Schröder in Nahost Spagat zwischen Israelis und Palästinensern

Nach einem Gespräch mit Israels Ministerpräsident Barak trifft sich Gerhard Schröder mit Jassir Arafat. Der Bundeskanzler will den Palästinenserpräsidenten überzeugen, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.


Schröder und Barak in Jerusalem
DPA

Schröder und Barak in Jerusalem

Jerusalem/Washington/Hamburg - Zum Abschluss seiner Nahostreise will Schröder in Gaza mit dem Arafat zusammentreffen. Dabei will Schröder den 71-jährigen Palästinenserführer nach eigenen Aussagen von der Notwendigkeit überzeugen, die gewalttätigen Ausschreitungen in den Autonomiegebieten zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das zunächst in Bethlehem geplante Treffen Schröders mit Arafat wurde von den Palästinensern nach Gaza verlegt, ohne dass öffentlich Gründe dafür genannt wurden.

Der Bundeskanzler hatte am Dienstag bei Gesprächen mit der politischen Führung Israels wiederholt betont, dass es zur Wiederaufnahme der Verhandlungen keine Alternative gebe. Schröder bot Israel deutsche Hilfe bei den Bemühungen um eine Freilassung von drei nach Libanon entführten israelischen Soldaten an. Die pro-iranische Hisbollah-Miliz hatte die Männer am 7. Oktober über die Grenze nach Libanon verschleppt. "Was uns betrifft, so werden wir alles in unserer Macht Stehende tun", sagte der Kanzler.

Trotz der blutigen Gewalt in den Palästinensergebieten gehen die Bemühungen um eine Vermittlung zwischen Israel und den Palästinensern weiter. Noch in dieser Woche werden der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat und der amtierende israelische Außenminister Schlomo Ben-Ami zu Gesprächen in Washington erwartet. Der frühere israelische Ministerpräsident und derzeitige Minister für regionale Zusammenarbeit, Schimon Peres, bestätigte im ARD-Fernsehen, dass er ein Gespräch mit Arafat plant.

Heftige Straßenkämpfe im Gaza-Streifen

Die Unruhen im Gaza-Streifen und im Westjordanland gingen unterdessen weiter. Am Dienstag wurden insgesamt fünf Palästinenser getötet und Dutzende verletzt, unter ihnen auch der Korrespondent des US-Nachrichtensenders CNN, Ben Wedeman, der einen Bauchschuss erlitt. Wedeman war nach einer Operation aber außer Lebensgefahr.

Am Abend beschossen Palästinenser nahe der Stadt Kalkilia im Westjordanland einen israelischen Bus. Dabei wurde einer der Insassen verletzt, wie der israelische Rundfunk meldete. Nach dem Zwischenfall habe die israelische Armee die Stadt abgeriegelt. Ferner habe es an mehreren anderen Orten im Westjordanland Schießereien zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten gegeben. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.