Schuldenkrise in Italien Italiener wollen den Euro behalten

Die Euro-Zone ohne Italien? Die Italiener sind laut einer Umfrage nicht für einen Euro-Ausstieg ihres kriselnden Landes. Beppe Grillo hatte ein Votum ins Gespräch gebracht. Er kündigte jetzt an, sich aus der Politik zurückzuziehen, sollte seine Bewegung mit einer Regierung Bersani koalieren.


Rom - FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle hielt es bereits für mögliche, und der italienische Überraschungswahlgewinner Beppe Grillo wäre sowieso dafür. Nur die Italiener, die wollen offensichtlich nicht mitspielen: Die Mehrheit der Italiener ist einer Umfrage zufolge gegen ein Referendum über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone. 69 Prozent sprachen sich dagegen aus, wie eine Erhebung des Instituts Ispo für die Zeitung "Corriere della Sera" am Sonntag ergab.

Lediglich 30 Prozent waren der Ansicht, dass ein Referendum sehr gut oder gut sei. Der euroskeptische Politiker und Ex-Komiker Beppe Grillo hatte ein solches Votum ins Gespräch gebracht. Wie die Umfrage weiter zeigte, wollen 74 Prozent der Italiener den Euro jedoch behalten. Lediglich 16 Prozent plädieren für eine Rückkehr zur Lire. Auch unter den Anhängern von Grillos Fünf-Sterne-Bewegung ist das Bild klar: 73 Prozent von ihnen wollen den Euro als Zahlungsmittel und 65 Prozent sind gegen ein Referendum. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone steckt seit Jahren in der Krise, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung sind hoch.

Grillo will Mitte-links-Allianz nicht unterstützen

Bei der Wahl in Italien Ende Februar hatte sich keine klare Regierungsmehrheit ergeben. Die sozialdemokratisch orientierte Demokratische Partei von Pier Luigi Bersani will trotzdem versuchen, die Regierung zu bilden. Der Protestpolitiker Grillo will ihn dabei nicht unterstützen. Er hat am Sonntag seinen Rückzug aus der Politik für den Fall angekündigt, dass die Abgeordneten seiner Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) sich hinter eine linksgerichtete Regierung stellen sollten. "Wenn es ein Vertrauensvotum der parlamentarischen Gruppe der M5S für diejenigen geben sollte, die Italien zerstört haben, werde ich mich heiter aus der Politik zurückziehen", twitterte Grillo am Sonntagabend.

Damit Bersani mit seiner Mitte-links-Allianz eine Minderheitsregierung bilden kann, wäre er jedoch auf die Stimmen von Grillos Fünf-Sterne-Bewegung angewiesen. Diese hatte bei der Wahl überraschend 25 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können.

Grillo will weder mit Bersani noch mit dem Rechtsbündnis des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi koalieren. Auch Bersani lehnt eine Koalition mit Berlusconi ab. Zuletzt brachte er eine Minderheitsregierung ins Spiel. Da für die Verabschiedung von Gesetzen eine Mehrheit in beiden Kammern benötigt wird, ist unklar, ob es eine handlungsfähige Regierung geben wird.

sun/Reuters/AFP



insgesamt 29 Beiträge
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Herrmann der Verräter 11.03.2013
1. Italien und Euro
Ich würde nicht so viel Wert auf die Umfragen vom Corriere della Sera. Die Zeitung ist sehr linksfreundlich und erzählt Dinge, die sie nicht halten kann. Laut seriöserer Einschätzung ist rund die Hälfte der Italiener mit dem Euro und vor allem mit Deutschland sehr unzufrieden. Italiener wollen kein Europa unter deutscher Führung, weil dieses Land sehr egozentrisch und zu dominant ist. Es predigt Spartheorien, die es nur für andere Länder gelten sollen und verdient sich an der Krise der südeurp.Länder mehr als eine goldene Nase. Außerdem dulden die Italiener keine deutsche Einmischung in ihre Angelegenheiten. Würde Deutsche umgekehrt euch nicht mögen. Schwer zu verstehen Germans ?
Nevermeind 11.03.2013
2.
Sag ich doch seit 12 Jahren. Es sind viel mehr Italiener als Deutsche fuer den Euro. Und beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, der jeweils groesste Euro-Profiteur zu sein. Vielleicht haben die Italiener aber auch einfach mehr gesunden Menschenverstand, denn die Einfuehrung des Euro war wohl nach allgemeiner Erkenntnis Unsinn, seine Aufloesung waere aber sich noch groesserer Quatsch (wenn man von astronomischen Spekulantengewinnen fuer einige wenige absieht).
rondragon 11.03.2013
3. Opposition
Grillo erweckt den Eindruck in Italien eine Art Fundamentalopposition durchsetzen zu wollen. Es ist fraglich ob er seinen Anhängern damit einen Dienst erweist oder ob es nicht besser wäre sich an der Regierung zu beteiligen und damit auch Verantwortung zu übernehmen.
luxus64 11.03.2013
4. Warum sollen wir uns einmischen in Italien?
Wenn die Italiener den Euro behalten wollen müssen sie auch etwas ändern an ihren Schulden und nicht daran denken das die Deutschen deren Schulden begleichen und richtig wählen.
flyforcash 11.03.2013
5. Natürlich wollen sie den Euro behalten...
...solange der Rest Europas den italienischen Chaoshaushalt finanziert ohne je auch nur eine entfernte Aussicht auf Rückzahlung zu haben.
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