Schüsse in Pakistan Todesvideo bringt Sicherheitskräfte in Not

Pakistans Sicherheitskräfte haben ohnehin einen schlechten Ruf, nun bringt ein grausiges Video die Truppe in Erklärungsnot. Eine Gruppe von Paramilitärs stellt einen jungen Mann und erschießt ihn, angeblich zur Selbstverteidigung. Doch der Film zeigt: Der Mann war unbewaffnet.

Von , Islamabad


Die Bilder flimmern am Donnerstag in Dauerschleife über die Bildschirme, auch ein paar Zeitungen haben Bilder daraus gedruckt: Ein junger Mann steht gebückt vor einer Gruppe von Männern in khakifarbenen Uniformen, auf ihren T-Shirts steht das Wort "Rangers". Es sind Paramilitärs, die man überall in Pakistan sieht. Einer der Sicherheitskräfte richtet seine Waffe auf den Mann und drückt ab. Sarfaraz Shah, ein 19-jähriger Student, ist tot.

Das Material, zufällig per Videokamera gefilmt, belegt, dass der Sprecher der Paramilitärs die Unwahrheit gesagt hat. Der hatte nach dem Vorfall am Mittwochabend in der südpakistanischen Hafenmetropole Karatschi erklärt, Shah sei nach einem Schusswechsel mit den Rangern erschossen worden.

Ein Polizist habe sich bei den Rangern außerhalb eines Parks beschwert, ein Mann belästige Spaziergänger und stehle Geld. Die Uniformierten hätten daraufhin den Park durchsucht und den Mann "auf frischer Tat" ertappt. "Der junge Mann feuerte auf die Ranger, woraufhin sie zurückschossen. Dabei wurde der Bandit getötet", sagte der für die Ranger in der Provinz Sindh zuständige Sprecher. Angaben über eventuelles Diebesgut machte er nicht.

"Sie missbrauchen ihre Macht"

Doch dann tauchte das Video auf: Es gab keinen Schusswechsel, jedenfalls nicht kurz vor dem Tod Shahs. Auf den Bildern sind fünf Ranger zu sehen, Shah steht nur wenige Meter von ihnen entfernt, unbewaffnet, als ihn der Schuss trifft.

Hunderte Freunde und Familienmitglieder demonstrierten noch in der Nacht zu Donnerstag vor dem Haus des Ministerpräsidenten der Provinz und verlangten eine Aufklärung des Vorfalls. Dabei trugen sie den Leichnam von Shah bei sich.

Salik Shah, ein Kriminalreporter und Bruder des Getöteten, sagte, sein Bruder sei kein Räuber gewesen. "Sie haben einen Unschuldigen getötet. Es scheint ein Fall von Willkür der Rangers zu sein. Sie missbrauchen ihre Macht, indem sie einfach schießen."

Am Donnerstag wurde Shah unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit in Karatschi beerdigt. Pakistans Premierminister Yousuf Raza Gilani ordnete eine Untersuchung an. Nach Angaben der Regierung wurde der Polizist, der Shah des Raubes beschuldigt hatte, vom Dienst suspendiert. Außerdem seien fünf Paramilitärs festgenommen worden, erklärte die Provinzregierung.

Kann man den Sicherheitskräften trauen?

Ein zweites Video, das später am Donnerstag veröffentlicht wurde, zeigt, wie Soldaten Shah zu einem Auto eskortieren. Dort schubst ihn jemand in Richtung der fünf Ranger. Shah bewegt sich mit ausgestreckten Armen auf die Uniformierten zu. Einer von ihnen schubst ihn zurück, es kommt zu der Szene, die bereits aus dem ersten Film bekannt ist. Diesmal hört man ihn sagen: "Ich bin verzweifelt."

Zwei Schüsse fallen, sie treffen ihn im Unterleib. Shah schreit, er fällt zu Boden, wälzt sich vor Schmerzen, schreit um Hilfe. Die Uniformierten bleiben ungerührt, niemand hilft ihm. Shah verblutet, stirbt vor den Augen der Paramilitärs.

In einer weiteren offiziellen Erklärung versuchte der Sprecher der Paramilitärs, den Vorfall damit zu erklären, dass Shah versucht habe, das Gewehr eines der Uniformierten zu ergreifen. Freunde des Getöteten behaupten dagegen, Shah habe lediglich darum gebeten, dass man nicht ein Gewehr auf ihn richten solle. Die Ranger versprachen nun, den Fall aufzuklären.

Doch die Sicherheitskräfte Pakistans geraten durch diesen Vorfall erneut in die Kritik der Öffentlichkeit. Im Mai hatte eine Gruppe von ihnen an einem Kontrollposten nahe der Stadt Quetta eine Familie erschossen - einen Mann, dessen schwangere Ehefrau sowie die drei Kinder. Zunächst hieß es, es habe sich um Selbstmordattentäter gehandelt. Es stellte sich heraus, dass die Opfer, allesamt Tschetschenen, unbewaffnet waren und keinen Sprengstoff bei sich hatten.



insgesamt 29 Beiträge
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geotie 09.06.2011
1. Yohh
Sicherheitskräfte die für Sicherheit sorgen sollen und doch nur den Terror ins Land holen und fördern, mehr ist das nicht. Das sind Leute, die gerne mit Waffen rumhantieren und diese auch mal benutzen wollen. Diese Gruppe von Mördern muss sofort aufgelöst werden, Täter müssen wegen den Status als Sicherheitskräfte mindestens doppelt bestraft werden. Sofort!
BlubberLord 09.06.2011
2. Grässlich
Mir fehlen die Worte. Einfach abscheulich! Wie können so kranke Menschen für die Regierung arbeiten?
mars81 09.06.2011
3. Schlechte Publicity
Schlechter kann die Publicity nicht mehr sein. Damit schaufeln sie sich Ihr eigenes Grab. Es erinnert mich ein wenig an Vietnam. Damals erschoss ein amerikanischer Soldat einen angeblichen Vietcong vor laufender Kamera, was den USA damals auch sehr schadete. So wird der Ruf der Pakistanis durch diese Tat ebenso weiter beschädigt.
katanga1 09.06.2011
4. Unmenschlich babarisch
Nichts aber auch nichts was die Paramilitärs in Pakistan angegeben haben stimmt. Sie haben gelogen um sich selbst zu schützen. Hier der Beweis: http://www.youtube.com/watch?v=gQTBK734gis Wie kann so etwas nur passieren? Wie wird man so brutal?
hokie 09.06.2011
5. ...
Zitat von mars81Schlechter kann die Publicity nicht mehr sein. Damit schaufeln sie sich Ihr eigenes Grab. Es erinnert mich ein wenig an Vietnam. Damals erschoss ein amerikanischer Soldat einen angeblichen Vietcong vor laufender Kamera, was den USA damals auch sehr schadete. So wird der Ruf der Pakistanis durch diese Tat ebenso weiter beschädigt.
[QUOTE=mars81;8026266]Es erinnert mich ein wenig an Vietnam. Damals erschoss ein amerikanischer Soldat einen angeblichen Vietcong vor laufender Kamera, was den USA damals auch sehr schadete. QUOTE] Ich vermute ganz stark das Sie auf Nguyen Ngoc Loan anspielen; dieser war kein US Soldat!
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