chef Ed Miliband: Bedrängt im Shopping Center
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Labour-Chef Ed Miliband: Bedrängt im Shopping Center


Edinburgh - Mehr als vier Millionen Einwohner Schottlands sind am Donnerstag aufgerufen, "Ja" oder "Nein" zur Unabhängigkeit zu sagen. Es wird mit einer hohen Wahlbeteiligung gerechnet.

In den vergangenen Tagen hatten die Chefs der großen Parteien im britischen Parlament noch einmal eindringlich für einen Verbleib Schottlands im Königreich geworben.

Laut einer Umfrage der britischen Forschungsgruppe CPI für die Zeitung "The Scotsman" kommen die Befürworter der Abspaltung momentan auf 48 Prozent der Stimmen, die Gegner verloren einen Punkt und halten nur noch 52 Prozent der Stimmen.

Allerdings waren 14 Prozent der Befragten noch unentschlossen, ob sie am Donnerstag für oder gegen die Abspaltung Schottlands votieren werden. Berücksichtigt man die Wankelmütigen, kommen die Separatisten auf 41 Prozent, die Gegenseite auf 45 Prozent.

Im knappen Kampf um Ja oder Nein kochen die Emotionen immer höher. Ed Miliband, Vorsitzender der Labour-Partei und Oppositionsführer im britischen Unterhaus, musste einen Auftritt in Edinburgh am Dienstag laut einem Bericht des "Guardian" abbrechen.

Demnach geriet er bei seinem Besuch in einem Einkaufszentrum in Edinburgh zwischen die Fronten der Ja- und Nein-Aktivisten. Die Unabhängigkeitsbefürworter hätten ihn niedergeschrien, zudem sei er von der Presse bedrängt worden.

Miliband war schon bedroht worden, nachdem die Nachricht von seinem unangekündigten Besuch durchgesickert war. Im Einkaufszentrum sollen ihm dann nur fünf Minuten zum Gespräch mit Angestellten und Kunden geblieben sein, bevor sich Medien und Demonstranten auf ihn gestürzt hätten. Dann kam es laut "Guardian" zu tumultartigen Szenen. Miliband konnte der Menge schließlich durch einen Seiteneingang entkommen.

sun

insgesamt 7 Beiträge
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Direwolf 17.09.2014
1. Wie es auch ausgehen mag
Schottland steht da vor einer großen Aufgabe, denn gut die Hälfte der Bevölkerung wird sich als Verlierer sehen. Die dann mitzunehmen, wohin die Reise auch gehen mag, wird nicht einfach
seneca55 17.09.2014
2. Labour's Millibrand ist in Scotland nicht willkommen?
Aber Scotland hat doch immer Labour gewählt, oder ?! Morgen wird gewählt - anscheinend so, als würd es kein Morgen mehr geben. 300 Jahre Gemeinschaft mit England scheint den wahren Schotten Jahrzehnte zulang gewesen sein. Jetzt hilft nur noch "Schotten dicht machen! - sonst ist das UK Geschichte und England muss auch um Nordirland fürchten, dass sich 50:50 an Irland anschließen will? Warum ist London nur so unattraktiv für die alten Briten? Der Adel und die Queen werden es doch wohl nicht sein?
birdie 17.09.2014
3. Ruhe bewahren ....
denn es wird nichts so heiss gegessen, wie es gekocht wird. Am Ende wird sich Great Britain aus seiner splendid isolation herauslösen oder in ihr versinken. Das sind die einzigen Optionen, die das Land noch hat.
hansulrich47 17.09.2014
4. Es wird spannend!
Und es ist gleichzeitig belustigend. Einerseits gibt es nur wenige "echte" Highland-Scotsmen. Wer in Glasgow oder Edinburg abstimmt, ist oft Nachfahre eingewanderter Engländer. Den highlanders waren diese lowlanders immer ein Dorn im Auge. Andererseits scheinen sogar diese Ex-Engländer Gefallen an Selbständigkeit zu finden. Ist London zu dominerend? So wie Paris in Frankreich? Das gibt es in D nicht. Uns Süddeutschen ist Berlin oder Preussen ziemlich egal, aber trennen müssen wir uns deshalb nicht.
ambulans 17.09.2014
5. wenn
selbst der labour-chef flüchten muss, kann man sich das ergebnis von morgen ja wohl ungefähr vorstellen. wird wohl diesmal eine "clearance" (brits out!) in umgekehrter richtung geben - und northern ireland, die channel islands, die isle of man und dann auch wales werden sich wahrscheinlich anschließen. well done, scots - and now, first of all, a toast to the very bravehearts! dr. ambulans (alle kassen)
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