Schwere Explosion Taliban greifen Luxushotel in Kabul an

Riesenexplosion in Kabul: Das Luxushotel "Serena" wurde offenbar von Taliban-Terroristen angegriffen. Nach einem Feuergefecht mit Wachleuten zündeten die Angreifer Sprengstoff. Mindestens zwei Norweger wurden bei der Attacke verletzt.

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Hamburg - Die Detonation war so stark, dass man sie fast in der ganzen Hauptstadt Afghanistans spüren konnte, berichteten mehrere Einwohner am frühen Abend. "Ich war mehrere Kilometer vom Hotel entfernt und trotzdem bebte der Boden kurz unter meinen Füßen", sagte ein afghanischer Geschäftsmann SPIEGEL ONLINE am Telefon. Den Aussagen zufolge ereignete sich die Explosion um kurz nach sechs Uhr Ortszeit. Der Geschäftsmann sagte, er habe auch Feuergefecht gehört.

Zum Zeitpunkt der Explosion befand sich auch Norwegens Außenminister Jonas Gahr Støre in dem Hotel. Nach Angaben der norwegischen Rundfunks NRK wurde er nicht verletzt. Der Minister sei zur Sicherheit im Keller untergebracht worden. Mindestens zwei Ausländer - es handelt sich um einen norwegischen Fotografen des "Dagbladet" und einen Mitarbeiter des Außenministeriums - seien verletzt worden. Einer der Männer sei schwer verwundet worden, die Blutungen konnten aber gestoppt werden, berichtete ein Augenzeuge SPIEGEL ONLINE.

Mehrere Beamten des BKA, die in dem Hotel untergebracht sind, wurden nicht verletzt, erfuhr SPIEGEL ONLINE aus Berliner Sicherheitskreisen. Die Beamten bemühen sich zur Zeit um eine Lösung in der Geiselkrise um den deutschen Harald K. "Unsere Männer waren glücklicherweise nicht betroffen", sagte ein Berliner Sicherheitsexperte SPIEGEL ONLINE.

Das Hotel wird zur Stunde noch durchsucht - die Ermittler wollen ausschließen, dass sich weitere Angreifer in dem Gebäude versteckt haben.

Die Polizei und das afghanische Innenministerium bestätigten bisher lediglich, dass es in der Nähe des vor einigen Jahren eröffneten Serena-Hotels im Zentrum Kabuls zu einer Explosion gekommen sei. Über Tote oder Verletzte hatte der Sprecher des Innenministeriums angeblich keine Details. Die Polizei sperrte das Gelände weiträumig ab, die Hotelgäste wurden in den hinteren Teil der Nobel-Herberge gebracht.

Die Lage nach dem Angriff auf das mit mehreren Sicherheitsbarrieren, einer ganzen Armada von bewaffneten Wächtern und Funkstörern gegen ferngezündete Bomben ausgerüstete Hotel gestaltete sich unübersichtlich. Doch schon eine knappe Stunde nach der Explosion meldeten sich die Taliban bei den Nachrichtenagenturen. Ein Sprecher behauptete, ein Team der Radikalislamisten habe das Hotel angegriffen.

Demnach habe ein Selbstmordattentäter und drei mit Gewehren und Granaten bewaffnete Kämpfer hätten das Hotel angegriffen. Der Attentäter habe sich in die Luft gesprengt. Die Angaben der Taliban stellten sich in der Vergangenheit oft als Propaganda heraus - manchmal aber stimmen die Mitteilungen auch. Auffällig an der Mitteilung der Taliban war dieses Mal, dass sie nur wenige Minuten nach der schweren Explosion einging.

Zeugen der Tat schilderten SPIEGEL ONLINE am Telefon, es habe zunächst ein Feuergefecht am schwer gesicherten Tor des Hotels, an dem alle Autos durchsucht werden, gegeben. Offenbar, so die Version, habe sich ein Selbstmordtäter dem Tor genähert und sei entdeckt worden. Sehen konnten die Zeugen den Vorfall jedoch nicht.

Kurz darauf, so ein Mitarbeiter des Hotels, sei es zu der heftigen Explosion gekommen. Bisher ist unklar, ob es sich dabei um eine Sprengladung handelte oder eine bei den Taliban beliebte Panzerfaust. Eine weitere Zeugin schilderte der Nachrichtenagentur AP, sie habe in der Lobby des Hotels, die etwa 15 Meter hinter der Schranke liegt, Leichen gesehen. Zudem sei in einem Springbrunnen vor der Eingangshalle viel Blut gewesen.

Das Serena-Hotel, eine Filiale einer pakistanischen Kette, gilt für Ausländer als einzig sicheres Hotel in Kabul. Für 250 Dollar die Nacht steigen hier fast alle ausländischen Diplomaten, Politiker und Geschäftsleute ab. Das Hotel ist von einer meterhohen Mauer umgeben und wird von mehreren Dutzend Sicherheitsleuten bewacht. Bisher hatte es in dem Hotel keine Angrffe gegeben.

mit Material von dpa/Reuters/AP



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