Schweizer Parlamentswahl Blocher legt nur mäßig zu

Es wird wohl doch nichts mit dem Erdrutschsieg für die rechtsgerichtete SVP. Ersten Hochrechnungen zufolge konnte die Schweizerische Volkspartei zwar zulegen - aber nicht so stark, wie sich der umstrittene Spitzenkandidat Christoph Blocher das gewünscht hatte.

Bern - Es wird wohl keinen großen politischen Richtungswechsel in der Schweiz geben. Nach ersten Hochrechnungen in einigen wenigen Kantonen ging offenbar - wie in Umfragen erwartet - die nationalkonservative Schweizerische Volkspartei (SVP) gestärkt aus den Wahlen hervor. Für den von der größten Schweizer Partei angepeilten überragenden Sieg gibt es bisher keine Anzeichen. Sie hat voraussichtlich trotz eines aufwändigen Wahlkampfs mit fremdenfeindlichen Parolen im Vergleich zum letzten Wahlgang vor vier Jahren kaum dazugewonnen - und dürfte rund 27 Prozent der Stimmen geholt haben, wie Wahlforscher nach Schließung der Wahllokale sagten.

Eigentliche Gewinner dürften dagegen die Grünen sein, die Demoskopen zufolge auf rund zehn Prozent kommen, was ein Plus von zwei bis drei Prozent bedeuten würde. In der traditionell recht festgefügten eidgenössischen Parteienlandschaft wäre das ein respektabler Erfolg. Von den Mitte-Parteien dürften Sozialdemokraten (SP) und Freisinnige (FDP) auf der Verliererseite stehen, während die Christdemokraten (CVP) wohl leicht zulegen können.

Im Kanton Zürich verliert die SP den bisherigen Auszählungen zufolge fast acht Prozent. Auch die FDP muss Verluste hinnehmen. Gestärkt ist dort die politische Mitte: Grünliberale und CVP gewinnen zusammen zehn Prozent Wähleranteil.

Im kleinen Bergkanton Obwalden wurde die SVP zur stärksten Partei. Schweizer Beobachter werten dieses Ergebnis als kleine Sensation, da der Kanton als Stammland der Christdemokraten (CVP) galt. Der SVP-Kandidat gewann mit weniger als hundert Stimmen Vorsprung. In den bevölkerungsreichsten Kantonen wie Zürich, Bern oder dem Aargau wird noch gezählt. Überdies wurden aus den nordöstlichen Kantonen Zürich, St. Gallen und Thurgau Computerprobleme gemeldet. Diese Kantone betreiben gemeinsam ein Rechenzentrum.

Hohe Wahlbeteiligung

Insgesamt zeichnet sich eine etwas höhere Wahlbeteiligung als vor vier Jahren ab. Damals lag sie bei über 45 Prozent. Der polemisch-aggressive und mit fremdenfeindlichen Tönen durchsetzte Wahlkampf der rechtskonservativen SVP hat offenbar für einen Mobilisierungseffekt bei den Wählern gesorgt.

Der Wahlkampf war voll auf den umstrittenen SVP-Spitzenkandidaten, Justizminister Christoph Blocher, ausgerichtet, der vor allem die umstrittene Ausländerpolitik seiner Partei hart vertreten hat. Sozialdemokraten und Grüne hatten sich zum Ziel gesetzt, einen Minister Blocher in der nächsten Regierung zu verhindern. Die nie zuvor dagewesene Polarisierung im Schweizer Wahlkampf hatte alle anderen Sachthemen an den Rand gedrängt.

Die rund 4,9 Millionen Wähler konnten nach einem der härtesten und teuersten Wahlkämpfe in der Geschichte der Schweiz aus einer Rekordzahl von über 3000 Bewerbern, darunter ein Drittel Frauen, Abgeordnete für die 200 Parlamentssitze auswählen.

ler/dpa/Reuters

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