Schwarzeneggers Vereidigung Ein Kennedy aus Graz

Der Mann hat große Vorbilder. Bei seiner Amtseinführung zum 38. Gouverneur von Kalifornien hat sich Filmheld Arnold Schwarzenegger in die Tradition eines legendären US-Politikers gestellt: Präsident John F. Kennedy, den Verwandten seiner Frau Maria.


"Idealist ohne Illusionen": Gouverneur Schwarzenegger
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"Idealist ohne Illusionen": Gouverneur Schwarzenegger

Sacramento - Seine Frau Maria Shriver hielt die Bibel, als der Vorsitzende Richter am Obersten Gerichtshof Kaliforniens, Ronald George, die Eidesformel verlas, die Schwarzenegger nachsprach. Unter Bezug auf den berühmten Onkel seiner Frau fügte der Action-Star hinzu: "In den Worten von Präsident Kennedy, 'Ich bin ein Idealist ohne Illusionen'."

Es war der Höhepunkt einer beispiellosen Karriere des in Österreich geborene Schauspielers und Bodybuilders. 7500 geladenen Gäste und Anhänger, darunter die Kollegen Danny DeVito und Tom Arnold, waren dabei, als der 56-Jährige auf den Stufen des Kapitols seinen Amtseid ablegte. Vanessa Williams sang die amerikanische Nationalhymne während der vierzigminütigen Zeremonie.

740 Journalisten berichteten, so viele wie sonst nur bei der Amtseinführung des Präsidenten. Millionen Menschen in den USA verfolgten die Vereidigung vor ihren Fernsehern.

In einer kurzen, zwölfminütigen Antrittsrede versprach Schwarzenegger, den Staat aus der schweren Wirtschaftskrise herauszuführen. Als Bodybuilder habe er gelernt, "dass wir immer stärker sind, als wir vermuten". Er sei tief gerührt, dass er nun Gouverneur dieses Landes sei, sagte Schwarzenegger. Ihm fehlten geradezu die Worte, erklärte er nach dem Eid.

Aus Spargründen hatte der neue Gouverneur auf Hollywood-Glitzer und Galaempfänge verzichtet. Schon am Dienstag soll der kalifornische Kongress zu einer Sondersitzung zusammenkommen, bei der Schwarzenegger erste Finanzstrategien vorstellen will. Als erste Amtshandlung stoppte er eine geplante Erhöhung der Kraftfahrzeug-Steuer um 300 Prozent. Schätzungen zufolge könnte die Rücknahme der Steuer im kommenden Jahr das Haushaltsdefizit um weitere 7,4 Milliarden Dollar auf 17,8 Milliarden Dollar ansteigen lassen. Im Wahlkampf hatte Schwarzenegger versprochen, weder die Steuern zu erhöhen noch den Rotstift in Bereichen wie Bildung und Erziehung anzusetzen.

Der unter anderem durch die "Terminator"-Filme berühmte Film-Star ist nach Ronald Reagan der zweite Schauspieler, der das höchste Amt in dem mit 35 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Staat der USA bekleidet. Dem Politik-Neuling war es bei vorgezogenen Neuwahlen am 7. Oktober gelungen, den amtierenden Demokraten Davis von seinem Gouverneursposten zu verdrängen. Schwarzenegger, ein Republikaner, wird nun die drei verbleibenden Jahre von der Amtszeit seines Vorgängers übernehmen.



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