Schröders Männerfreund Liebesgrüße aus Moskau
Hamburg - Danke, Gerd! - Mit diesem Titel erscheint heute eine Sonderausgabe des SPD-Magazins "Vorwärts", in dem Politiker und ein Fußballspieler ihren Dank an Schröder für dessen Kanzlerschaft richten. Franz Müntefering dankt für ein friedliches und selbstbewusstes Deutschland, Jürgen Klinsmann dankt für die WM 2006, die auch Schröders Verdienst sei. Und außerdem erhält Schröder Dankesgrüße aus Moskau - von Wladimir Putin.
Für gewöhnlich meine man, dass das Werk bedeutender Politiker erst nach Ablauf einiger Zeit beurteilt werden könne, setzt Putin zu einem zweiseitigen Brief an. "Der persönliche Beitrag des Bundeskanzlers ist jedoch so einprägsam und seine Politik dermaßen konsequent, dass bestimmte Einschätzungen bereits heute angebracht sind." So lobt Putin Schröders "ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein, seinen Mut und seine Zuverlässigkeit".
Putin sagt aber auch: "Unsere Ansichten zu den aktuellen Problemen des Weltgeschehens stimmten nicht immer überein." Nicht auszuschließen, dass damit das Geschehen im Süden Russlands gemeint ist, wo seit Ende der neunziger Jahre der Tschetschenien-Krieg andauert. Schröders Kritik daran war in der Entwicklung der Freundschaft zu Putin allerdings immer leiser geworden.
Pathetisch macht der Kreml-Chef dagegen deutlich, welche Bedeutung Russland und Deutschland gemeinsam haben: "Seit Jahrhunderten hatten die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern in vieler Hinsicht die gesamte politisch Lage in Europa entscheidend mitgeprägt." Putin betont auch, dass unter Schröder, 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, "Russland und Deutschland den Höchststand des gegenseitigen Verständnisses und der Kooperation in der Geschichte ihrer Beziehungen erreicht haben".
Seitenhiebe für andere Staatschefs
Gerade diese Feststellung ist sicherlich nicht nur an Gerhard Schröder gerichtet. Was da aufgebaut wurde, meint Putin, müsse auch fortbestehen. Denn die globale Situation sei so, "dass von den guten Beziehungen zwischen Russland und Deutschland nicht nur eine sichere Energieversorgung Europas, sondern im weitesten Sinne dieser Worte die Stabilität und Sicherheit in der Welt abhängen".
Nachdem Deutschlands neue Regierungschefin auch Sympathien für eine engere Zusammenarbeit mit Polen verkündete, sorgt sich Putin womöglich um das Fortbestehen der engen Beziehung zwischen Berlin und Moskau. So schreibt er: "Ich hoffe, dass das Bekenntnis zu diesem Basiswissen dem russisch-deutschen Zusammenwirken sowohl heute als auch zukünftig zugrunde liegen wird."
An Schröder schätzt Putin aber auch dessen Eigenständigkeit. Unter Schröder habe sich die Bundesrepublik als fähig erwiesen, eine unabhängige Außenpolitik zu führen. Deutschland "tut dies, ohne dabei die grundlegenden Prinzipien und Normen des Völkerrechts zu verletzen, ohne sich in zweifelhafte Aktionen einbeziehen zu lassen und ohne irgendwelchem Druck von außen nachzugeben".
So ist auch dies nicht nur ein Dankesgruß an den Freund Gerd, sondern auch ein Wink nach London: "Ich darf betonen", schreibt Putin, "dass eine unabhängige Außenpolitik eines der Kernelemente der Souveränität eines jeden Landes ist. Und wir wissen und verstehen sehr wohl, dass bei weitem nicht alle Staaten und deren Führungspersonen in den vergangenen Zeiten imstande waren und heute imstande sind, eine solche Politik zu betreiben."