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13. Februar 2017, 19:45 Uhr

Ministerinnen auf Reisen

Schwedische Regierung verteidigt Kopftuch-Auftritt in Iran

Schwedens Kabinett bezeichnet sich selbst als "feministische Regierung". Nun muss sich die Handelsministerin jedoch gegen heftige Kritik wehren: Bei einem Iran-Besuch trugen sie und ihre Delegation das für Frauen vorgeschriebene Kopftuch.

Die schwedische Regierung hat mit einer Iran-Reise Empörung ausgelöst. Bei einem Besuch in Teheran wollte eine Delegation unter Handelsministerin Ann Linde nicht gegen die Kleiderordnung verstoßen und hielt sich an das Kopftuch-Gebot der islamischen Republik.

Linde war mit Vertreterinnen aus Wirtschaft und Politik nach Iran gereist, um mehrere Abkommen mit dem iranischen Regime zu unterzeichnen. Wie die BBC berichtet, kritisierten iranische Frauenrechtlerinnen und schwedische Politiker den Auftritt der Ministerinnen in Teheran.

"Das ist ruinös für etwas, das sich feministische Außenpolitik nennt", sagte der Vorsitzende von Schwedens Liberalen, Jan Bjorklund. Er nannte Iran ein Land, das Frauen per Gesetz unterdrücke. Die schwedische Delegation hätte darauf bestehen sollen, auf das Kopftuch zu verzichten, sagte Bjorklund laut BBC. Andernfalls hätten sämtliche Abkommen in Schweden oder einem Drittland unterzeichnet werden müssen.

Auch die iranische Journalistin und Aktivistin Masih Alinejad kritisierte den Auftritt öffentlich. Sie postete ein Foto, dass Schwedens Vize-Ministerpräsidentin Isabella Lövin beim Unterzeichnen eines neuen Klimagesetzes zeigt. Auf dem Bild ist Lövin mit einer Reihe weiblicher Kolleginnen abgebildet. Das Foto wurde als Protest gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump gewertet.

Die Frauen der schwedischen Regierung "hätten auch die ähnliche unfaire Situation in Iran verurteilen sollen," kommentierte Alinejad das Bild auf der Facebook-Seite "My Stealthy Freedom", die sie ins Leben gerufen hatte. Auf der Seite ermutigt sie Iranerinnen dazu, Fotos von sich ohne Kopftuch zu posten.

"Wenn man Feministin ist und sich für Gleichberechtigung einsetzt, dann sollte man Ungleichheit überall anfechten," sagte Alinejad der BBC. "Sie müssen zu ihren eigenen Werten stehen," heißt es weiter.

Die schwedische Delegation wies die Kritik zurück. Handelsministerin Linde sagte dem schwedischen "Aftonbladet", sie sei nicht bereit gewesen, das iranische Gesetz zu brechen. Die Alternative sei gewesen, eine ausschließlich männliche Delegation zu entsenden, also habe sie sich lieber für das Kopftuch entschieden.

asc

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