Schwere Anschläge in Pakistan Islamisten kündigen Friedensabkommen auf

Blutiges Wochenende in Pakistan: Bei mehreren Anschlägen wurden Dutzende Menschen getötet. Stammeskrieger in der Grenzregion zu Afghanistan kündigten eine Friedensvereinbarung mit der Regierung in Islamabad auf.


Islamabad - In der pakistanischen Grenzregion zu Afghanistan haben Stammeskrieger heute ein umstrittenes Friedensabkommen mit der Regierung aufgekündigt. "Wir beenden die Vereinbarung heute", erklärte der Rat der örtlichen Taliban in einer in Miranshah verteilten Erklärung. Miranshah ist die Hauptstadt des Stammesgebietes Nord-Waziristan, in dem bei einem Anschlag auf einen Militärkonvoi am Samstag 24 Menschen starben.

Am Samstag hatte zudem ein Taliban-naher Kämpfer aus der Grenzregion mit "Guerilla-Krieg" gedroht. "Wenn die Regierungstruppen nicht bis zum 15. Juli die Kontrollpunkte räumen, werden wir das geltende Friedensabkommen mit der Regierung beenden und einen Guerilla-Krieg beginnen", sagte der Befehlshaber Abdullah Farhad der Nachrichtenagentur AFP. Die Regierung hatte das Abkommen im vergangenen September mit Stämmen in der Grenzregion geschlossen.

Heute wurden bei einem Anschlag auf einen Militär- und Polizeikonvoi mindestens 14 Menschen getötet, darunter mehrere Soldaten. Mehrere Dutzend Menschen seien verletzt worden. Ein Polizeisprecher in der Gebirgsregion Swat teilte mit, ein Selbstmordattentäter habe die Fahrzeugkolonne angegriffen. Nach der Explosion habe es einen Schusswechsel gegeben.

Ein Heeressprecher in Islamabad sagte, er könne nicht die Beteiligung eines Selbstmordattentäters bestätigen. Möglicherweise sei der Konvoi in dem Ort Matta auch mit an der Straße versteckten Sprengsätzen angegriffen worden. Von den Bergen aus hätten Militante nach den Explosionen die Polizeiwache und das Krankenhaus von Matta beschossen.

Beim dritten großen Selbstmordanschlag des Wochenendes in Pakistan wurden am Sonntag mindestens zwölf Menschen getötet. Das Attentat ereignete sich in einer Polizeirekrutierungsstelle im Nordwesten, teilte die Polizei mit.

Gestern wurden bei einem Selbstmordanschlag, der sich ebenfalls an der Grenze zu Afghanistan ereignete, 24 Soldaten getötet und Dutzende verletzt. Das pakistanische Militär verstärkt derzeit seine Truppen im von Stämmen besiedelten und schwer zu regierenden Grenzgebiet, wo sich nach Regierungsangaben Radikalislamisten der Taliban und des Terrornetzwerks al-Qaida versteckt halten.

Nach der Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad in der vergangenen Woche haben in Pakistan die Spannungen zwischen der Regierung und islamischen Extremisten weiter zugenommen. Radikale Islamisten im Land hatten danach zum "Heiligen Krieg" aufgerufen. Staatschef Pervez Musharraf kündigte seinerseits ein hartes Vorgehen gegen die Islamisten an - auch "in den hintersten Winkeln des Landes".

abl/dpa/AP/AFP



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