Schweizer Reaktionen "Steinbrück soll Kavallerie im Stall lassen"

"Rechthaberischer preußischer Junker", "fehlende Umgangsformen": Die Schweizer können sich über Steinbrücks Kanzlerkandidatur nicht so recht freuen. Kein Wunder: Er hat den Eidgenossen einst mit der Kavallerie gedroht.
Nachgespielte Kavallerie-Attacke: "schneidiger Auftritt, schnoddriger Ton"

Nachgespielte Kavallerie-Attacke: "schneidiger Auftritt, schnoddriger Ton"

Foto: Michael Reynolds/ dpa

Hamburg - Im Steuerstreit avisierte Finanzminister Peer Steinbrück den Schweizern den Einsatz von Reitertruppen - jetzt will er Kanzler werden. Kein Wunder, dass die Eidgenossen auf die Nachricht von Steinbrücks Kandidatur verhalten reagieren. Schweizer Politiker wollten sich am Wochenende nur auf Nachfrage äußern. "Ich hoffe, dass er sich besinnt, die Kavallerie im Stall lässt und sich zivilisiert über die Schweiz äußert", sagte der Parteipräsident der liberalen FDP, Philipp Müller, nach Angaben der Boulevardzeitung "Blick".

Er zweifle an Steinbrücks Chancen, zitiert das Blatt den christdemokratischen Ständerat (so heißen in der Schweiz die Abgeordneten der kleinen Kammer des Parlaments) Pirmin Bischof von der konservativen CVP. "Aus Schweizer Sicht ist es speziell, dass gerade der Mann antritt, der die Kavallerie schicken wollte", sagte Bischof.

Im Steuerstreit mit der Schweiz hatte Steinbrück 2009 als Bundesfinanzminister den Nachbarn scherzhaft mit der Kavallerie gedroht. Ein Scherz, der in der Schweiz nicht gut ankam. Denn schließlich musste das kleine Land im Zweiten Weltkrieg tatsächlich befürchten, von deutschen Soldaten überrannt zu werden. Steinbrück verkörpere aus Schweizer Sicht fast idealtypisch das Bild des rechthaberischen preußischen Junkers, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung am Sonntag": "Schneidiger Auftritt, schnoddriger Ton."

Das finden einige Schweizer allerdings gar nicht so schlecht: "Eine Katastrophe? Im Gegenteil. Der Mann spricht klar aus, um was es geht und was er will. Das sollten wir Schweizer genau so machen", zitiert "Blick" einen Leser des Blattes. Ein anderer Leser will Steinbrück dagegen einen Benimmkurs verordnen: "Für das Amt des Deutschen Bundeskanzlers - eines der einflussreichsten politischen Ämter in Europa, wenn nicht gar weltweit - braucht es Umgangsformen und eine politische Kultur." Dass Steinbrück diese Voraussetzungen nicht erfülle, wüssten nicht nur die Schweizer.

ric/dpa
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