Schweden zum Euro Nej tack!

Schweden bleibt wie Großbritannien und Dänemark außerhalb der Euro-Zone. Bei dem Referendum vom Sonntag stimmten 56,1 Prozent der Bürger für die Beibehaltung der schwedischen Krone. Nur 41,8 Prozent sprachen der europäischen Gemeinschaftswährung ihr Vertrauen aus.


Nein Danke (nej tak): Freude bei den Euro-Gegnern
AFP

Nein Danke (nej tak): Freude bei den Euro-Gegnern

Stockholm - Ministerpräsident Göran Persson machte die wirtschaftlichen Probleme Europas für die politische Niederlage verantwortlich. Noch deutlicher wurde Finanzminister Bosse Ringholm, der auf die hohen Haushaltsdefizite in Deutschland und Frankreich hinwies. Dies habe viele Schweden zu der Auffassung gebracht, dass die Währungsunion nicht funktioniere, sagte der Minister. Auch der finnische Regierungschef Matti Vanhanen kritisierte die Finanzpolitik in Berlin und Paris. "Dies ist eine massive Warnung für die Währungsunion, vor allem für diejenigen Länder, die sich nicht an das Stabilitätsprinzip halten", sagte Vanhanen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder bedauerte den Ausgang des Referendums, respektiere aber die souveräne Entscheidung der schwedischen Bürger. Es sei gut zu wissen, dass die Möglichkeit eines späteren Euro-Beitritts weiterhin gegeben sei. Nach Angaben der schwedischen Regierung soll es vor 2013 keine weitere Volksabstimmung über den Euro geben.

Das britische Außenministerium erklärte, das Nein der Schweden werde die eigene Haltung zum Euro nicht beeinflussen. Darüber sei zu gegebener Zeit allein aufgrund wirtschaftlicher Daten zu entscheiden. In Dänemark lehnte es Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen ab, einen Termin für ein weiteres Euro-Referendum zu nennen - die Dänen haben im Jahr 2000 die Übernahme der Gemeinschaftswährung abgelehnt.

EU hofft auf Revision

"Warnung vor der Europäischen Währungsunion" steht auf diesem Hemd einer schwedischen Euro-Gegnerin. Die Nein-Sager haben am Sonntag gewonnen
AFP

"Warnung vor der Europäischen Währungsunion" steht auf diesem Hemd einer schwedischen Euro-Gegnerin. Die Nein-Sager haben am Sonntag gewonnen

Die EU-Kommission äußerte ihre Hoffnung auf eine Revision der Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt. Die Kommission sei zuversichtlich, dass die schwedische Regierung das Euro-Projekt am Leben erhalten werde, erklärte das Lenkungsgremium der Europäischen Union am Sonntagabend in Brüssel.

An der mit Spannung erwarteten Volksabstimmung nahmen mehr als 5,4 Millionen Schweden teil - etwa 81,2 Prozent der Stimmberechtigten, was etwa der Beteiligung bei Parlamentswahlen entspricht. Der Anteil ungültig abgegebenen Stimmzettel lag bei zwei Prozent.

Fischer bedauert die Entscheidung

Außenminister Joschka Fischer hat sich enttäuscht über die Entscheidung der Schweden gegen die Einführung des Euro geäußert. "Wir bedauern die Entscheidung des schwedischen Souveräns", sagte Fischer am Montag in Berlin. Die EU werde jetzt damit umgehen müssen. "Dies ist ein ganz wichtiger ökonomischer Faktor für uns alle", sagte Fischer.



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