Schüsse auf Trauerzug Dutzende Tote bei Anschlagsserie im Irak

Verheerende Attentatsserie im Irak: In Tal Afar haben Attentäter Autobomben auf einem Marktplatz gezündet - gerade erst hatte US-Präsident Bush die Stadt als Beispiel für die verbesserte Sicherheitslage genannt. In der Nähe von Bagdad nahmen Extremisten einen Trauerzug unter Feuer.


Bagdad - Bei dem Anschlag auf einen Begräbniszug im Dorf Asrija südlich von Bagdad wurden heute mindestens vier Menschen getötet. Zahlreiche weitere Trauergäste seien verletzt worden, als Bewaffnete das Feuer eröffnet hätten, berichteten Augenzeugen.

Anschlag in Ramadi: Tödliche Sprengsätze auf einem Lastwagen
REUTERS

Anschlag in Ramadi: Tödliche Sprengsätze auf einem Lastwagen

Auch in mehreren anderen Orten wurden Iraker wieder Opfer der täglichen Gewalt: In der Unruhe-Provinz Anbar kamen mindestens 17 Menschen ums Leben: In der Stadt Ramadi, 110 Kilometer westlich von Bagdad, zündete ein Selbstmordattentäter einen mit einem Sprengsatz vollgepackten Lastwagen vor einem von Polizisten besuchten Restaurant.

Ein weiterer Anschlag richtete sich gegen einen irakischen Stammesführer in Abu Ghureib. Dabei kamen neben den beiden Attentätern zwei Menschen um, darunter auch der Sohn des Stammesführers.

In dem im Nordwesten Iraks gelegenen Ort Tal Afar wurden wenig später bei zwei Bombenanschlägen mindestens 45 Menschen getötet. In den Gebieten an der Grenze zu Syrien kämpft ein Bündnis von Stämmen gegen Einflüsse der Terrororganisation al-Qaida. Nach einer Offensive gegen dortige Extremisten hatte US-Präsident George W. Bush Tal Afar als Beispiel für eine verbesserte Sicherheitslage im Irak genannt.

In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Selbstmordattentate in der Region gegeben. Für den Anschlag auf den Stammesfürsten machten Verwandte die Qaida verantwortlich. Zu dem Stamm gehört der irakische Vize-Ministerpräsident Salam al-Sobaie, der vergangene Woche einen Anschlag überlebte.

In der nordirakischen Stadt Kirkuk fielen gestern Abend zwei katholische Nonnen im Alter von 79 und 85 Jahren einem Mordanschlag zum Opfer. Die Täter drangen in das Haus der beiden allein lebenden Frauen in der Nähe der Jungfrau-Maria-Kathedrale ein. Die jüngere von ihnen wurde im Garten vor dem Haus attackiert und mit sieben Messerstichen getötet. Danach brachten die Mörder die auf einem Sofa im Haus liegende Schwester um. Anzeichen für einen Raub gab es nicht, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Margaret und Fauseijah Naum gehörten der chaldäisch-katholischen Kirche an, deren Mitglieder vor allem in Syrien und der Türkei sowie in Iran und im Irak leben.

US-Truppen fassten zwei mutmaßliche Bombenleger, die für den Tod von rund 900 Zivilisten verantwortlich sein sollen. Die Männer seien Anführer einer Zelle von Attentätern, teilte das US-Militär mit. Sie seien am 21. März im überwiegend von Sunniten bewohnten Bagdader Stadtteil Adhamija festgenommen worden.

Die Mitglieder der Zelle hätten seit November mit Autobombenanschlägen überwiegend im schiitischen Bezirk Sadr etwa 900 unschuldige Iraker getötet und fast 2000 verletzt. Ob die Gruppe zur a-Qaida oder einer anderen Gruppe von Aufständischen gehört, ist nicht bekannt.

In der südirakischen Stadt Nadschaf stürmten US-Soldaten das Anwesen des schiitischen Geistlichen Mohammed al-Tabatbaie, eines engen Vertrauten des radikalen Predigers Muktada al-Sadr. Bei einem Feuergefecht mit Wachleuten des Hauses töteten die Amerikaner zwei Männer und verletzten drei weitere. Al-Tabatbaie hatte sich zum Zeitpunkt der Razzia nicht dort aufgehalten. Er war bereits im August 2004, als die bewaffneten Aktionen der Sadr-Milizen gegen das US- Militär ihren ersten Höhepunkt erreicht hatten, mehrere Wochen lang in US-Haft gewesen.

als/Reuters/dpa/AP



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