Schröders Besuch in Spanien "Mach's gut"

Es war nur ein kurzer Besuch. Zwischen zwei Gesprächen mit der Union flog Bundeskanzler Gerhard Schröder gestern Nacht nach Madrid - und setzte einen Schlussakzent auf eine wunderbare politische Freundschaft mit Spaniens Regierungschef Zapatero.

Madrid - Beim sehr herzlichen Abschied gegen elf Uhr nachts vor dem Sitz des spanischen Ministerpräsidenten raunte der Bundeskanzler seinem Freund aus dem Moncloa-Palast in bester Stimmung ein "Mach's gut" zu. José Luis Rodríguez Zapatero hatte Gerhard Schröder gestern zu einem privaten Abendessen eingeladen. Das Treffen unter vier Augen nur unterstützt von einer Dolmetscherin könnte einer der letzten Auftritte des Sozialdemokraten sozusagen als "gefühlter Kanzler" auf internationalem Parkett gewesen sein.

Zwar wird Schröder möglicherweise am 27. Oktober noch zum inoffiziellen Europäischen Halbzeitgipfel nach Surrey bei London reisen, zu dem der aktuelle Ratspräsident Tony Blair geladen hat. Doch dann wird sein Verzicht auf die Führung einer Großen Koalition ihn möglicherweise schon zur "lame duck" degradiert haben.

Über ein Thema, das den Spaniern für diesen Termin besonders am Herzen liegt, nämlich den EU-Haushaltsrahmen für die Jahre 2007 bis 2013, könnten die beiden Politiker gestern gesprochen haben: Was sind die Deutschen bereit an die Brüssler Kassen zu zahlen, worauf sind die Spanier bereit zu verzichten, da sie schon mehr als 90 Prozent des europäischen Bruttosozialprodukts erzielt haben? Den Sozialisten Zapatero eint mit Schröder der Akzent auf den Perspektiven für ein soziales Europa, während die britischen Gastgeber die Union stramm auf den Kurs wirtschaftlichen Fortschritts mit der Lissabon-Agenda zurücktreiben wollen.

Die Einladung kam nach der Wahl

Die erst nach der Bundestagswahl vermittelte Einladung zum Abschiedsessen in Madrid rundet eine kurze aber wunderbare Politikerfreundschaft ab. Schon den damaligen Oppositionsführer Zapatero hatte der Kanzler auf Mallorca empfangen, als er dort im Sommer 2001 seine Ferien verbrachte. Das nahm ihm der amtierende spanische Ministerpräsident José María Aznar sehr übel. Doch mit dem kleinen schnauzbärtigen Nussknacker konnten weder Schröder noch sein Vorgänger Kohl warm werden.

Während des ersten offiziellen Besuchs beim frisch gewählten Sozialisten in der Moncloa rühmte Schröder im September vorigen Jahres denn auch dessen Entschlossenheit, sein Land ins "Herz Europas" zurückzuführen. "Ohne Zapatero hätte es keinen Beschluss über die Europäische Verfassung gegeben." Die nämlich hatte Aznar hartleibig blockiert. Bei dem gemeinsamen Spaziergang zusammen mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac in strahlender Frühherbstsonne durch den Park der Moncloa wurde die deutsch-französische Achse um Spanien erweitert. "Das alte Europa ist wie neu", jubelte der Gastgeber damals. Und der Kanzler, ganz loyal, zitierte den gerade erschienenen SPIEGEL-Artikel über Spanien als Trendsetter Europas und lobte Zapatero, weil er "eine wirkliche Dynamik" in die europäische Politik gebracht habe.

Der spanische Ministerpräsident harmonierte offensichtlich blendend mit dem 16 Jahre älteren deutschen Kollegen aus dem selben politischen Lager. Den bilateralen Gipfel ließ er denn auch Anfang November 2004 in seiner Heimatstadt León ausrichten. Im zu diesem Anlass gewährten SPIEGEL-Gespräch hatte Zapatero herausgestrichen, alle müssten dazu beitragen, dass "die deutsche Wirtschaft wieder die große Lokomotive in Europa wird".

Da spöttelte denn Schröder vor der versammelten Presse nur gutmütig darüber, dass er es nicht geschafft habe, den Spaniern bei den Verhandlungen über die geleasten Leopard-Panzer den Mietzins zu erhöhen. "Sie haben ein gutes Geschäft gemacht, Spanien kann zufrieden sein", witzelte er über die Vereinbarungen einer verstärkten militärischen Zusammenarbeit.

Blitztour durch Juristenkneipen

Beim Bummel zur gotischen Kathedrale bereitete der einstige Staatsrechtslehrer an der Universität zu León dem früheren Anwalt aus dem Norden ein Bad in der freundlichen Menge und eine Blitztour durch die traditionellen Juristenkneipen im Barrio Húmedo. Im "feuchten Viertel" hatten die beiden, begleitet von einer Schar ihrer Minister, nur eine halbe Stunde Zeit, um die Rotweine der Gegend, den berühmten Schinken eichelgemästeter Schwarzfußschweine und zum Abschluss Orujo-Schnaps zu verkosten.

Zur versprochenen Revanche bei Eisbein und Bier in Berlin in der Vorweihnachtszeit kam es aus Terminknappheit schließlich nicht. Doch der Bundeskanzler stand seinem "lieben Freund, der durch Offenheit und Dialogbereitschaft besticht", wie Schröder in León gelobt hatte, bei der Abschlusskundgebung zum Referendum über die Europäische Verfassung zur Seite. Als Starredner in Barcelona machte er Stimmung für das Ja. Denn Zapatero hatte seine Landsleute als erster Regierungschef im Februar zur Ratifizierung an die Urnen gerufen.

Seit der starke große Bruder allerdings den Weg zu Neuwahlen in Deutschland eingeschlagen hatte, geriet der spanische Ministerpräsident in immer stärkeren Druck, ein Gegengewicht zur nach dem verlorenen Europareferendum in Frankreich ohnehin angeschlagenen deutsch-französischen Achse aufzubauen. In den letzten Monaten hat er sich um bessere Kontakte mit dem Aznar-Freund Blair bemüht. Beim letzten Abendmahl gestern in Madrid mögen die beiden auch über Angela Merkel geplaudert haben. Die CDU-Politikerin hat José Luis Rodríguez Zapatero nie getroffen. Auch für die nächsten Monate ist noch kein Antrittsbesuch geplant.

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