Vergeltung für Schulmassaker Pakistan trauert - und richtet Terroristen hin

Auf das Massaker der Taliban in Peschawar reagiert Pakistan mit der Wiedereinführung der Todesstrafe. Sechs Terroristen wurden bereits gehängt, weitere Exekutionen sollen folgen. Gleichzeitig trauert das Land um die Opfer des Terrors.

Trauernde in Peschawar: "Die gingen in die Schule und kamen niemals zurück"
REUTERS

Trauernde in Peschawar: "Die gingen in die Schule und kamen niemals zurück"


Islamabad - Nach dem Massaker der Taliban an einer Schule in Peschawar sind in Pakistan am Sonntag vier weitere Terroristen gehängt worden. Die Männer seien hingerichtet worden, weil sie im Jahr 2003 an dem erfolglosen Anschlag auf den damaligen Militärmachthaber Pervez Musharraf teilgenommen hatten, sagte der Innenminister der Provinz Punjab, Shuja Khanzada.

Im Jahr 2008 wurde in Pakistan die Todesstrafe für Terroristen ausgesetzt - Premierminister Nawaz Sharif hat sie nun wieder eingeführt: Am Freitag waren bereits die ersten beiden Terroristen hingerichtet worden. Bei weiteren 17 zum Tode Verurteilten sei noch kein Hinrichtungsbefehl unterzeichnet worden, hieß es am Freitag aus der Gefängnisverwaltung in Islamabad. Es werde aber erwartet, dass sie in der kommenden Woche gehängt würden.

Der Premier reagiert damit auf das Schulmassaker vom Dienstag. Mehr als 140 Menschen waren bei dem Taliban-Anschlag an einer Schule in Peschawar gestorben.

Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Hinrichtungen: Human Rights Watch erklärte, es handle sich um "eine feige politisierte Reaktion auf die Morde von Peschawar" und forderte die Aussetzung aller geplanten Exekutionen. Amnesty International nannte die Hinrichtungen eine "zynische Reaktion".

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Pakistan: Taliban-Angriff auf Schule

Am Sonntag legten Tausende Männer, Frauen und Kinder am Anschlagsort Blumen nieder und zündeten Kerzen an. "Was für ein Mensch kann ein Kind töten?", fragte Anwohner Imdad Hussain. "Erst griffen sie Moscheen an, dann Märkte und jetzt auch Schulen", sagte eine Trauernde. "Wir werden es nicht zulassen, dass unsere Kinder getötet werden", versicherte sie. Eine weitere Frau forderte die öffentliche Hinrichtung der Attentäter, andere Trauernde skandierten: "Lang lebe die pakistanische Armee", "Taliban sind Wilde" und "Tod den Terroristen".

Diese Forderung deckt sich offenbar mit den Plänen von Politik und Militär: Armeechef Raheel Sharif erklärte, der Angriff habe die Entschlossenheit der Streitkräfte noch verstärkt, die Aufständischen "endgültig zu eliminieren". Die Nachrichten allein von diesem Wochenende scheinen dies zu bestätigen:

  • Bei Gefechten der Armee und einem US-Drohnenangriff wurden in den Stammesgebieten im Nordwesten des Landes am Samstag mindestens zwölf Taliban-Kämpfer getötet.
  • Bei einer Razzia in der Stadt Shabqadar etwa 30 Kilometer nördlich von Peschawar wurden am Samstag nach offiziellen Angaben zwei Extremisten getötet. Bei Schusswechseln starben dort demnach auch ein Polizist und ein paramilitärischer Kämpfer.
  • Fünf weitere Aufständische wurden nach Behördenangaben in der Stadt Matni rund 15 Kilometer südlich von Peschawar getötet.
  • Beim Angriff einer US-Drohne in der Region Nord-Waziristan starben demnach mindestens fünf Taliban-Kämpfer.

Als Folge des Anschlags in Peschawar wurden auch die landesweiten Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft: Am Samstag wurde an allen Flughäfen des Landes die höchste Alarmstufe ausgerufen. An Gefängnissen, in denen Extremisten einsitzen, wurden Soldaten postiert. Mehrere Bildungseinrichtungen, darunter die renommierte Quaid-i-Azam-Universität in der Hauptstadt Islamabad, wurden bis auf Weiteres geschlossen.

Die Rebellenbewegung Tehrik-i-Taliban Pakistan hatte sich zu dem Anschlag auf die Schule bekannt und diesen als Vergeltung für die Militäroffensive in den Stammesgebieten bezeichnet. Nach offiziellen Angaben wurden bei den Armeeeinsätzen gegen die Aufständischen in den Stammesbezirken im Nordwesten Pakistans bislang mehr als 1700 Aufständische und etwa 130 Soldaten getötet.

Menschenrechtsaktivisten werfen dem Militär aber vor, eine zu hohe Zahl getöteter Aufständischer anzugeben und Opfer in der Zivilbevölkerung zu verschweigen.

fln/AFP/dpa

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